16.000 DPI als Verkaufsargument? Warum nicht? Als Kaufargument? Nö. Was es mit DPI in der Praxis auf sich hat und was sinnvoll ist, lässt sich in wenigen Minuten erklären.

Ihr wollt Euch eine (Gaming-)Maus kaufen und seid vielleicht sogar bereit, dafür etwas tiefer in die Tasche zu greifen? Keine Frage, das kann sich lohnen – aber den DPI-Wert solltet Ihr nicht überschätzen. Schaut man auf die Herstellerseiten, könnte man meinen, das sei ein ernsthaftes Qualitätsmerkmal.

Was sagt DPI überhaupt?

DPI steht für Dots per Inch, also wie viele Abtastpunkte eine Maus auf einer Strecke von 2,54 cm verarbeiten kann. Mal ganz grobschlächtig: Wenn Ihr etwa einen 27-Zoll-Monitor mit einer horizontalen Auflösung von 2560 Pixeln habt und die Maus auf 2560 DPI stellt, müsst Ihr sie 2,54 cm bewegen, um den Mauszeiger einmal über die gesamte Bildschirmbreite zu bewegen (bei Windows-Standardeinstellungen natürlich).

Nun werben Hersteller von Gaming-Mäusen gerne mit enormen DPI-Werten. 12.000 DPI sind quasi Standard, günstige Modelle (alles deutlich unter 50 Euro) beschränken sich oft auf Werte um 3.500 oder 7.000 – nur um mal eine grobe Hausnummer zu nennen. An der DPI-Spitze tummeln sich nun aber auch Mäuse mit der 16.000 auf der Packung, etwa die Corsair Scimitare Pro RGP. Klar: Mehr DPI ermöglichen schnellere Bewegungen. Aber bei obigem Beispiel würdet Ihr den Mauszeiger mit einer Mausbewegung von rund 4 mm über den Monitor schubsen – da ist ebenso klar: Mehr DPI stehen für weniger Präzision.

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Corsair Scimitare Pro: MOBA-Spezialist mit 16.000 DPI.

Wie viel DPI sollten es sein?

Unter Windows könnt Ihr mit 16.000 DPI überhaupt nicht mehr arbeiten. In Spielen gibt es natürlich wieder eigene Einstellungen für die Maussensitivität. Der Gedanke: Viel Maus-DPI und wenig Spiel-Sensitivität sorgen für Präzision. Klingt erstmal einleuchtend, ist in der Praxis aber Quark. Zumal nicht jedes Spiel diese Einstellung bietet und wenn, gilt das nicht immer auch für die Spielmenüs – und da sind 16.000 DPI wieder nur frustrierend. Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, wie es bei Profi-Spielern aussieht? Bei Shootern sind es wohl sehr häufig 400 bis 800 DPI, selten geht es bis rund 1.800 DPI rauf. Bei MOBA & Co. sind es auch schon mal bis zu 3500 DPI, meist aber deutlich weniger. Und wenn man lange genug sucht, findet man in Foren auch Menschen, die bei über 8.000 DPI zocken – aber das hat dann eher Seltenheitswert. Wer in der Geschwindigkeit gut zocken kann – Chapeau!

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HyperX Pulsfire FPS: Shooter-Spezialist mit nur 3.200 DPI.

Ein wenig Puffer sollte natürlich immer sein, wenn man schon 80, 100, 130 Euro für eine Maus ausgibt. Aber was die DPI angeht, tut es eine 3500-DPI-Maus für 20 Euro allemal. Die meisten Gaming-Mäuse haben einen DPI-Schalter, so könnt Ihr etwa zwischen 400 DPI zum präzisen Zielen in Shootern oder zum Markieren von Umrissen in der Bildverarbeitung, 1800 DPI für den Windows-Alltag und 3000 DPI für was auch immer wählen. Wenn Ihr es sehr schnell mögt und Puffer wollt, nehmt eine Maus mit rund 7000 DPI. Und wer auf 12.000 besteht wird es wohl aus Erfahrung wissen – und gar nicht hier sein ;)

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Logitech G502: DPI-Umschalter sind durchaus sinnvoll.

Übrigens: Der DPI-Wert sollte natürlich für Euch passen, aber wirklich achten solltet Ihr vor allem auf die Ergonomie und sinnvolle, gut angeordnete Knöpfe. Ein Mausrad, das zusätzlich nach links und rechts geklickt werden kann, ist beispielsweise etwas, das man sehr schnell nicht mehr missen will. Ihr habt das Teil tendenziell mehrere Hundert Stunden und über Jahre in der Hand – geht in einen Elektronikmarkt und kauft sie dort, denn Anfassen muss sein!

Hier haben wir übrigens noch ein Maus-Duell ;)

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Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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