Der einzige Media-Konverter, den Ihr braucht: Was kann MediaCoder? Und wie funktioniert er? Und warum kann das Teil sogar Effekte?

Es gibt Tonnen von Konvertern für Video und Audio, kostenlos, online, offline und in jeder erdenklichen Art. Warum also MediaCoder? Ganz einfach: Er kann einfach alles in alles konvertieren. Alles kann manuell eingestellt werden. Und darüber hinaus beherrscht er noch Optimieren, Schneiden und Effekte – man braucht schlicht keinen anderen Konverter.

Der Alleskönner

Mein ganz persönlicher Zugang zu MediaCoder: Neulich wollte ich mir für eine längere Bahnfahrt ein paar Serienepisoden als MP3-„Hörbücher“ konvertieren. Erster Versuch war Handbrake, weil das Teil hier eh installiert ist und eine wahnsinns Performance liefert. Leider kann Handbrake keine Audio-only-Konvertierungen. Und so sieht es eigentlich bei allen Konvertern aus. Irgendeine wichtige Funktion fehlt immer. Mal gibt es keine (vernünftige) Batch-Verarbeitung (VLC), mal fehlt ein bestimmtes Ausgabeformt, mal lässt sich der Container nicht explizit bestimmen und so weiter.

Also lande ich immer wieder bei MediaCoder. Und das seit ungefähr 2006. Herausgekommen ist das Teil 2005. Früher war MediaCoder mal komplett kostenlos, heute gibt es mehrere Versionen. Genauer gesagt: Die kostenlose Version hat einige Beschränkungen und einige Features der Kaufversionen fehlen.

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Die Standardansicht – nicht nicht sehr spektakulär.

Beschränkungen: Maximal 50 Dateien in der Warteschlange, maximal 16 Mbps Bitrate, Auflösung bis Full HD. Extras der Kaufversion(en): Unter anderem GPU-Beschleunigung für H.264/H.265, automatische Normalisierung des Audio-Streams und noch zwei, drei Kleinigkeiten, die allesamt eher für ein kleines Publikum wichtig sein dürften.

Was kann MediaCoder? Das Tool kann so ziemlich jedes Audio- und Video-Format einlesen und ausgeben. Dabei kann so ziemlich jede Stellschraube, die die unterschiedlichen Formate bieten, manuell gedreht werden. Besonders interessant ist, dass man nicht nur Audio- und Videocodecs, sondern auch die Container (AVI, MKV, FLV, MP4 etc.) separat konfigurieren kann.

Darüber hinaus kann MediaCoder aber auch die Inhalte der Medien selbst verarbeiten. So lassen sich zum Beispiel Farbfilter setzen, Teile aus Medien herausschneiden, die Bildgröße beschneiden, Multichannel-Audio verändern, normalisieren, Untertitel verarbeiten, Senderlogos entfernen und sogar AviSynth-Skripte verwerten.

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Mit AviSynth können Videos nahazu beliebig bearbeitet werden.

Dabei eignet sich MediaCoder sowohl für Einsteiger als auch Experten: Letztere freuen sich darüber, endlich jedes Detail selbst in der Hand zu haben und für Einsteiger gibt es vereinfachte Ansichten, etwa um speziell für die PSP oder MP3-Player zu konvertieren.

Zunächst die Basics

Im Folgenden zeigen wir, wie Ihr in drei Schritten (Video, Audio, Container) Eure Konvertierungsaufträge erstellt. Anschließend stellen wir noch Features für Schnitt und Effekte/Optimierungen vor.

Zuächst aber mal das Grundsätzliche: Die Arbeit abseits der Konfiguration läuft ganz simpel ab: Ihr zieht die gewünschten Dateien per Drag&Drop in das Programmfenster, wählt oben rechts das Ausgabeverzeichnis und lasst die Warteschlange dann per Start-Button abarbeiten. Während der Verarbeitung erscheint übrigens rechts vom Hauptfenster eine Leiste mit extrem detaillierten Statusmeldungen. Und im Preview-Tab seht Ihr sogar das Video selbst als Miniatur während der Verarbeitung.

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Ausführliche Statusanzeigen beim Konvertieren.

