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Geekzeug

Pro/Kontra: Garmin Fenix 6X Pro kaufen?

Gut 500 Euro für eine Smartwatch ganz ohne Touch? Kaufen oder nicht?

Smartwatches zählen nach wie vor zu den Begehrlichkeiten von Techies, Sportlern, Hipstern und zunhemend auch allen anderen Menschen. Und die Garmin Fenix-Serie buhlt da ganz oben kräftig mit um Zuwendung, hier vertreten durch die Pro-Variante als große X-Version für Stand heute 524 Euro Verkaufspreis. Das ist viel Geld für .., ja für was eigentlich? Ein Gadget? Ein Spielzeug? Ein Werkzeug? Klar ist: Die Fenix ist nichts für jeden Neugierigen!

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Im Folgenden seht Ihr ein paar Pro- und Kontra-Argumente für beziehungsweise gegen den Kauf einer Fenix 6X Pro, aufgeteilt in Features und Einsatzzwecke. Versteht das bitte nicht als Test oder Feature-Aufzählung, man könnte stundenlang einzelne Features erklären und monatelang testen. Hier geht es schlicht um ein wenig Kaufberatung, was kann die Uhr gut, was nicht so gut, die High- und Low-Lights.

Ganz kurz zur Fenix-6-Serie: Es gibt die Größen Normal (keine Angabe), Klein (S) und Groß (X). Es gibt Pro- und Nicht-Pro-Modelle. Es gibt zusätzlich die Angaben Sapphire (besseres Glas), Titan (Gehäuse) und Solar (Akku aufladen). Hier geht es ganz konkret um das Modell Fenix 6X Pro mit dem älteren Glas

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Pro Fenix 6X Pro

Features

GPS-Navigation: Das GPS funktioniert ziemlich gut, zumindest zwischen Köln und Sauerland ;) Vor allem aber funktioniert die Navigation aus dem Stand und ohne Smartphone, denn Kartenmaterial ist bei den Pro-Versionen inklusive und die Steuerung kann direkt auf der Uhr erfolgen.

navigation auf der garmin fenix 6x pro.
Die Navigation funktioniert gut – vor allem komplett ohne Smartphone

Datenqualität: Die Datenqualität ist hier bislang durchweg gut. Das gilt auch für den oft kritisierten Pulsmesser: Im direkten Vergleich mit einem Sigma-Brustgurt gab es bei einer halben Stunde auf dem Rudergerät kaum nennenswerte Abweichungen. Bei schnellen Pulsänderungen hängt die Anzeige nur auf dem Ziffernblatt/Watchface etwas hinterher, da diese nicht ganz in Echtzeit aktualisiert. Aber auch die sonstigen Werte wie Schritte und Stockwerke sind akkurat, die eher medizinischen Daten scheinen zumindest plausibel (ohne Labortests lässt sich da nicht viel zu sagen).

Kein Touch: Yep, kein Touch ist super! Zumindest, wenn man bei stömendem Regen und 30 km/h auf dem Rad mit dicken Handschuhen arbeitet … Die Bedienung geht nach spätestens einer Woche in Fleisch und Blut über, die fünf Knöpfe leisten wirklich gute Arbeit. Auch ohne miese Wetterbedingungen oder wenn es etwas langsamer zugeht sind echte Knöpfe oft besser als Touch, einfach, weil man nicht hinschauen muss, um mal eben einen Song zu wechseln oder Ähnliches.

Garmin Pay: NFC-Bezahlen mit der Uhr ist schon eine feine Sache, auch wenn die Kompatibilität mit klassischen Banken nicht sonderlich gut aussieht. Man ist meist auf E-Geld-Dienstleister wie VIMpay , allerdings ist das bei VIMpay zum Beispiel kostenlos möglich und es handelt sich um einen offiziell zugelassenen Dienstleister. Einmal eingerichtet, kann man mit Garmin Pay überall bezahlen, wo Mastercard akzeptiert wird – denn letztlich ist VIMpay nichts weiter als eine virtuelle Pre-Paid-Mastercard (die es witzigerweise für 15 Euro auch als physische Karte gibt).

