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Linux-Quartett – Distri-Impressionen 3: OpenSuse

OpenSuse mit KDE war früher mal ein altbackenes, völlig überfrachtetes System, dem irgendwie der Charme fehlte. Doch dieses Bild scheint veraltet.

Meine OpenSuse-Erfahrungen sind schon eine ganze Zeit lang her. Und meinen Assoziationen nach könnte es auch so bleiben: KDE, überladen, 8 Millionen vorinstallierte Tools, Klickibunti und irgendwie doof. Weiß auch nicht mehr genau warum. Aber auch wenn OpenSuse hier quasi erwartungsgemäß langsam bootet – nur Ubuntu ist noch langsamer -, wird es doch noch spannend.

Über Linux-Distri-Impressionen

Ausführliche Infos: Quartett-Artikel und Distri-Impressionen-Übersicht. Hier nur ganz kurz zur Einordnung: Die Distri-Impressionen sind für das Quartett quasi „nebenher“ entstanden und sind keine tiefschürfen oder technischen Analysen. Es geht hier um das, was mir bei Installation, Einrichtung und Herumspielerei mit Desktop, Einstellungen und Tools aufgefallen ist. Was mich langweilt, was mich begeistert.

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OpenSuse wirkt absolut businesstauglich.

OpenSuse mit KDE

Düstere Wolken ziehen beim Download auf: Satte 4,3 Gigabyte für das ISO, das ist schon happig. Und dann muss der arme Laie auch noch zwischen dem Rolling-Release Tumbleweed und dem offiziellen Leap entscheiden … Aber cool, dass es beides gibt! Ich habe mich für Tumbleweed entschieden, die Idee, ein System nie wieder upgraden zu müssen, hat schon was für sich. Und auch der Installationsassistent mutet nach damals an. Er ist simpel und macht letztlich nichts anderes als alle anderen Installationsroutinen auch, aber es wirkt irgendwie professioneller, geschäftsmäßiger. Den Anblick darf man dann eine geschlagene Viertelstunde genießen.

Das erste kleine Wunder: Während der Installation kann man auch andere Desktops anwählen – ich bleibe trotzdem bei KDE-Plasma, sonst kommt garantiert kein susiges Feeling auf. Das zweite Wunder: Ein Neustart dauert 68 Sekunden, das entspricht anderen vollausgestatteten Systemen, etwa Slackware, Fedora oder Peppermint – das war bei Suse nicht immer so. Und 21 Jahre sprechen obendrein für ein gewisses Maß an Zuverlässigkeit.

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OpenSuse mit KDE-Plasma – fancy geht anders, aber sehr professionell.

Das dritte Wunder betrifft wohl nur Menschen wie mich: Mein letztes OpenSuse als Autor ist ewig her und mit KDE habe ich zwar zweieinhalb Jahre im Amt gearbeitet, aber wie das bei Behörden so ist: Optisch war das noch die altbackene Uralt-Version des Desktops. Und Heute: Modern, schnell, übersichtlich, (fast) komplett durchübersetzt, gefällt mir richtig gut. Es gibt Systeme, die eher wie Windows aussehen und das auch wollen. Aber OpenSuse mit KDE-Plasma vermittelt an vielen Stellen ein vertrautes Windows-Gefühl – im guten Sinne! Alles ist aus einem Guss, man hat nie das Gefühl, dass irgendwelche Funktionslöcher mit Dritlösungen gestopft wurden, die Proportionen stimmen, die Farben sind dezent.

Traditionell gibt es bei KDE viele eigene Tools, vom Paketverwalter YaST, über K-Mail, bis hin zu einem Beinahe-1:1-Windows-Task-Manager-Klon. So wahhhhnsinnig anders als manch ein Desktop aus näherer Ubuntu-Umgebung fühlt es sich letztlich aber auch nicht an. Und noch eine Überraschung: Es ist auch nicht so irre viel vorinstalliert. Die virtuelle Festplatte ist direkt nach der Installation 7,1 GB groß, Peppermint kommt auf 8,5 GB zum Vergleich.

Was mir andernorts besser gefällt ist das Startmenü. Hier klickt man auf eine Kategorie und die Ansicht wechselt zu deren Inhalten. Mir ist es lieber, wenn sich baummäßig ein zweiter Bereich öffnet, da man so schneller und einfacher durch die Software stöbern kann. So muss man ständig zurück navigieren. Immerhin lässt es sich leicht, wenn auch nicht umfangreich anpassen.

Übrigens gibt es viele kleine, angenehme Details zu entdecken. In den Systemeinstellungen bekommt Ihr zum Beispiel eine Vorschau der Optionen einer Kategorie, sobald der Mauszeiger kurz darüber verharrt. Ein cleveres Feature, das einige Klickerei erspart. Zu den weniger netten Details zählt die Druckererkennung: Mein HP-Netzwerkdrucker wird nicht automatisch eingebunden und auch nicht halbautomatisch – hier muss man manuell ran. Das machen viele andere Distris besser, sogar leichtgewichtige Vertreter.

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Da freut sich der Einsteiger: Vorschauen helfen beim Verstehen.

Windows-Um- und -Aussteigern kann ich OpenSuse mit KDE-Plasma nur wärmstens empfehlen. Mir gefällt es wesentlich besser als zum Beispiel Ubuntu mit Standard-Desktop. Spielkind sei wachsam: Wer etwas Verspieltes sucht, sollte woanders gucken. OpenSuse erfreut einfach, weil es ein sauberes System für den Büroalltag ist.

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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