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USB-C ist nicht gleich USB-C (Bild: Tutonaut)
USB-C ist nicht gleich USB-C (Bild: Tutonaut)

Kabeldschungel: Das richtige USB-C-Kabel finden

Na, schon versucht, ein USB-C-Kabel zu kaufen? Das ist gar nicht so einfach. Wir helfen Euch, den Durchblick zu behalten.

Neulich wollte ich ein Ladekabel für mein Macbook Air kaufen. So richtig einfach war das nicht, denn während ich die Masse der USB-C-Kabel bei Amazon durchkämmte, fiel mir auf, dass es zahllose Varianten gibt: Es gibt USB-C-Kabel mit und ohne Bildschirm-Unterstützung, mit und ohne Datenspur, solche für 15 Watt oder für 100. In diesem Kabeldschungel den Durchblick zu behalten ist allerdings nicht ganz einfach.

USB-C ist nur die Buchse

USB-C ist ein relativ flexibler Standard, der mit USB 3.1 eingeführt wurde und oft synonym verwendet wird. Das stimmt aber nicht: USB-C bezeichnet zunächst nur die Form des Steckers. Der ist oval, relativ klein und vermutlich den meisten von Euch von ihrem Smartphone oder Laptop bekannt. Grundsätzlich bedeutet USB-C also nur, dass das Kabel zumindest an einer Seite in eine entsprechende Buchse passt. Alles Weitere ist, nunja: Kabeldschungel.

Preisfrage: Kann ich mit diesem Kabel mein Notebook laden? (Bild: Tutonaut)
Preisfrage: Kann ich mit diesem Kabel mein Notebook laden? (Bild: Tutonaut)

Ladekabel: Mit oder ohne Daten?

Im konkreten Fall brauchte ich ein Ladekabel, das man aber auch als möglichst schnelles Datenkabel verwenden kann. Dummerweise gibt es sowohl reine USB-C-Ladekabel ohne Datenspur, als auch solche, die nach USB-2.0 oder USB 3.0 spezifiziert sind. Zudem haben die Kabel unterschiedliche Leistungsangaben zwischen 15 und 100 Watt. Was also kaufen? Auf der sicheren Seite ist, wer ein sogenanntes „Full-featured“-USB-C-Kabel kauft: Das ist nach USB 3.1 spezifiziert, kann also nicht nur bis zu 10 Gigabit Daten, sondern auch Bildschirmsignale übermitteln und lädt natürlich auch Euer Smartphone oder Euren Laptop mit bis zu 60 Watt. Zudem besitzen sie einen elektronischen Marker-Chip („E-Marker“), der hilft, die nötige Spannungsversorgung zu ermitteln. Solche Kabel dürfen laut Spezifikation jedoch nicht länger als zwei Meter sein.

Merke: Full-Feature-USB-C-Kabel sind maximal 2 Meter lang. Aber nicht alle kurzen Kabel sind Full-Feature-Kabel.

Kabelsalat deluxe

Und genau an dieser Stelle beginnt das Drama: Längere Kabel sind damit nämlich derzeit in aller Regel keine Full-Featured-USB-C-Kabel, haben also an der ein oder anderen Stelle Einschränkungen. Richtig knifflig wird es dann, wenn Ihr versucht, solch ein Kabel mit Datenübermittlung bei Amazon zu bestellen: Die launigen Übersetzungen aus dem Chinesischen sorgen im Zweifel dafür, dass Ihr mehrere Nachmittage mit der Auswahl des passenden Kabels verbringen könnt. Manche können Daten, aber nur wenig Strom, andere viel Strom, aber nur sehr langsam Daten. Bei wieder anderen Kabeln kann zwar ein 4K-Signal übermittelt werden, aber halt nur mit 30 Hertz. Und wieder andere funktionieren nicht mit Hubs. Ärgerlich daran: Eigentlich war USB-C dazu gedacht, den ewigen Kabelsalat zu reduzieren. Richtig geklappt hat das aber offensichtlich nicht. Zumal man es den Kabeln von Außen nicht ansieht. Und dann gibt es auch noch Thunderbolt, das den gleichen Anschluss hat.

Merke: Man sieht den Kabeln ohne Packung und Produktbeschreibung von außen nicht an, welche Standards sie unterstützen.

Daten? Bildsignal? Ton? Ladeleistung? Man sieht es den Kabeln nicht an. (Bild: Tutonaut)
Daten? Bildsignal? Ton? Ladeleistung? Man sieht es den Kabeln nicht an. (Bild: Tutonaut)

Was ist Thunderbolt 3?

