„DE News“ – schlechter Roboter-Journalismus mit Fake-Autorin Katrin Ostermann. Wie Ihr sowas erkennt und wir die CFNM-Spanking-Spezialistin fanden …

Manchmal ist das Internet einfach zum Kotzen. Dieses mal ist der böse Missetäter: Die „News-Seite“ namens DE News – aktuelle nachrichten, die sich auf der Adresse aktnach.org findet. Auf den ersten Blick eine normale News-Seite mit Wetter, Fußball, Politik, Gossip, Lokalem. Auf den zweiten Blick sieht man aber: Katrin Ostermann erzählt Euch nicht die ganze Wahrheit – ist aber fit in CFNM-Spanking

Es folgt ein kleiner Beitrag zum Thema Medienkompetenz: Es geht um eine Seite mit eindeutig geklauten Inhalten, die als eigene ausgegeben werden – inklusive einer Autorin Katrin Ostermann. Mit ein wenig Aufwand kommt aber recht schnell dahinter. Hier seht Ihr wie.

karin ostermann

Diese junge Dame findet sich bei jedem Artikel auf DE News – hat aber auch Ahnung von CFNM-Spanking und häuslicher Gewalt …

Warum DE News? Warum fake?

Auf die Seite DE News bin ich durch Zufall gekommen, irgendeine Google-Suche hat mich dahin gebracht, ich glaube etwas zum Hambacher Forst. Schon vor dem Aufruf konnte man skeptisch werden: .org und kein HTTPS sind für eine kommerzielle, deutsche Nachrichtenseite – sagen wir mal unüblich. Beim Lesen des Artikels kam schnell das erste Anzeichen für Stuss zu Tage: Der Text war extrem redundant, teils völlig zusammenhangslos und kombinierte wild unpassende Stilelemente.

Das zweite Anzeichen: Ein Klick auf das Bild der Autorin führt nur wieder zu dem Artikel. Und das dritte Anzeichen war dann, dass offenbar alle Artikel von jener Katrin Ostermann kamen.

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Auch wenn das Wort Autorin fehlt – die Intention ist wohl klar.

Das vierte Anzeichen war dann extrem eindeutig: Kein Impressum. Und das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass hier entweder ein völlig ahnungsloser Mensch seine private Homepage betreibt (was man hier ausschließen konnte) oder Schindluder getrieben wird. Also braucht es etwas Recherche.

Hintergründe recherchieren

Das Erste, was man in so einem Fall macht, ist nachzuschauen, auf wen die Domain registriert ist, eine WhoIs-Abfrage. Ach, ohje, herrjemine, das geht ja nicht mehr, weil die Politik fragwürdigen Datenschutz betreibt … Dann eben nicht. Zumindest konnte ich noch sehen, dass die Seite im Kreis Ida-Viru in Estland gehostet wird – gemeines Cliché, aber auch das macht für eine deutsche Nachrichtenseite keinen guten Eindruck.

Der zweite Ansatz: Man bemühe einfach die Google-Suche und guckt zunächst, ob es irgendwo Erfahrungsberichte über die Seite gibt – hier nicht der Fall. Am besten schien sich aber doch eh die liebe Katrin als Aufhänger zu sein: Wer ist sie? Schließlich gibt es sogar ein Foto! Nur der Kopf, aber immerhin.

Wo ist Katrin Ostermann?

Carmen … äh, Katrin Ostermann taucht nirgends auf, keine Journalistin auf Xing, keine Referenzen aus irgendwelchen Praktika, keine peinlichen Facebook-Fotos. Aber das Bild muss doch eigentlich zu finden sein – und ja, ist es: Und zwar auf etlichen Seiten. Zum Beispiel als hilfreiche Dame beim Full Value Contact Center in Florida. Beim Dickinson Area Chamber of Commerce in North Dakota. Ebenso beim Choices Council on Domestic Violence in Luray, Virginia. Beim Healthcare-Anbieter evariant in Massachusetts ist sie die schmerzgeplagte Sally. Bei Interim Inkeepers preist sie irgendetwas namens „Insitting“ an. Bei Amazon (!) ziert sie das Cover des Buchs „CFNM Spanking Night.“

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„Katrin“ führt ein vielschichtiges Leben.

Praxis-Tipp: In der Google-Bildersuche könnt Ihr auf das Kamerasymbol klicken und dort ein Bild statt eines Suchbegriffs eingeben, per Upload oder URL. Bei Stock-Bildern wird Google eigentlich immer fündig, vor allem bei kostenlosen.

google bildersuche

Google kann auch Bilder als Suchanfrage verwerten.

Also, entweder führt diese junge Dame ein wirklich, wirklich spannendes Leben zwischen 1.-FC-Köln-Nachrichten, Business-Hilfe und „Insitting“. Und sie kombiniert clever Ihre Erfahrungen: Ansprechpartnerin für häusliche Gewalt und Cover-Model für ein CFNM-Spanking-Buch – wenn das mal keinen Interessenskonflikt gibt …

Oder es handelt sich um ein Stock-Foto. Und wer es nicht kennt, Stock-Fotos sind Bilder aus Datenbanken, an denen sich Journalisten und Werber und Kreative sehr gerne bedienen. Es gibt kostenpflichtige Datenbanken wie Adobe Stock und kostenlose wie Pexels.com (nutzen wir auch häufig). Und die gute Katrin stammt wohl von Freerange Stock. Dort „heißt“ sie schlicht A beautiful young business woman posing on a white background.