Offline-Musik: Man kann eigene Musik und vor allem auch Hörbücher vom Rechner auf die Uhr laden und dort mit einer ordentlichen App abspielen – ein häufig gefragtes und hier absolutes Muss-Feature. Man muss dafür nichtmal die Garmin-Desktop-App nutzen, die Uhr wird schlicht als externes Laufwerk von Windows erkannt – MP3s kopieren und fertig. Deezer, Amazon Music und Spotify funktionieren aber freilich auch.

musik auf der garmin fenix 6x pro.
Eigene Musik ganz ohne Zwangs-Streaming-Konten

Anpassbarkeit: Es ist sehr einfach, sich direkt auf der Uhr eigene Aktivitäten zusammenzubauen, die jeweils aus mehreren Screens bestehen, also Karten-, Musik- und diversen vorgegebenen oder erstellten Datenansichten. Letztere können wiederum jeweils mit bis zu 8 individuellen Datenfeldern belegt werden, also Dingen wie Geschwindigkeit, Puls, GPS/Kompass, Trainingsbereich und so weiter.

garmin fenix 6x pro fürs radeln.
Mein Display zum Radfahren

Einsatzzwecke

Tolles Werkzeug für Sportler: Es gibt viele vorgegebene Aktivitäten für allerlei Sportarten, womit wohl alle Hersteller auch immer kräftig werben – sooo wichtig ist das aber nicht, schließlich könnt Ihr eigene Aktivitäten zusammenstellen. Und nach einer gewissen Zeit (in meinem Fall nach vielleicht 20 Minuten) werdet Ihr Eure eigenen Screens haben, also nicht überbewerten. Aber Garmin macht auch abseits der Screens viel richtig, sei es die automatische Rundenerfassung, die umfangreiche Datenaufbereitung oder das simple Bedienkonzept mit echten Knöpfen. Es gibt sogar Dinge wie Helferlein zum Auftauchen nach tieeeeefen Tauchgängen.

app-daten-übersicht.
Ein paar der wichtigsten Anzeigen der App

Hilfreich auf langen Touren: Auf wochenlangen Wandertouren, ausgedehnten Ausfahrten durch die Pampa oder auch geschäftlichen Weltumreisungen kann die Uhr sicherlich eine wertvolle Hilfe sein, hier dürften insbesondere die Navigation und die lange Akkulaufzeit punkten. Die Uhr kann aber auch helfen, das Smartphone viel häufiger diebstahlsicher in der Innentasche zu lassen, schließlich kann sie die Aufgaben rund um Navigation, Anrufe, Musik, Nachrichtenlesen und nicht zuletzt Zahlungen übernehmen.

Gesundheits-Tracking: Wem es ums Gesundheits-Tracking geht, dürfte mit der Fenix ebenfalls zufrieden sein, jedenfalls sind die Daten umfangreich, zumindest hier ziemlich akkurat und vor allem gut aufbereitet – es macht Spaß, sich durch die Dashboards im Browser oder in der App zu wühlen.

garmin fenix 6x pro in der app.
Viele viele Daten in der Android-App

Kontra Fenix 6 X Pro

Features

Kein Touch: Ja ja, hatten wir oben als Pro – doch für viele Anwender könnte Touch die bessere Wahl sein, sofern die Nutzung bei Wind und Wetter kein K.O.-Kriterium ist. Im Cafe macht Bedienung per Touch vielleicht einfach ein wenig mehr Spaß.

Kein Google Pay: Und nochmal, oben steht noch Garmin Pay als Pro-Argument – doch Google Pay dürfte für viele unentbehrlich sein und dann sollte die Uhr vielleicht keine Sonderrolle einnehmen müssen.

App-Auswahl: Für Wear-OS-Uhren gibt es mehr Apps, wohl auch die spannenderen Apps, etwa Google Maps.

Vielleicht ärgerliche Kleinigkeiten: Jeder hat wohl persönliche No-Gos und natürlich hat auch die Fenix kleine Macken, die nicht für alle relevant sind, sowas wie die oben erwähnte fehlende Ordneransicht für Musik auf der Uhr. Das Lade- und Datenkabel hat auf Uhrseite keinen USB-Anschluss und ist unsagbar kurz. Es werden keine FLAC-Dateien unterstützt. Während der Einrichtung muss man teils Daten doppelt eingeben. Im App-Store gibt es teils komplett und ausschließlich chinesisch beschriebene Apps. Benachrichtigungen der Navi-App sind bisweilen etwas nervig. Kleinigkeiten für viele, aber vielleicht eben doch No-Gos für einige Käufer – sowas könnt Ihr nur selbst herausfinden. Oder fragt einfach unten in den Kommentaren nach bestimmten Verhaltensweisen der Uhr.

