Nach fast einem Jahr mit dem 10,5″-iPad-Pro bin ich auf das größere Modell umgestiegen. Die Gründe sind simpel – und machen doch einen riesigen Unterschied.

Das iPad Pro 10,5“ ist ein feines Gerät, ich hätte es ja zu gegebener Zeit bereits reichlich gelobt: Es dient als Mediaplayer, ist groß genug für kreatives Arbeiten und man kann damit unterwegs wirklich viele Sachen erledigen, die sonst einen großen Rechner benötigen würden. Einzig: Der verdammte Bildschirm war mir immer noch zu klein. Daher bin ich auf‘s große iPad Pro 12,9“ umgestiegen.

Große Hände, kleines Tablet

Das größte Problem, das ich mit dem iPad Pro 10,5“ habe und hatte, ist die verfluchte Bildschirmtastatur. Anfangs dachte ich, dass ich damit zurecht käme, schließlich wollte ich ja auf dem Ding keine langen Texte schreiben. Aber dieses ewige Umschalten zwischen den verschiedenen Tastaturen, das Geziehe und Gezerre durch die Doppelbelegung vieler Tasten – gerade hier im WordPress-Texteditor – ist die reinste Qual. Das mag an meinen großen Händen liegen, hat aber noch eine andere Ursache: Als Vielschreiber bin ich Apples Magic Keyboard gewohnt und musste durch die geringere Größe des iPad-Keyboards ständig umdenken. Das Resultat. Spontanes Schreiben macht keinen Spaß – einer der Gründe, weshalb ich mir das Gerät überhaupt zugelegt hatte.

Das iPad Pro 12,9" ist deutlich produktiver.

Das iPad Pro 12,9″ ist deutlich produktiver.

Externe Tastatur und das ganze andere Geraffel nervt

Ja, man muss es leider sagen: Das kleine iPad Pro braucht für längere Schreibaufträge eine externe Tastatur. Dummerweise ist die dann immer irgendwie bulky dabei, man muss sie herumtragen, irgendwo unterbringen und so weiter. Das Problem beim iPad 10,5“-Formfaktor ist dann auch, dass alle halbwegs brauchbaren Tastaturen breiter sind als das Gerät. Und weil es so einen schmalen Rand hat, ist es halt auch nicht sonderlich praktisch, wenn man es im horizontalen Modus aufstellt: Drittanbieter-Keyboards sind meist zu hoch und verdecken genau den Teil des Bildschirms, mit dem man das Dock anzeigen kann. Das Resultat ist ständiges Keyboard-Geschiebe. Gefummel, dass mich zweimal überlegen lässt, ob ich jetzt am iPad was schreiben will.

Smart-Keyboard? Nicht für den Preis!

Klar: Das Smart-Keyboard von Apple hat diese Probleme nicht. Dummerweise ist das auch furchtbar teuer – und hat dabei am 10,5“-Gerät noch nicht einmal einen Formfaktor, mit dem ich gut leben kann: Es ist, wie all die ollen Netbook-Tastaturen früher, schlicht zu klein für meine großen Flossen. Nein: Schreiben am 10er-iPad ist eine Qual und genau das ist der Hauptgrund, warum ich mir jetzt das größere Modell zugelegt habe: Die Bildschirmtastatur ist so gut, dass ich diesen Text hier gerade daran schreibe. Kein Geraffel mit externen Keyboards, kein teures und hässliches Smart-Keyboard, nein: Einfach nur ich, mein iPad Pro und das WordPress-Eingabefenster – perfekt. Einen Nachteil hat das große Pro aber dann doch: Schreiben im Porträtmodus mit den Daumen ist faktisch unmöglich. Aber wenn wir ehrlich sind, habe ich das auch am 10,5“-iPad nicht gemacht.

Das größere Bildschirm-Keyboard erlaubt echtes Schreiben.

Das größere Bildschirm-Keyboard erlaubt echtes Schreiben.

Zeichnen geht auf dem großen auch besser

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum ich das 12er-iPad Pro besser finde: Wenn man hier mit dem Pencil malen und schreiben will, liegt der Handballen auf dem Bildschirm auf. Das wiederum hat den großen Vorteil, dass man präziser arbeiten kann. Schreiben geht hier wirklich ganz natürlich von der Hand, wie auf Papier. Beim 10er-iPad lag mein Handbällen immer auf dem Rand auf, was unangenehm war. Dank der Handballenerkennung ist das zwar auf keinem der beiden Geräte ein Problem – trotzdem ist es beim Zeichnen und notieren für mich deutlich angenehmer, das 12,9-Zoll-iPad zu verwenden.

Warum nicht gleich ein MacBook?

