Die neuen iPad Pros (2018) zeigen, dass die iPad-Hardware inzwischen durchaus mit echten PCs konkurrieren kann. Dummerweise verschwendet das iOS-Betriebssystem dieses Potential komplett.

Stellt Euch vor, Ihr hättet ein richtig geiles Auto. 500 PS, V6-Motor, Sportfahrwerk, tolle Sitze, geile Stereoanlage. Der ganze Firlefanz halt, der Autofans feuchte Träume bereitet. Und stellt Euch jetzt vor, das Ding hätte eckige Räder. Ziemlich blöd, oder? Ihr könntet das volle Potential nicht einmal ansatzweise ausschöpfen. Das Auto wäre künstlich behindert. Jeder normale Mensch würde jetzt sagen: „Dann schraub‘ halt runde Räder dran!“ Einzig: Das geht nicht, weil Euer Auto halt kein Auto, sondern ein iPad Pro 2018 ist.

Apple verkrüppelt sein Betriebssystem mit Absicht

Ja: Die neuen 2018er-iPads sind raus, teurer, schneller und funktionaler denn je. Und seither stellt sich die Frage, was Apple eigentlich für ein Problem hat. Denn iOS ist inzwischen mehr Bug als Feature. Das iPhone-Betriebssystem ist die eckigen Räder des hardwareseitig tadellosen Geräts – und behindert es dementsprechend. Schon das iPad Pro der letzten Generation war brutal schnell, toll verarbeitet und klug konzeptioniert, die 2018er sind noch besser. Und trotzdem läuft auf der genialen Hardware ein künstlich verkrüppeltes Betriebssystem namens iOS, das in Sachen Funktionalität bestenfalls die Bedürfnisse von Grundschülern und Vertrieblern befriedigt.

Copy-Paste: Nach wie vor katastrophal.

Copy-Paste: Nach wie vor katastrophal.

Meine Liste der Mängel ist lang (und nicht vollständig):

  • iOS besitzt keine Mehrbenutzer-Funktion, was völliger Blödsinn ist, wenn iPads als PC-Ersatz herhalten sollen!
  • Es gibt keine Möglichkeit, Dateien auf externen Laufwerken oder Netzwerkvolumes zu speichern. Höchstens per Extra-App, die extra kostet!
  • Miese bis nicht vorhandene Keyboard-Steuerung des Geräts!
  • Hartes App-Sandboxing verhindert Plugins zwischen Apps!
  • Safari zeigt ständig Mobilseiten an, obwohl das auf dem Tablet schlicht Unsinn ist!
  • Copy & Paste sind nach wie vor katastrophal!
  • Die Bedienung mit Touch und Tastatur ist nicht kohärent, der ständige Wechsel behindert den Workflow deutlich mehr als Maus und Tastatur.
  • Überhaupt: MAUS?!?! Muss Apple ja nicht offiziell bewerben, aber eine Unterstützung wäre schon nett!
  • USB-Zubehör geht nicht oder nur mit Apps!
  • Treiber können nicht nachinstalliert werden!
  • Drucken nur mit AirPrint-Druckern oder umständlich per Zusatz-App!
  • Man kann in die iOS-Musik-App keine eigene Musik importieren.
  • Dadurch: Unnötige Obsoleszenz reiner iOS-Hardware. Wenn die Apps nicht mehr gepflegt werden oder aus anderen Gründen aus dem Store fliegen!
  • Was durch die Beschränkung von Software-Installationen auf den App-Store ausgesprochen oft passiert!
  • Standard-Netzwerkprotokolle nur per Drittanbieter-App – FTP, SSH, VNC, AFP, SMB,
  • Fixierung auf Apples iCloud-Service, naiv davon ausgehend, dass immer überall schnelles, kostenloses WLAN- oder Mobil-Internet vorhanden ist. Das mag in Kalifornien so sein – Deutschland und der Rest der Welt sind weit davon entfernt!
  • iPad-Apps auf dem iPad entwickeln? Nope!
  • Webdesign ist auf dem iPad nach wie vor eine Katastrophe, schon weil das App-Dateisystem schnelles Wechseln zwischen Apps oder das Einrichten eines Standard-Editors unmöglich macht!
  • Falls iOS Probleme macht, muss es mit Hilfe eines iTunes-PCs wiederhergestellt werden!
  • … und viele andere Dinge mehr.