Ansichten: Zunächst solltet Ihr über Options/User Interface Mode den Expertenmodus einschalten. Das fügt unterhalb der Konfiguration lediglich einen Bereich hinzu, der sämtlich Optionen Eurer Einstellungen so anzeigt, wie Sie letztlich vom Programm aufgerufen werden. Beispiel: Wenn Ihr einen Audio-Stream nach MP3 umwandelt, erledigt das natürlich nicht MediaCoder selbst, sondern das Programm lame.exe, das im Hintergrund zum Beispiel wie folgt aufgerufen wird:

lame.exe –vbr-new -V 2 -b -B -q 2 –noreplaygain –add-id3v2 –resample $(SampleRate) -r -s $(SampleRate) –quiet – „$(DestFileAudio)“

Warum das interessant ist? Nun, einerseits könnt Ihr so etwas lernen (jaja, in der 1-Klick-Welt ist das verpönt, aber MediaCoder ist auch nicht das Tool der Wahl für sagen wir mal typische Apple-Menschen ;) ). Andererseits könnt Ihr solche Aufrufe natürlich kopieren und in eigene Skripte einbauen!

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Die Experten-Ansicht.

Aufbau der Oberfläche: Die Unmenge an Reitern und Optionen kann anfangs erschlagen. Versteht man einmal das Konzept, ist es aber erstaunlich übersichtlich. Im folgenden Schaubild seht Ihr die einzelnen Arbeitsbereiche: Oben die Button-Leiste (1) und die Ausgabeordnerwahl (2), in der Mitte die Warteschlange (3) und ein Info-Fenster (4) für die just ausgewählte Datei. Unten finden Ihr dann links die jeweilige „Aufgabe“ (5), sprich Video, Container, Bild und so weiter. Bis hier her verändert sich nichts. Rechts neben den Aufgaben tauchen nun unterschiedliche, aufgabenspezifische Reiter (6) auf. Wählt Ihr zum Beispiel den Reiter Audio, gibt es rechts Reiter für Lame MP3, Nero Encoder, Vorbis und viele weitere Encoder. Wählt Ihr im Audio-Reiter als Format MP3, wird automatisch der Lame-MP3-Reiter aufgerufen – die anderen Reiter müssen Euch nicht interessieren! Dort findet Ihr dann die wichtigsten Einstellungen. Wenn Ihr im Audio-Reiter auf die Schaltfläche Encoder klickt, öffnet sich ein neues Fenster, das alle Einstellungen des Encoders zeigt – und an der Stelle dürfen sich Format-Fetischisten so richtig austoben. Laien sollten das Fenster Fenster sein lassen …

Immer vorhanden ist ein Reiter Summary, der alle Eure aktuellen Optionen zusammenfasst und auch die ungefähre Endgröße der konvertierten Datei anzeigt.

Unter der Konfiguration kommen noch zwei Info-Bereiche für die Kommandozeilenoptionen (7) und News und Links (8) aus dem MediaCoder-Universum.

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MediaCoder-Übersicht.

1. Video konfigurieren

Fügt Eure Videos hinzu, legt ein Ausgabeverzeichnis fest und klickt dann ein Video an, um auch das Info-Fenster rechts zu füllen. Tipp: Per Doppelklick auf ein Video wird es abgespielt. Wechselt nun bei den Aufgaben zum Video-Reiter. Die wichtigsten Optionen:

Enabled legt fest, ob die Videospur überhaupt in der Zieldatei auftauchen soll; nützlich, um beispielsweise die Audiospuren aus Musikvideos zu extrahieren. Über Copy Video könnt Ihr die Videospur ohne Konvertierung einfach kopieren, etwa wenn Ihr lediglich die Tonspur oder den Container verändern wollt. Vorteil: Es geht viel schneller.

Die Video Bitrate legt fest, wie viel Daten in Kilobit pro Sekunde (Kbps) das Video haben soll. Der Rate Mode bestimmt, ob es sich um dabei um eine konstante Bitrate handelt (gute Qualität, größere Datei) oder eine durchschnittliche oder eine variable (dann ohne Bitrate-Option) oder ob die komplexeren Verfahren 2pass/3pass genutzt werden sollen. Im Zweifelsfall: Hier wie bei den anderen Optionen gibt es ein Häkchen für Auto, um MediaCoder selbst entscheiden zu lassen.

