O2 per eMail kündigen – ein Wunsch, den viele Kunden hegen. Aber O2 bietet keinen Mail-Kontakt – zumindest nicht offiziell. Aber es geht dennoch!

Wer bei O2 einen Vertrag kündigen will sieht sich mit einem Anachronismus konfrontiert: O2 wünscht sich einen Brief. Auf Papier. Darf’s vielleicht noch ein Siegel sein? Das ganze überbracht per Kutschenkurier? Kontakt per Mail ist bei O2 generell nicht vorgesehen – laut O2, weil Ihr das eigentlich gar nnicht wollt … Aber es geht trotzdem:

Warum das alles so ist, ist wohl klar: Aus Sicht der Konzerne ist offiziell meist „die Schriftform erforderlich“ – also ein Brief. Aus Sicht des gesunden Menschenverstandes ist klar: Die Kündigung soll erschwert werden. Aber zwei Aspekte sprechen für Euch: Seit dem Oktober 2016 geschlossene Verträge können dank Änderung des AGB-Gesetzes auch per Mail gekündigt werden. Außerdem reagieren Unternehmen durchaus auf Mail-Kündigungen, auch bei älteren Verträgen – in meinem Fall ein AOL-Vertrag von 1997. Ja, 1997. Ein 20 Jahre alter AOL-Vertrag 🙂

Ich schrieb also an O2

Ich halte es nicht nur, aber insbesondere für ein Technik-Unternehmen wie O2 für absolut unwürdig, keinen Mail-Kontakt anzubieten – aber hier habe ich einen Tipp für alle, denen es ähnlich geht: Das Impressum. Hier findet Ihr eigentlich immer Mail-Adressen. Auch die Pressebereiche sind gute Anlaufstellen für Adressen – ja ich weiß, liebe PRler, das hört Ihr jetzt gar nicht gerne. Aber wer seine zahlenden Kunden mit dermaßen billigen Maßnahmen nötigen will, auch Kunden zu bleiben, der muss sich damit abfinden, „Opfer“ von Guerilla-Kündigungen zu werden. Tut mir schrecklich leid, aber Ihr könntet ja was dagegen tun – erzählt den Marketing-Heinis einfach, dass es unzeitgemäß ist und zu schlechter Presse führt. Genau darum seid Ihr oft als Stabsstelle organisiert!

Wie auch immer, hier der Vollständigkeit halber der Brief im Volltext:

Liebe Telefonica, hallo O2,

mir ist aufgefallen, dass ein längst nicht mehr genutzter Uralt-Vertrag nach wie vor zu laufen scheint und entsprechende Abbuchungen verursacht. Beenden Sie diesen Vertrag bitte umgehend – folgende Info liefert die letzte Abbuchung:

Kunde DED1111111 ,Rechnung M211111111111111

Die zugehörige Telefonnummer war 0222/22222222 und ist von Netcologne übernommen worden – eine Kennwort-Erinnerung für den Online-Login ist über diese Nummer nicht mehr möglich.

Vermutlich handelt es sich um einen DSL-Vertrag, vermutlich wäre die Kündigungsadresse entsprechend:

Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
Überseering 33
22297 Hamburg

Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ausgerechnet ein Technikkonzern dermaßen rückständig ist, eine simple Kündigung tatsächlich per Schneckenpost erhalten zu wollen – daher versuche ich es doch mal auf die heutzutage übliche Art, per E-Mail.

Da O2 leider der Meinung ist, es sei eine tolle Idee, Kunden keinen vernünftigen Mail-Kontakt anzubieten – und dies auch noch als „Service“ verkauft, weil Kunden ja nicht auf die ach so lange Ankunftszeit im Postfach warten wollen würden – muss ich es nun über diese Mail-Adressen versuchen und hoffen, dass irgendwer willens und in der Lage ist, die Mail korrekt weiterzuleiten.

Sollten Sie tatsächlich die papierene „Schriftform“ benötigen, möchte ich Sie bitten, mit dies in ebensolcher Schriftform mitzuteilen – schließlich scheint rein elektronisch verbreiteten Worten wie in Mails oder Webseiten nicht so recht zu trauen zu sein.

Vielen Dank und mit Bitte um Bestätigung,

Mirco Lang

P.S.: Irgendwer sollte ab und an mal einen Blick in die vielen Foren werfen – O2s zahlende Kundschaft empfindet den Verzicht auf Mail-Kontakt überhaupt nicht als hilfreich. Manch einer unterstellt O2 gar mit dieser Politik Kündigungen erschweren zu wollen 😉

Und so kündigt Ihr nun O2 per Mail

Nach all der Schwafelei, verursacht durch viele Service-Wüsten-Erlebnisse-genährten Frust, hier nun der eigentliche Tipp: Kündigt O2-Verträge über die im Impressum auffindbare Adresse impressum@cc.o2online.de – und fügt bitte hinzu, dass das ganze furchtbar albern ist. Vielleicht lenken die Pfeifen ja ein, wenn Sie täglich Dutzende Kündigungen im Haus umherleiten müssen.

Das Resultat: Nach nur drei Werktagen hatte ich die Bescheinigung, dass der Vertrag zum Ende des aktuellen Monats beendet wird – Danke!

Man kann im Backend kündigen?

OK, bleiben wir fair: O2 erklärt auf der Website, Kündigungen seien bei O2 besonders „fair“ und einfach. Man können Kündigungen einfach in der Mein-O2-Verwaltung „vormerken“ – was auch immer das genau heißen soll. Aber hey, anmelden kann ich mich dort nicht – auch nicht mit meinen AOL-Daten, obwohl das angeblich geht. Und das AOL-Login funktioniert sehr wohl. Seit 20 Jahren. Und überhaupt. Warum mird mir nach Klick auf den Kündigungsbereich erstmal in fetter Schrift angezeigt: „Tipp: Eine Kündigung ist nicht immer die beste Lösung.“

Und beim Thema vormerken schreibt O2: „Tritt direkt mit unseren Spezialisten in Kontakt.“ Nö, will ich nicht. Ich will meinen Vertrag genauso einfach kündigen wie abschließen können. Nun gut, im Studium lernt wohl jeder, bei dem auch Wirtschaft ein Thema ist: Neukunden sind wesentlich teurer zu akquirieren als Bestandskunden zu halten. Warum also fair bleiben?

P.S.: Hier seht Ihr übrigens, warum es keine Mail-Kontaktmöglichkeiten gibt – das ist nur gut für Euch:

Du hast Fragen zu O2 oder es gibt irgendein Problem? Dann möchtest du sicherlich nicht warten, bis deine Post an der Adresse von O2 eingetroffen ist oder eine E-Mail Antwort in deinem Postfach angezeigt wird. Deshalb erreichst du unseren Kundenservice komplett in Echtzeit – sei es digital, telefonisch oder im O2 Shop vor Ort.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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