Niemand würde einen PC mit iOS kaufen!

All das sind Dinge, die bei anderen Betriebssystemen – Root-Zugriff oder nicht – Standard sind und auch sein müssen. Niemand würde einen Windows-PC mit derartigen Beschränkungen kaufen, die Linux-Gemeinde würde Euch für so eine Linux-Distri den Vogel zeigen und selbst Mac-User befremdet, was alles mit dem iPad und iOS NICHT möglich ist. Zumal iOS in manchen Fällen auch auf andere Betriebssysteme angewiesen ist. Und wie nennt man das, wenn jemand normale Dinge nicht kann und deshalb fremde Hilfe braucht? Eben: Apples iOS ist ein behindertes Betriebssystem. Und zwar, weil Apple es bewusst verkrüppelt. Solange das so bleibt, kann Apple mir X-mal erzählen, dass das iPad ein PC-Ersatz ist. Es ist keiner! Dazu reicht ein Blick in den aktuellen Werbespot: Die Bedienung wirkt hier schon so tollpatschig, dass ich mich ernsthaft frage, wieso um alles in der Welt jemand glauben könnte, ein iOS-System sei als Standalone nutzbar:

Zumal Steve Jobs selbst das Tablet als dritte Gerätekategorie zwischen Notebook und Smartphone einführte. Warum es nicht einfach dabei belassen?

Von wegen „Pro“

Stattdessen wird etwas „Pro“ und „Computer“ genannt, das weder das eine, noch das andere ist. Derzeit ist iOS nicht Fisch, nicht Fleisch. Kein richtiges Mobilsystem mehr, aber eben auch nichts, was als Desktop- und Notebook-OS funktioniert. Vieles ist unnötig kompliziert, andere Dinge gehen gar nicht. Wie kann ein Device, auf dem professionelles Layout, Softwareentwicklung, Webdesign, Serverwartung, ja sogar Texten schwierig bis unmöglich sind, „Pro“ sein? Zumal iOS auf dem iPad „Pro“ exakt das Gleiche kann – oder besser gesagt: Nicht kann – wie auf allen anderen iPads?

Ein richtiger Dateimanager wäre schon so etwas wie ein Anfang...

Ein richtiger Dateimanager wäre schon so etwas wie ein Anfang…

Fehlannahme durch gutes Marketing

Doch warum kaufen wir dann immer noch iPads, insbesondere das iPad Pro? Marketing-Versprechens extremer Produktivität, dem auch wir hier bei Tutonaut regelmäßig auf den Leim gehen. Apple schafft es, mit jedem neuen iPad-Pro-Release ein „Haben-Wollen-Gefühl“ zu etablieren. Mit dem nächsten iPad, dem nächsten iOS werde alles besser und schneller, alles produktiver, alles leichter. Es sei jetzt endlich der superleichte Notebook-Ersatz, auf den wir seit 2010 warten.
Jedes Mal folgt dann nach Überweisung einer vierstelligen Summe die herbe Enttäuschung. Schuld daran ist natürlich iOS – das künstlich behinderte Betriebssystem.

iPad-Pro-Spot: Die Bedienung ist exakt so doof, wie sie hier aussieht!

iPad-Pro-Spot: Die Bedienung ist exakt so doof, wie sie hier aussieht!

Apple, wir brauchen ein iPad-OS!

Was, bitte, ist so schwer daran, ein iPad-OS zu entwickeln, das irgendwo zwischen iOS für Smartphones und MacOS für Macs angesiedelt ist? Je weiter in Richtung MacOS, desto besser. Dann könnte Apple aber MacOS auch gleich mit einer sinnvollen Touch-GUI ausstatten. Und App-Entwickler zwingen, diese auch zu nutzen, zumindest im Store. Das durch iOS verschenkte Potential des aktuellen iPad Pros – mit Keyboard und Stift in Spitzenausstattung immerhin auf dem Preisniveau eines Macbook Pro – ist schlicht ärgerlich. Und fühlt sich mit jeder Hardware-Revision schlimmer an. Denn die „Räder“ des Supersportwagens iPad werden derzeit jedes Jahr ein bisschen eckiger.

Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und manchmal in der echten Welt unterwegs.
Spendier‘ mir einen Kaffee.

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Kommentare

  • Da stimme ich generell zu, allerdings sehe ich ein iPad keinesfalls als MacBook/Laptop oder Mac/Desktop Ersatz an sondern als Ergänzung.
    Sicherlich gibt es viele Menschen wenn nicht die meisten die mit einem iPad super bedient wären und nichts anderes benötigen, so wie meine Mutter zum Beispiel, am iPad kann Sie super die tägliche Sachen erledigen wie Social Media, Shopping, Steuern, Banking, Office etc, etc…
    Wer mehr macht kommt eh ohne computer nicht aus und das ist gut so, ich muss keinen IT support mehr leisten an Leuten wo ein Computer Zuviel ist…
    Apple zielt mit deiner Werbung nicht an uns Geeks und Entwickler sondern an die anderen 90% die einen Computer nur bedienen.

  • Ich habe früher viel Zeit – erst am Desktop-, später am Mobilrechner verbracht. Für alltägliche Dinge, wie Mails abrufen, mal eben Internet-Recherche oder etwas online kaufen. Das wurde zwischenzeitlich vollständig durch Mobilgeräte abgelöst. Für ‚ernsthafte Arbeiten‘ – DTP, Bildbearbeitung aber auch Tabellenkalkulation usw. muss dann doch wieder der Laptop her. Diese Aufgabe sehe ich – auch in Zukunft nicht bei iPad und Co.
    Angefangen hat alles mit einem Google Nexus 7 Tablett – ich war erst mal glücklich und das Teil wurde mein täglicher Begleiter. Dann hat es Google aber mit den folgenden Betriebsystem-Updates geschafft, das ursprünglich recht flotte Gerät in ein kaum mehr bedienbares Stück Elektronikschrott zu verwandeln. Erst nachdem ich ein Downgrade auf 4.x gemacht hatte, konnte man wieder einigermaßen ‚arbeiten‘ (das Teil ist inzwischen als Musikzuspieler im Werkkeller).
    Dann folgte ein iPad mini (damals schon gebraucht) und da ich seit den späten 1980ern in der Apple Welt zu Hause bin (aber auch leidvolle Erfahrungen mit Linux und Windows machen durfte), habe ich mich sofort heimisch gefühlt. Inzwischen ist es ein 2018 iPad (nicht Pro).
    Klar gibt es Situationen, in denen ich mir mehr Möglichkeiten wünschte, Daten zwischen Applikationen (oder Geräten) zu teilen aber gerade in diesem Bereich hat sich m.E. recht viel getan. Wohlgemerkt für einfache Aufgaben!

    Mehrbenutzer – ja, hatte mir kurz Bauchschmerzen bereitet, als ich das Tablett als ‚DJ‘ auf einer Party hingestellt habe. Aber dafür gibt es ja die Einschränkungen, dass man anderen Benutzern nur die geöffnete App zur Verfügung stellt (3x Home-Button)

    Dateien auf Server? Meine Synology App macht genau dies. Oder Documents oder…

    Keyboard: kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe schon längere Texte mit Bluetooth Keyboards auf dem iPad verfasst.

    Sandboxing / alternative App-Stores: Genau das schätze ich am iOS System: die Möglichkeit, Schadsoftware zu installieren, tendiert gegen Null. Programme dürfen eben nicht einfach Daten aus anderen Apps holen.
    Ich habe am Wochenende eine Nvidia Shield eingerichtet. Für Android TV gibt es nur eine winzige Auswahl von Apps; u.a. ein kaum benutzbarer Firefox Browser. Hier fühlte ich mich deutlich eingeschränkter, als auf einem iOS Gerät (wobei mir schon klar ist, dass die Shield sich am ehesten mit Apple TV vergleichen lässt). ABER: ganz unverholen wird in ‚YouTube-Tipps‘ damit geworben, Daten aus kaum legalen Quellen zu laden, bei denen ich nicht nachvollziehen kann, ob diese Schadsoftware, Keylogger u.ä. enthalten.