Jetzt bestimmt Ihr noch das Format des Videos, also beispielsweise H.264, Xvid oder MPEG4, welcher Encoder dieses Format erstellen soll, etwa Ffmpeg oder x264, und schließlich, aus welcher Source/Quelle das Originalvideo dem Encoder zugeführt werden soll. Tipp: Encoder und Source könnt Ihr in der Regel einfach auf Auto stellen, da geht es im Grunde nur darum, wie MediaCoder intern das eingestellte Format erreicht. Wenn Ihr die Option GPU wählt, wird automatisch der Encoder gewählt, der Eure Grafikkarte statt des Hauptprozessors zum Konvertieren nutzt.

Je nach gewähltem Encoder ist rechts nun der entsprechende Tab im Vordergrund. Wählt Ihr etwa als Format „H.264“ und nutzt den automatisch gesetzten Encoder „x264“, ist es folglich der Reiter x264. Wichtig ist hier eigentlich erstmal nur die Option Preset, da Ihr darüber bestimmt, ob das Konvertieren vor allem schnell gehen soll oder die Qualität Vorrang hat. Über Advanced gibt es noch mehr verwirrende Parameter und darin über More Paremeters den ganzen Irrsinn – den Screenshot dazu findet Ihr ganz am Ende des Artikels, an dieser Stelle wäre er viel zu lang … Einige H.264-Basics sind in der Wikipedia gut erklärt.

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Video-Konfiguration.

2. Audio konfigurieren

Wechselt nun zum Audio-Reiter und freut Euch: Hier gibt es nämlich kaum etwas Neues, alles verhält sich wie bei den Videos auch. Interessant ist hier eigentlich nur der Punkt External File. Darüber könnt Ihr eben eine externe Audiodatei angeben und das Video somit nachvertonen. Im Zweifelsfall könnt Ihr bei den Audioeinstellungen einfach Copy Audio nutzen, auf die Dateigröße hat es sowieso keinen riesigen Effekt.

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Audio-Konfiguration.

3. Container konfigurieren

Wenn Ihr eine Dateiendung wie mp4 seht, sagt das nichts über das Videoformat aus, hier ist nur der Container gemeint, also letztlich das Dateiformat. Hier genügt es, wenn Ihr eben den Container festlegt, beispielsweise MKV, MP4 oder FLV. Die Einstellungen für Multiplexer und Remuxer drehen sich um das Zusammenführen von Audio und Video in eine Spur und können in der Regel so belassen werden. Auch etwaige Container-spezifischen Optionen im Reiter auf der rechten Seite sind meist nicht nötig.

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Container-Konfiguration.

4. Konvertieren

Zum Abschluss könnt Ihr die Einstellungen kontrollieren, den Summary-Reiter nutzen, um einzelne, voraussichtliche Dateigrößen zu prüfen (nicht bei allen Einstellungen verfügbar) und in der Warteschlange schauen, dass vorne ein Häkchen gesetzt ist und in der Spalte State ein Ready steht. Anschließend startet Ihr die Verarbeitung über den Start-Button.

Bild optimieren

Bei den Aufgaben-Reitern findet Ihr auch die Punkte Picture und Sound – nicht zu verwechseln mit Video und Audio, die sich nur um die Formate kümmern. Bei Picture könnt Ihr den Videoinhalt manipulieren. Das beginnt ganz offensichtlich mit der Größe des Videos: Über Resize könnt Ihr Videos ganz einfach verkleinern oder vergrößern. Über den Cropper lässt sich das Bild zudem beschneiden, etwa um schwarze Balken oder eingeblendete Logos aus dem Bild zu entfernen.

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Bild-Konfiguration.

Spannend ist aber vor allem der Knopf Effects: Es öffnet sich ein kleiner Videoeditor, mit dem Ihr das Video auf einen beliebigen zeitlichen Ausschnitt beschränken könnt. Zudem gibt es etliche Regler für Dinge wie Helligkeit, Kontrast, Hue oder Gamma-Werte. Damit lassen sich Videos einerseits optimieren, andererseits können sie aber auch komplett verfremdet werden, Stichwort Kunst.

Auf der rechten Seite gibt es dieses mal keine kontextabhängigen, sondern fixe Reiter. Von Interesse sind hier zum Beispiel: Im Effects-Reiter könnt Ihr das Video über Rotation drehen, im Reiter De-interlace lassen sich Streifen aus Uralt-Heimvideos oder VHS-Aufnahmen entfernen, im Thumbnails-Reiter werden Miniaturbildchen aus dem Video erstellt (etwa für Präsentationen im Web), über Video Stack könnt Ihr mehrere Videos als Collage zu einem einzigen zusammensetzen und im letzten Reiter Delogo steht ein Tool zur Verfügung, um Senderlogos aus Aufnahmen aus dem Fernsehen zu entfernen.

