HardwareLinux & Co.

Raspberry Pi (ARM) vs. MSI Cubi (X86)

Raspberry-Pi-Alternative für normale Linuxe und Windows

Raspberry Pis sind super: Billig, lautlos, stromsparend und mit toller Betriebssystemauswahl dienen sie als Server und Bastelrechner in heimischen Netzen. Mmmh, ist das wirklich so? So billig sind die aktuellen Modelle nicht mehr, lautlos meist auch nicht und was die Betriebssysteme angeht – kein Vergleich mit „normalen“ PCs. Wie sieht es also mit einem normalen Rechner als Alternative aus? Mit einem Wort: Super!

Raspi – nicht mehr wie früher

Raspis basieren auf der ARM-Architektur, was grundsätzlich Vorteile beim Stromverbrauch hat. Da aber so ziemlich alle „echten“ Rechner und Laptops nach wie vor die x86-Architektur nutzen, ist die Auswahl an Betriebssystemen und Software dort einfach viel viel größer. Auf einem Raspi könnt Ihr nicht einfach ein normales Windows installieren und auch Linux-Distributionen gibt es nur in beschränkter Auswahl. Das alles beschränkt den Minirechner – insbesondere für weniger versierte Nutzer.

In den Raspi-Anfangsjahren waren die Teile unschlagbar günstig und stromsparend, keine Konkurrenz in Sicht. Im Laufe der Zeit sind allerlei Alternativen, meist ebenfalls mit ARM-Architektur, erschienen, die sich aber eigentlich nur bei echten Bastlern und das auch nur selten einen Namen machen konnten.

Mini-HDMI am Raspi 4 – nicht wirklich toll.

Der Raspberry Pi 4 wird nun standardmäßig aktiv gekühlt, auch wenn es durchaus auch passiv geht. Der Kostenpunkt für ein Set mit 8 GB RAM und 64 GB SSD liegt bei etwa 160 Euro. Nicht billig, (meist) nicht lautlos und dazu die Beschränkungen durch die ARM-Architektur – das schreit doch nach Alternativen.

Cubi – fast ein echter …

MSI bietet mit der Cubi-Serie einen Mini-Rechner, der doppel so groß ist wie ein Raspi im Gehäuse – mit einer großen Auswahl an X86-Prozessoren von Celeron bis Core i7 (mehr zu den Intel-Prozessorbaureihen). Die Core-Modelle sind aktiv gekühlt und somit hier eher nicht interessant, zudem preislich deutlich über jedem Raspi – die Spitzenmodelle liegen bei knapp 800 Euro, echte Desktop-PCs eben.

Die spannendste Alternative zum Raspi dürfte der Cubi N8 GL mit Pentium N5000 sein: Mit separaten 8GB RAM und 64 GB SSD kommt man hier auf etwa 200 Euro – oder knapp 300 Euro inklusive Windows 10, wenn man den Cubi fertig installiert haben möchte.

3% sparen
(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.

Raspi vs. Cubi

Der Cubi N 8GL mit N5000 ist also rund 40 Euro teurer als der Raspi – und laut Geekbench auch rund 47 Prozent schneller beim Multi-Core-Wert. Der Stromverbrauch liegt ungefähr auf gleichem Niveau.

Für 40 Euro mehr bekommt Ihr also mehr Rechenleistung, habt die freie Auswahl beim Betriebssystem und der Anwendungssoftware – soweit ist ganz klar, wer die Nase vorn hat.

Aber der Raspi hat natürlich etwas, das der Cubi gar nicht hat: GPIO-Pins! Der Raspberry Pi war und ist eben ein Bastelrechner, der sich super für kleine Roboter eignet, zum Einbau in eigens entwickelte Retro-Gaming-Gehäuse und so weiter – da kann und will ein Cubi gar nicht mithalten. Auch zieht der Cubi Strom über ein herkömmliches Netzteil statt über USB, was die mobile Stromversorgung zumindest komplizierter machen würde.

foto vom raspi mit gpio pins
Die GPIO-Pins sind neben der Architektur der größte Unterschied zum Cubi.

Auch bei den Anschlüssen gibt es Unterschiede: Der Cubi hat vier USB-3-Anschlüsse, der Raspi nur zwei plus zwei USB-2-Buchsen. Dafür hat der Raspi zwei Mini-HDMI-Anschlüsse, der Cubi einen normalen HDMI- und einen VGA-Konnektor. VGA braucht heute kaum noch jemand, Mini-HDMI schreit nach weiteren Kosten – denn wer hat schon Mini-HDMI-auf-HDMI-Adapter daheim rumliegen?

Der VGA-Anschluss am Cubi scheint etwas überholt.

Zum Basteln kommt der Cubi natürlich nicht in Frage, aber die meisten Raspis dürften daheim als Server für Medien, Retro-Gaming, Routing, Werbefilter und dergleichen dienen – und da ist ein Cubi die eindeutig bessere Alternative, weil schlichtweg wesentlich vielfältiger dank X86-Architektur.

Hier nochmal alles als Übersicht:

Spec Raspberry Pi 4 Cubi N8 GL
CPU/Chip: BCM2711 Intel Pentium N5000
Architektur: ARM x86
RAM: 8 GB 8 GB
Watt: 5 Watt 6 Watt
USB 3: 2 4
USB 2: 2
Display: 2 Mini-HDMI HDMI, VGA
Set-Preis: ca. 160 ca. 200
Geekbench Single Core: 244 394
Geekbench Multi Core: 669 984

Und hier ein grober Überblick über den Stromverbrauch – grob, weil der angeschaffte Datenlogger nicht ordentlich loggt … An beiden Geräten hing eine externe USB-Festplatte, beiden waren über Kabel im Netzwerk, beide hatten sonst keine Peripherie. Beide Rechner waren fast im Urzustand (Ubuntu) und wurden dann ohne Last, mit zwei und mit allen vier ausgelasteten Kernen gemessen, oder sagen wir lieber beobachtet – aber die Werte haben sich fix und stabil eingependelt, natürlich in Watt:

Lastart Raspberry Pi 4 Cubi N8 GL
keine 3,3 3,5
halb 4,8 6,8
voll 5,9 6,7

Das passt etwa zur Erwartungshaltung – aber selbst wenn der Raspi übers Jahr kontinuierlich 2 Watt weniger verbraucht, spart das keine 6 Euro. Interessant ist eher, dass der Cubi bei Halblast in etwa genauso viel verbraucht wie bei Volllast – was sich mehrmals wiederholen ließ. Heißt: Bloß nie halb auslasten, dann lieber noch einen Cryptominer laufen lassen ;)

Mehr zum Thema Raspberry Pi.

×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.

Anzeige Wir empfehlen NordVPN.

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help

Verwandte Beiträge

4 Kommentare

  1. Ein Punkt hätte mich noch interessiert: wie sieht der Stromverbrauch im Leerlauf und vielleicht unter Last aus? Meine Vermutung ist ja: ARM schneidet erheblich besser ab, bin mir da aber nicht sicher.

    1. Ich habe leider kein Messgerät, würde aber ebenso … Nee, will nicht mutmaßen. Moment … – so, Datenlogger ist bestellt, Dienstag oder Mittwoch liefer ich mal ein paar Daten nach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
Tutonaut.de