    Treiber installieren? WTF??? Ich habe diese Treiber-Orgie in frühen Windows-Zeiten gehasst.

    Drucken: Punkt für dich – das ist echt umständlich; vor allem, wenn die Diskstation schon mal die Airprint-Funktion ‚vergisst‘. ABER: das ist bei Android doch auch nur über Google oder andere Anbieter möglich, oder irre ich mich da?

    Obseleszenz: ‚Jain‘, weil viele Personen in meinem Umfeld noch immer ein iPhone 4S nutzen. Das Gerät ist ausreichend schnell und reicht für viele Aufgaben aus.
    Aber: bei Android finde ich die Zyklen mit denen die Telefone (und Tabletts) mit Betriebssystem-Updates versorgt werden, viel, vieeeeel schlimmer. Wenn überhaupt, kommt noch mal ein Sicherheits-Update aber nahezu alle Hersteller wollen lieber neue Geräte auf den Markt schmeißen.
    Mein Nexus 7 Tablett war – wie ich schon geschrieben habe – nach dem Update auf Lollipop 5.x nicht mehr zu gebrauchen. Nach dem Downgrade werden mir viele Apps im Play-Store nicht mehr angeboten – das ist auch Obseleszenz.

    Standard-Netzwerkprotokolle – ich habe auf meinem iPad diverse Drittanbieter-Software, die genau diese Protokolle beherrschen… aber ich benötige sie kaum (bis nie). Ein Stock-Android kommt oft mit einem rudimentären Dateimanager … und das war’s. Auch hier muss ich auf Drittanbieter ausweichen und ich habe vorgestern für die ‚Shield‘ verzweifelt nach genau so einer App, die das SMB/CIFFS-Protokoll spricht gesucht (und nicht gefunden).

    Cloud-Services – da stimme ich dir absolut zu. Aber der allgemeine Trend zu dieser Art der Speicherung von Daten scheint nicht aufzuhalten zu sein. Dies würde ich aber nicht auf iCloud beschränken, sondern eher etwas wie Nextcloud oder die Synology-Services einsetzen.
    Im Urlaub hatte ich eine Wlan-Festplatte dabei, auf denen die täglichen Fotos unserer diversen Kameras gesichert wurden. Die Bilder wurden später auf dem Tablett gesichtet und dann auch schon mal direkt verschickt. ABER: für den miserablen Ausbau von Mobilnetzen sollte man nicht Apple verantwortlich machen, sondern eben die Anbieter. Sowohl in Italien, wie auch Kroatien gab es kaum LTE Funklöcher. Hierzulande hingegen ist man froh, überhaupt Mobilfunk zu haben. (und über die Preise wollen wir gar nicht sprechen)

    Musik auf das iOS Device oder vom ~Device? Jepp, ist nervig aber sicher eher Apples Kniefall vor der Content-Mafia. Wenn du ehrlich bist, geht es doch immer darum, ‚mal eben Musik zu tauschen, für die man selbst nicht bezahlt hat‘. Dazu kann man stehen, wie man will aber Apples Weg ist derjenige, der den Nutzern die wenigsten rechtlichen Probleme beschert.
    Ich stand mal vor dem Problem, dass ich einen Film auf meinem Auto-Moniceiver wiedergeben wollte. Ich war bereit, für eine abspielbare MP4-Datei zu zahlen aber es gibt schlicht keinen Anbieter…
    Aber das ist ein ganz anderes Thema.

    Apps- / Web-Entwicklung… das zählt für mich nach wie vor zu den traditionellen Aufgaben für herkömmliche Rechner… Genau wie DTP, Musikproduktionen, EBV usw.

    iOS Probleme – hm, es ist mir in all den Jahren nicht ein einziges Mal vorgekommen, dass ich ein Gerät wegen Fehlern zurücksetzen musste.

