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Ressourcen-Verbrauch: 7 Linux-Desktops im Vergleich

Welcher Desktop verbraucht in einer virtuellen Maschinen die wenigsten Ressourcen? Gnome ist es sicher nicht … Oder doch? Zahlen machen schlau 😉

Oder auch: Warum ist Gnome so verdammt langsam? Diese Frage quält mich nämlich immer wieder, wenn ich eine virtuelle Maschine mit Ubuntu hochfahre und mich am Standard-Desktop, also Gnome, anmelde. Es ist so furchtbar träge. Wenn es nicht für die Screenshots wäre, würde ich sowieso von vorne herein nur LXDE nutzen – mein Lieblings-Desktop. Aber wie sieht es mit KDE Plasma, Cinnamon, Mate, Xfce oder gar Openbox pur aus? Ein höchst unwissenschaftliches Experiment sollte mir die Antwort liefern – und mochte doch nur Klischees bedienen …

Eine Spielerei.

Das Testszenario

Getestet habe ich die vollwertigen Desktop-Umgebungen Gnome, Cinnamon und KDE Plasma, die schlanken Desktops LXDE, Xfce und Mate sowie den Fenstermanager Openbox ohne Desktop-Umgebung. Alle liefen unter Ubuntu auf derselben virtuellen Maschine mit 2,76 Gigabyte RAM und 2 Prozessoren. Vor jeder Neuanmeldung wurde das System komplett ausgeschaltet und neu gebootet.

Die Werte stammen vom Prozessmanager htop: Speicherbelegung, Anzahl der aktiven Task und Threads und der Load Average einer Minute. Alles jeweils einmal direkt nach Systemstart, in der Tabelle unter idle, und einmal mit geöffnetem Firefox samt vier geöffneten Webseiten, in der Tabelle unter Firefox.

Natürlich muss man das Ganze einordnen: Das ist nun kein ausgefeiltes Testszenario, sondern nur ein oberflächlicher Test, wie viele Ressourcen die Desktop-Umgebungen quasi im Leerlauf und mit ein paar geöffneten Webseiten verbrauchen. Der RAM-Verbrauch ist dabei durchaus einigermaßen aussagekräftig, ebenso die Anzahl laufender Tasks. Load Average und Anzahl der Threads dürften ob der kurzen Testdauer höchsten Trends vermuten lassen.

htop
Die Werte in htop.

Das Ergebnis

Das Ergebnis seht Ihr hier im Bild – und ja, es zeichnen sich recht eindeutige Trends ab! Wie zu erwarten, ist Openbox Ressourcen-Sparer Nummer 1. Wie zu erwarten, ist LXDE der schlankeste der schlanken Desktops. Wie zu erwarten sammelt Gnome die meisten Schlechtstwertungen bei den vollwertigen Desktops und somit natürlich auch insgesamt.

desktop data
Grün: Klassenbester.
Rot: Klassenschlechtester.
Smiley: GOAT 😉

Interessant ist, dass die Kandidaten in ihren jeweiligen Klassen durchaus recht nah beieinander liegen – vollwertige und schlanke Systeme lassen sich durchaus am Zahlenmaterial unterscheiden. Und man sieht auch, dass die 2,76 GB RAM von den vollwertigen Desktops schon mit nur einem Firefox mit vier Tabs fast komplett belegt werden. Und selbst ohne Firefox benötigen Sie schon mindestens den halben Speicher.

Nun mag mir jemand vorwerfen, 2,76 GB RAM seien ja auch verdammt wenig. Nun: Auf dem Windows-Host stehen 16 GB RAM zur Verfügung – und da auch hier ein Firefox läuft und Windows selbst ordentlich zuschlägt, sind mindestens 50 Prozent davon schon mal weg. Und leider läuft hier nicht immer nur eine VM, teils müssen es auch bis zu drei Stück gleichzeitig sein. Oft muss ich mit den Dingern gar nicht viel arbeiten, sondern nur schnell mal ein Tool installieren und einen Screenshot machen oder dergleichen. Und in dieser Situation sind Cinnamon und Gnome tatsächlich die Hölle. KDE Plasma hingegen ist nicht nur den Zahlen nach leicht im Vorteil, sondern fühlt sich im Betrieb auch deutlich fixer an.

Aber die schlanken Desktops sind doch erste Wahl, sofern nicht mindestens 4 GB RAM zur Verfügung stehen – besser mehr.

Insofern mag das Zahlenwerk unwissenschaftlich und oberflächlich sein – es produziert aber exakt dieselbe Reihenfolge, die ich auch im Vorfeld vermutet habe. Klischees scheinen eben doch irgendwo her zu kommen. Und mal ehrlich: Wer von Euch kennt alle Systeme und hätte bezüglich der Performance nicht die Reihenfolge

  1. Openbox
  2. LXDE
  3. Xfce
  4. Mate
  5. KDE Plasma
  6. Cinnamon
  7. Gnome

vermutet? Nun, vielleicht hätte jemand der KDE noch von früher kennt einen kleinen Dreher 😉

Und was sagt Euch das nun? In einem Gelegenheits-Linux in einer virtuellen Maschine, in einer Gastgeberwelt, in der RAM immer knapp ist, ist LXDE eben doch das Beste. Mutigen sei aber Openbox pur empfohlen – Surfen, Chatten oder Office-Arbeit fühlen sich dort auch nicht anders an. Es geht nur alles viel schneller!

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Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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