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Yeeehaaa – Effekte!

Ton optimieren

Beim Ton wird es wieder deutlich einfacher. Im Sound-Reiter findet Ihr Einstellungen zur Anzahl und Belegung der Kanäle (Output Channels), zur Verzögerung der Tonspurt (Auto Delay) um asynchronen Ton zu korrigieren, zum Normalisieren und Regulieren der Lautstärke und das war es auch schon.

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Sound-Konfiguration.

Und noch mehr …

Man kann sich noch stundenlang durch die Einstellungen und Features klicken, hier aber noch ein paar kleine Highlights. Im Time-Reiter könnt Ihr das Video beschneiden, die Abspielgeschwindigkeit ändern und das Video in Segmente aufteilen lassen – inklusive Playlist. Praktisch zum Teilen oder zum Hochladen auf Youtube.

Im Subtitle-Reiter dürfen Freundes der Untertitel an diesen grausigen Bildzerstörern herumwerkeln. Praktisch ist das zum Beispiel für Sehbehinderte, die schlicht richtig große Untertitel benötigen, um sie überhaupt lesen zu können.

Und noch zwei Profi-Features: Im Reiter Tasking gibt es schöne Tools, um automatisch Vor- und Abspann-Clips anzubauen (leider nur in der Pro-Version), Benennungen zu automatisieren und Videos zu taggen. Und sowohl hier über den Punkt Plugins als auch über den AviSynth-Reiter lassen sich im Grunde endlos viele weitere Funktionen nachrüsten.

mediacoder

Noch einige Pro(fi)-Features.

Zu viel des Guten?

Jetzt muss ich wieder persönlich werden, denn ich höre schon den einen oder anderen Leser/Tutonauten meckern: Das ist doch behämmerter Nerd-Kram, viel zu kompliziert, wenn überhaupt wollen Menschen 1-Klick-MP4-Konverter-Apps oder ach, eigentlich streamen eh nur noch alle …

Jaja, als gäbe es nicht mehr das, was früher mal Poweruser geheißen hat. Ja, tendenziell braucht man immer nur einen kleinen Teil der Funktionen, aber man braucht eben nur noch ein einziges Tool und verstopft sein System nicht mit einem Konverter hier und einem dort. Zudem ist der Lerneffekt wie gesagt interessant – nicht mehr nur Buzzwords wie MP4, MKV, H.264, Lame, Ogg, Muxer, Multiplexer, Encoder, Decoder … Sondern man darf mal sehen, wie die in der Praxis alle zusammenarbeiten.

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Hier gibt es nun einmal kein Streaming …

Vor allem aber brauche ich so einen Konverter tatsächlich hier und da. Um alte Videos brauchbar für moderne Player zu machen. Um große Videos für den Upload kleinzurechnen. Um Filme und Serienepisoden zu Quasi-Hörspielen zu konvertieren. Um Dateien für einen mobilen Player aufzubereiten. Und so weiter. Ja, ich habe noch einen kleinen Plastik-MP3-Player – weil Radfahren im strömenden Regen mit Handy einfach scheisse ist.

Und wie Ihr gesehen habt, kann MediaCoder noch viel mehr und eignet sich auch für kleinere Videoproduktionen, etwa um Ausgangsmaterial zu normalisieren.

Ich finde den MediaCoder nach wie vor großartig, trotz der Beschränkungen der Freeware-Version. Und ich kann ihn nur jedem ans Herz legen – die riesigen Massen an Tabs und Schaltern gehen schon nach zwei-, dreimaliger Nutzung ins Blut über.

Jaa, es geht auch einfach

Na gut, Freunde der Einfachheit, schaut mal unter Features/UI Plugins nach. Dort findet Ihr vereinfachte Oberflächen für die Konvertierung für bestimmte Endgeräte wie PSP oder Mobiltelefone. Wenn die Aufgabe darin besteht: Dieses Lied soll auf dem Telefon laufen. Dann ist das eine gute Sache für den Einstieg.

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Es geht auch einfach – hier fürs xxxPhone.

Und zum Ausstieg hier das versprochene Bild mit den x264-Optionen – naja, alle haben nicht auf’s Bild gepasst.

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Reicht das? Ich denke ja.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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