    Fazit zu deinem Artikel: du hast dir mal von der Seele geschrieben, was dich an iOS stört. Etwas weniger Ausrufezeichen hätten dem Artikel gut getan. In vielen Dingen muss ich dir recht geben aber ich lasse mich auch nicht von Werbeaussagen verführen: professionelles Arbeiten ist mit jeglichem mobilen Device aktuell nicht möglich. Weder auf Android noch auf iOS. Hier sehe ich Windows aktuell deutlich im Vorteil, da hier der Wechsel zwischen stationär und mobil (laut Marketing) eher fließend ist. Allerdings habe ich kein Windows-Tablett, um dies zu verifizieren und zum zweiten, werden diverse Projekte von Microsoft gerne mal eingestampft, was dann wieder zur o.a. Obseleszenz führen würde…

    • Hi Martin,

      interessante Ansichten ;) Deine Nexus-7-Erfahrungen habe ich damals auch geteilt, fairerweise lag das damals (wohlgemerkt 2012, also vor allem bei Mobile-Hardware eine gefühlte Ewigkeite her) weniger an der Software, sondern am völlig unbrauchberen Flashspeicher, den ASUS verbaut hat. Das 2013er-Modell lief wesentlich länger zuverlässig und wäre bei mir vermutlch mit Custom-ROMs heute noch im Einsatz, wenn ich es nicht durch Dusseligkeit zerdeppert hätte.

      Doch zum iPad: Ich selbst habe das 10.5er iPad Pro samt Type Cover seit rund anderthalb Jahren im Einsatz und bin wirklich ein Fan von dem Ding. Medien konsumiere ich damit mehr als mit allen anderen Geräten hier und ich habe auch schon den einen oder anderen Artikel (sowohl hier als auch woanders) darauf verfasst. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich es mir wieder kaufen würde ;)

      Aaaaber: Ich gebe Christian trotzdem in fast jedem Punkt recht. Es geht darum, dass Apple das PRO (!) massiv als Laptop-Ersatz vermarket und das ist einfach Mummpitz. Ich hatte das neue iPad Pro 2018 quasi schon im Warenkorb, allein schon, weil ich möglichst alle Geräte auf USB-C umstellen will. Doch dann dachte ich mir: Mooooment, was exakt kann das Ding, was mein iPad 10.5 nicht kann? Richtig: Gar. Nichts. Okay, Foto-Import via USB-C, big deal. Photoshop wird wohl schneller sein, aber ich nutze eh Affinity Photo, was (für meine bescheidenen Zwecke) auf dem 10.5er ganz wunderbar rennt.

      Mal ein einfaches Beispiel aus meinem täglichen Job: Artikel schreiben, Bilder fertig machen, in ein CMS einpflegen. Auf dem iPad Pro funktioniert exakt eine Sache davon ohne große Einschränkungen. Screenshots bearbeiten und optimieren? Ja, ist möglich. Aber es erfordert im Vergleich zum Desktop-Mac so viele Zwischenschritte, dass ich wahnsinnig werde. Beispiel: PNG-Screenshots für WordPress optimieren, also kleinrechnen und ggf. umbenennen. Am Mac: Rechtsklick, Imageoptim, dann per Drag & Drop hochladen, fertig. Am iPad… Fange ich gar nicht mit an. Generell ist die Bedienung von Web-Apps (CMS, Weboberflächen von Firmensoftware, Online-Services) auf dem iPad einfach eine Katastrophe, weil Apple sich partout weigert, einen Desktop-Browser oder gar bessere Browser-Engines wie die von Chrome oder Firefox in iOS zuzulassen.

      Dann das Cloud-Jedöhns: Meine Entwurfstexte lagere ich größtenteils in der Dropbox, weil ich jobbedingt auch auf anderen Plattformen darauf zugreifen möchte. Schreiben würde ich aber gerne – wie am Mac – mit iA Writer. Und, kann ich einfach einen Text über die Dropbox-App öffnen und in iA Writer bearbeiten, quasi ein „Finder-Doppelklick“, der die richtige App öffnet und dann die geänderten Daten direkt wieder speichert? Nope. Durch die künstliche Abschottung der Apps untereinander ist das nicht möglich. Klar, ich habe nun einen anderen Markdown-Editor, der auf die Dropbox zugreifen kann, gefunden, aber das ist doch kappes. Übrigens gilt das gleiche auch für die Synology-Apps und Google Drive, ich habe es getestet ;) Joa, kann man beheben, indem man sich ganz auf iCloud einlässt, aber davon bin ich (noch) nicht überzeugt. Selbst einfache Dinge wie Dateianhänge für Mails packen sind zwar möglich, erfordern aber x-mal mehr Arbeit als am Mac (oder Windows… oder Linux… oder…).