Damit ist klar: Da es keine Katrin Ostermann gibt (zumindest nicht diese), stammen die Inhalte – mööööglicherweise, nicht von Katrin Ostermann. Von wem dann?

Woher kommen die Inhalte

Eine kleine Analyse eines Artikels zum Spiel Fortuna Köln gegen 1. FC Kaiserslautern, hier zu finden. Hier erstmal ein Bild des Artikels. Die schwarz markierten Textstellen leiten beispielsweise mehrere komplett identische Textstellen ein. Das sollte Beweis genug für – extrem schlechten – Roboter-Journalismus sein.

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Schlecht geklaut – überall Redundanzen.

Nun wollte ich natürlich wissen, von wem da geklaut wurde und habe ein paar Textstellen bei Google gesucht. Zum Beispiel fängt ein Teil mit folgendem Satz an:

Noch vor dem Spiel hatte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Fortuna Köln wegen unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger mit einer Geldstrafe in Höhe von 300 Euro belegt.

Und diesen Teil findet man bei Ligaportal.at. Und bei Spox.com. Und bei Sky. Ja, so divers ist die journalistische Landschaft … Natürlich übernimmt man als Journalist viele Meldungen von Diensten wie Reuters oder DPA oder Presseabteilungen. Aber man schreibt sie zumindest um, ihr … In diesem Fall stammt der Text vom Sport-Informations-Dienst (tolle Schreibweise nebenbei …) aus Köln. Ligaportal und Sky haben auch (sid) als Quelle angegeben, Spox verzichtet.

Und noch ein Beispiel:

Das Publikum verlor nun mehr und mehr die Geduld mit seiner Mannschaft und quitierte die schwache Leistung mit Pfiffen.

Diese Textstelle samt Folgetext findet sich beim SWR. Und da dort keine externe Quelle angegeben ist und der Text andernorts nicht auftaucht, liegt die Vermutung nahe, dass er dort geklaut wurde. Beim SWR! Also tendenziell von uns allen finanzierte Inhalte.

Abschalten

Hier sollte man es echt mit Peter Lustig dem Ersten halten: Einfach mal abschalten. Man könnte mit Roboter-Journalismus wunderbare Seiten aufbauen. Aber nur wenn man eigene Inhalte schafft. Zwischen Abgrasen und Veröffentlichen muss noch eine Schicht Data Mining eingebunden werden, dann hat das Ganze nämlich einen Mehrwert.

Wenn aktnach.org dem Sinn der Domain org entspräche und beispielsweise im guten Glauben eine unabhängige Nachrichtenseite schaffen wollte – bitteschön. Aber immer noch geklaut. Doch hier ist alles voller Werbung, Tracking, Diebstahl, Desinformation und fehlender Information.

Ihr solltet solche Seiten meiden. Nicht nur wegen des Diebstahls und der lieblos zusammengeschusterten Inhalte, die man im Grunde kaum lesen kann, sondern auch weil Ihr bei solchen Leuten nie wisst, ob sie Euch nicht doch irgendeinen Mumpitz aus eigener Feder unterjubeln.

Zusammengefasst: Ihr erkennt solchen Müll im Grunde recht schnell, wenn Ihr auf ein paar Dinge achtet. Zweifeln solltet Ihr, wenn das Impressum fehlt, keine Autoren oder Quellen zu finden sind, die Domain merkwürdig ist, HTTPS nicht läuft und die Bilder im Grunde alle zu gut aussehen. In solchen Fällen solltet Ihr prüfen: Was gibt die Whois-Abfrage her? Was sagt die Google-Suche zu der Seite? Lassen sich die Fotos vielleicht andernorts finden? Und letztlich lohnt es sich immer, ein paar kurze Textproben durch die Suchmaschine zu jagen. Kurz gesagt: Augen auf und Verstand einschalten, das reicht eigentlich schon ;)

Na gut, einen noch …

Zum Abschluss noch ein letzter Beweis für Roboter-Journalismus, dieses mal aus einem „Artikel“ zum Hambacher Forst, den Ihr auch auf anderen Seiten sofort deuten könnt:

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken 18. September 2018 um 09:37 Uhr Dauer-Streit um Tagebau: Hambacher Forst im Faktencheck – alle Fragen, alle Antworten 8 Bilder Tag 5 der Polizeiaktion im Hambacher Forst Foto: dpa/Oliver Berg Hambach Der Hambacher Forst wird zum Symbol für den Kampf um die Braunkohle …

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken ist natürlich die Kopfzeile der abgegrasten Seite. Als Einleitungstext finde ich, ganz persönlich, irgendwie, also, naja, nicht so ganz prickelnd.

P.S.: Katrin Ostermann hat auch einen Twitter-Account. 35.600 Tweets in einem Jahr, bei angenommenen 220 Arbeitstagen pro Jahr immerhin 161,8 Tweets pro Arbeitstag und 20,2 pro Stunde – schnell und fleißig die gute Katrin ;)

P.P.S.: Das Katrin-Ostermann-Foto stammt übrigens von Benjamin Miller – wenn Ihr in Louisville unterwegs seid und ein Portraitfoto braucht, schaut mal vorbei ;)

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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