Einsatzzwecke

Als Lifestyle-Uhr zu teuer: Angefangen hat sie bei 700 Euro, am Black Friday gab es sie bei Amazon schon für 409 Euro, derzeit für 524 Euro. Wenn man aber den ganzen Datenhaufen der vielen Sensoren nicht für einen der Pro-Einsatzzwecke nutzt, bleibt nicht mehr genug Gadget übrig, um den Preis zu rechtfertigen. Was nicht heißt, dass man nicht noch mehr für eine Fenix ausgeben kann:

Als Lifestyle-Uhr zu un-touchig: Zum letzen Mal das Touch-Thema: Knöpfe sind super funktional unter schwierigen Bedingungen, aber nicht sexy.

Im Alltag schon sehr groß: Die Display-Größe ist super, um wahlweise riesige, simple Anzeigen zu bekommen oder mit Daten vollgestopfte – wie es für Sport und Abenteuer perfekt ist. Aber als modisches Accessoire (aka Dinge von denen ich keine Ahnung habe) muss man das Teil als Klotz am Bein beschreiben. Und der Klotz drückt auch ganz gerne mal in den Handrücken. Und zierliche 50-Kilo-Persönchen bekommen vermutlich sogar Muskelkater (wobei, is‘ ja ne Sportuhr …). Schätzungsweise ab 1,85 Meter und 100 Kilogramm dürfte die Uhr halbwegs normal wirken. Spaß beiseite, die X-Version ist völlig alltagstauglich und bequem und von eventuellen ästhetischen Unannehmlichkeiten abgesehen nicht zu groß – sie ist eine große Uhr, aber eben kein ganzer Computer-Tower.

Nichts für Hypochonder, Datenlaien und Paranoiker: Nicht jedem ist die viele Bio-Daten-Sammelei geheuer, nicht jeder sieht in der App „Oh yeah, Du bis ja sooo gesund!“ und nicht jeder ist gut darin, Daten umsichtig zu analysieren. Wer zur Panik neigt, sollte sich einen Kauf gut überlegen.

Kaufen oder nicht?

Vermutlich habt Ihr es schon erfasst, vieles läuft ja doch auf ein und dasselbe hinaus: Die Fenix 6 X Pro ist ein hervorragendes Werkzeug, insbesondere für Sportler, die viel und lange unterwegs sind und/oder viel Leistungsanalyse betreiben wollen. Und für diese Klientel ist auch das große Display die richtige Wahl!

fenix im browser.
Auch im Browser machen die Daten was her

Wer ein Gadget, Accessoire oder Spielzeug sucht, sollte lieber eine andere Uhr ins Auge fassen. Auch wenn es durchaus verspieltes Zeugs gibt:

back to the future watchface.
Nerds welcome

Persönlich muss ich sagen, dass es mir vor allem um Folgendes ging:

  • Wasserdichter Bluetooth-MP3-Player
  • GPS-Navigation und Kompass
  • Ersatz für Fahrradcomputer
  • Aktuelle Herzfrequenz, sporadisch
  • Vernünftiger Umgang mit Hörbüchern/Podcasts

Und diese Anforderungen erfüllt die Fenix Pro, auch wenn nicht jedes Detail perfekt ist. Ich habe auch viele andere Dinge zu schätzen gelernt, etwa automatische Rundenerfassung (zeigt nach X Kilometern Daten für diesen Zeitraum), Temperatur und Regenwahrscheinlichkeit direkt auf dem Ziffernblatt und vor allem die statistische Aufbereitung des Tages, der letzten Woche und so weiter. Ob das aber auch Spaß macht, wenn man keinen Ruhepuls von 55, keinen Schlaf-Score von 92 und mehr als 409 Euro bezahlt hat? ?

Zum Schluss ein Tipp: Als ich den Artikel anfing, kostete die Uhr 465 Euro, als ich fertig war 524 Euro – weshalb ich dann doch nicht fertig war und erstmal korrigieren musste. Daher: Guckt auf jeden Fall bei CamelCamelCamel vorbei und checkt dort die Preisentwicklung!

Mehr zu Smart-Kram.

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help

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