      Heißt im Klartext: Ich muss auf dem iPad Pro im Grunde genommen jeden Workflow komplett neu lernen, den ich vom Mac (wohlgemerkt, ich rede hier nicht von Windows oder Android) her kenne. Apple zieht durch das überall gleiche iOS auf einem vermeintlichen Pro-Gerät eine so künstliche Grenze zwischen Desktop und Touchscreen, dass ich einfach nur den Kopf schütteln kann. So sehr ich über Windows 10 schimpfe, das Microsoft Surface Go (hatte ich kürzlich für einige Wochen als Testgerät da) ist zehn mal mehr „Pro“ als das je nach Konfiguration bis zu vier mal so teure iPad Pro – hier scheitert es im Gegenzug an Touch-Apps ;) . Selbst Google macht das mit ChromeOS deutlich besser, aber das spielt ja in Deutschland leider keine Rolle.

      Trotz aller Meckerei mag ich das iPad Pro nach wie vor, es ist eine hervorragende mobile Schreibmaschine und ein absolut grandioses Mediengerät. Aber all das kann mit ein paar Abstrichen auch das 300 Euro teure Standard-iPad, was wirklich schade ist. Das iPad Pro ist ein absolutes Rennpferd, iOS im Moment (!) aber noch ein riesiger Bremsklotz. Ich hege einfach mal die Hoffnung, dass Apple mit iOS 13 oder vielleicht auch erst 14 weitere Schritte in Richtung „echtes“ Pro-System unternimmt. Bis dahin würde ich eher ein gleichteures Macbook (Pro) für die mobile Arbeit bevorzugen. Da gibt es dann übrigens auch Final Cut Pro, Logic Pro, Xcode, Lightroom, Visual Studio und und und – voll Pro ;)

      • Naja deine Antwort bestätigt mich zum einen, dass ich mit dem günstigeren iPad 2018 für meine Bedürfnisse richtig liege. Für einen winzigen Moment hatte ich mit dem Gedanken gespielt, das ‚Pro‘ zu kaufen aber dazu lieferte Apple mir nicht die richtigen Argumente für den stattlichen Aufpreis. Für mich ist die Kombination iPad und MacBook Pro ideal. Zusätzlich habe ich noch eine Android TV Box (Schlafzimmer) und ein Apple TV 4K (Wohnzimmer) sowie einen HTPC (Windows 10), der aber überhaupt nicht mehr gebraucht wird. Die Medienlandschaft ist also vielfältig.
        Das iPad ist täglich in Gebrauch, da die benötigte / gesuchte Information sofort da ist. Das MacBook ist für DTP, Ebv, längere Texte, Programmierung usw.
        Gerne teste ich zwischendurch auch weiter, was mit iOS geht oder eben nicht. Photoshop hört sich ja ganz nett an aber eine High-End Retusche??? Da nehme ich doch lieber den Rechner mit großem Zweitmonitor.
        Was aber spannend werden dürfte, ist die Prozessorleistung. Will Apple schon wieder einen Cut machen: von den 68k Prozessoren nach PowerPC, von Classic MacOS nach OS X, von PowerPC nach Intel… und in Zukunft vielleicht von Intel nach Arm? Ich lasse mich überraschen…

  • Oh man, das ist ja quasi ein Totschlag-Argument, ich hatte mir am Jahresanfang das Ipad 2018 gekauft, klar, da sind auch einige Sachen, die ich bei Apples I-OS vermisse, Dinge, die bei Linux selbstverständlich wären, wie zu Beispiel der VOLLWERTIGE Dateimanager, und was mir alles gerade nicht einfällt. Vor allem aber die Tatsache, das ich nicht wirklich die freie Wahl habe, wo ich meine Daten Ablege, zumindest wenn man den I-OS-eigenen Dateimanager nutzt. Allerdings habe ich dieses Problem auch bei meinem Ubuntu-Tablet. Ist halt alles irgendwie verkappt, so gesehen werden diese Geräte niemals einen Laptop ersetzen. Diese Tabletts sind praktisch für unterwegs, aber für viel mehr taugen sie nicht.

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