Überhaupt: Thunderbolt 3. Dabei handelt es sich um den schnelleren Bruder von USB-C, der bis zu 40 GBit Daten durch die Leitung lässt und bis zu 100 Watt Ladestrom erlaubt. Dafür sind am PC allerdings entsprechende Buchsen nötig, am regulären USB-C-Anschluss laufen auch TB-Kabel nur im USB-C-Modus. Thunderbolt stellt vergleichsweise hohe Ansprüche an die Qualität der Kabel und Controller-Chips, weshalb entsprechende Kabel sehr teuer sind. Das ist auch der Grund, warum nicht einfach alles Thunderbolt ist. Dafür sind sie „USB-C-on-Steroids“, können also alles, was ein Full-Featured-USB-C-Kabel kann, aber mit höherer Daten- und Ladeleistung. Das heißt aber nicht, dass USB-C automatisch keine 100 Watt schafft: Mit 5A und 20V spezifizierte Kabel schaffen auch ohne Thunderbolt 3 die 100 Watt Ladeleistung.

Merke: Thunderbolt-3-Kabel sind immer Full-Featured USB-C-Kabel und am Thunderbolt-Anschluss mindestens 20 GBit/s schnell und 100 Watt stark, aber vergleichsweise teuer. Es gibt aber auch USB-C-Kabel mit langsamer oder ohne Datenleitung für hohen Ladestrom von 100 Watt.

Man sollte die Produktbeschreibung genau lesen. Sonst outet man sich wie dieser Amazon-Kunde als Depp.
Man sollte die Produktbeschreibung genau lesen. Sonst outet man sich wie dieser Amazon-Kunde als Depp.

USB 2.0, USB 3.0 oder USB 3.1?

Doch zurück zu den USB-C-Kabeln: USB 3.1 erlaubt den Transfer von Daten mit bis zu 10 GBit/s, das neue USB 3.2 sogar 20 GBit/s. Das müssen dann aber sowohl die angeschlossenen Geräte, als auch die Kabel unterstützen, sonst wird der jeweils niedrigste Standard verwendet. Schließt man ein USB-C-Kabel mit USB 3.2-Standard an ein Gerät an, das nur USB 3.0 unterstützt, fließen auch nur 5 GBit/s durch die Leitung. Viele günstigere Kabel unterstützen aber noch niedrigere USB-Standards: Reine Ladekabel sind nur für die Stromübertragung, Datenkabel können mit einer bestimmten Spannung Laden und sowohl USB 2.0, als auch USB 3.0 und 3.1/3.1 unterstützen. Kabel, die auf einer Seite den alten USB-A-Port haben, können nur 5V und 3A, also 15 Watt übertragen. Dadurch sind sie zum Laden von Smartphones und Tablets geeignet, nicht jedoch für Notebooks. Sie können ohne Datenfunktion, mit USB-2.0- oder USB-3.0-Geschwindigkeit laufen.

Merke: Längere Kabel unterstützen bestenfalls USB 2.0 (480 MBit/s) oder USB 3.0 (5 GBit/s) als Verbindung. Die Verbindungsgeschwindigkeit ist von der übertragbaren Ladeleistung unabhängig.

Die einfachste Form: USB-A auf USB-C. Damit lassen sich aber nur Handys laden. (Bild: Tutonaut)
Die einfachste Form: USB-A auf USB-C. Damit lassen sich aber nur Handys laden. (Bild: Tutonaut)

USB-C 4.0 entspricht Thunderbolt 3. Oder auch nicht

Um dem ganzen Irrsinn noch die Krone aufzusetzen, bastelt das USB-Konsortium schneller denn je an Standards herum. Mit USB 4.0 wird wieder alles anders: Der Anschluss bleibt, die Geschwindigkeit wird auf bis zu 40 GBit/s angehoben. Aber das heißt nicht zwangsläufig, dass jedes USB-C-Kabel auch die entsprechenden Features unterstützt.

Was tun in all dem Kabel-Chaos?

Unter dem Strich solltet Ihr beim Kauf eines USB-Kabels einen genauen Blick auf die Spezifikationen werfen. Viele längere USB-C-Kabel unterstützen nur USB 2.0 oder USB 3.0, wodurch sie zum Beispiel nicht oder nur bedingt als Monitorkabel arbeiten können. Leider gibt kein Patentrezept, jederzeit das richtige Kabel zur Hand zu haben, weshalb es sinnvoll ist, ein oder zwei passende Kabel immer mit dem Gerät mitzuführen. Immerhin gilt: Laden können alle Kabel, auch wenn sie unterschiedliche Leistungen unterstützen, aber natürlich spielt dabei auch das Netzteil eine Rolle. Aber zumindest theoretisch könnt Ihr Euer Notebook auch mit dem Tablet- oder Handykabel laden – es wird eben nur ewig dauern.

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs.
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1 Kommentar

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  • Interessant, mir war gar nicht bewusst, was das für eine Wissenschaft ist – ich habe bei meinem mittlerweile rund einem Dutzen an Kabeln scheinbar immer Glück gehabt.

    Liegt aber vermutlich auch an meiner Strategie, auf die von mir geschätzten Marken zu setzen, namentlich beispielsweise Anker, Aukey oder schlicht Amazon Basics. Hier sind die Specs meist eindeutig, den Rest lässt sich aus den Bewertungen entnehmen. Vom Pixel bis zum MacBook, kann quasi mit jedem Kabel alles laden.

    Dennoch spannend!

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