Viele werden sich jetzt fragen, warum ich, als jemand, der viel schreibt, überhaupt zum iPad greift, statt sich direkt ein Notebook wie das MacBook zuzulegen. Die Antwort ist einfach: Das iPad kann Dinge, die das MacBook nicht so gut kann: Schnell bereit und immer zur Hand sein zum Beispiel. Oder als eBook-Lesegerät und Surfbrett im Bett und auf der Couch dienen. Das sind zwar nur Kleinigkeiten, aber dadurch ist mein iPad seit Jahren das Gerät, was ich in meiner Freizeit am meisten nutze. Auch wenn man 90 Prozent der Zeit nichts anderes tut, als konsumieren. Dazu muss gesagt werden, dass ich „echte“ Arbeit natürlich nach wie vor am Mac verrichte.

Das iPad Pro 12,9" ist deutlich größer als das 10,5"-Modell. (Bild: Apple)

Das iPad Pro 12,9″ ist deutlich größer als das 10,5″-Modell. (Bild: Apple)

Bei mir ist das iPad kein Macbook-Ersatz

Das iPad Pro.wird bei mir aber auch nie als Rechner-Ersatz arbeiten müssen; dazu fehlen ihm essentielle Funktionen. Ich kann keine virtuellen Maschinen ausführen oder im Terminal herumfummeln. Ich kann keine Software installieren, die nicht aus dem AppStore stammt. Ich kann meine iTunes-Mediathek hier nicht pflegen. Und manche Workflows wie Bildbearbeitung oder das simple Zippen von Dokument-Bilder-Bundles sind auch in iOS 11 nach wie vor katastrophal umständlich. Deshalb kann das iPad Pro den iMac oder das MacBook auch in der großen Variante nicht ersetzen.

Das iPad Pro 12,9“ fördert die Kreativität

Soll es aber auch nicht: Es soll ihn unterstützen. Es sind nämlich eben diese 10 Prozent Nichtkonsum in meiner Freizeit, die das iPad abfangen muss: Eine Idee, ein Absatz, eine schnelle Skizze oder Notiz – nichts, wofür man aufsteht, um an den Rechner zu gehen, aber genau die 10 Prozent kreativer Energie, die im Leben möglicherweise den Unterschied machen können. Genau hier ist das größere iPad tatsächlich besser: Durch die große Tastatur und den großen Bildschirm muss ich nicht eine Sekunde nachdenken, ob ich etwas aufschreibe: Ich schreibe es einfach auf! Zumal aus vielen dieser „eben mal kurz“-Ideen dann doch Blogeinträge oder Artikel werden – die ich aber am 10er-iPad dann doch nicht spontan geschrieben habe, weil ich eine Sekunde über die Vorgehensweise nachdenken musste – und schon war die Motivation flöten.

Die paar Zentimeter machen den Unterschied!

Die paar Zentimeter machen den Unterschied!

Das iPad Pro 12,9“ ist ideal für mich

Und genau deshalb ist das 12er-iPad Pro so viel besser als das 10er-Modell – zumindest für mich. Ich kann in meiner Freizeit kreativ werden, muss nicht über Hardware-Geraffel und krumme Finger durch Mini-Tastaaturen nachdenken. Ich muss keinen Workflow entwickeln, wie ich jetzt hier Anfänge und am Mac weitermache. Ich kann einfach machen – und das nur, weil die Bildschirmtastatur um Welten besser ist als die des kleinen Bruders.

Was banal klingt, ist in der Praxis ein riesiger Unterschied: Diesen Text zum Beispiel hätte ich nie auf dem iPad Pro 10,5“ geschrieben. Nicht, weil er dann thematisch nicht passen würde (das auch), sondern weil ich keine Lust gehabt hätte, eine Stunde an der schlottrigen Bildschirmtastatur des kleinen iPads zu tippen. Auf dem 12er macht das Schreiben hingegen keine Probleme – womit sich die Investition schon gelohnt hat.

Update: Zurück zu 10,5!

Ehrlich, ich habe es versucht. Doch nach einigen Wochen bin ich doch wieder zum 10,5″-Modell zurückgekehrt. Der Grund dafür: Auch das große iPad ist produktiv gesehen nicht optimal – und für die eigentlichen iPad-Anwendungsgebiete tatsächlich oft zu groß. Einhändiges Lesen, Tippen mit den Daumen oder das schlichte Zocken mancher Spiele ist mit dem großen Gerät deutlich schlechter möglich als mit der 10,5″-Variante. Stattdessen habe ich mit für das 10er ein Smart-Keyboard gekauft.

Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und manchmal in der echten Welt unterwegs.
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Kommentare

  • Hallo, wenn ich mir dein Text lese, komme ich ganz schnell auf dem Gedanken, mich nicht mehr mit dem Thema Ipad 2018 (9.7 Zoll) zu beschäftigen, ich nutze zurzeit noch ein bq Aquaris M10 (geflasht auf UbiPorts-Ubuntu Touch, womit ich eigendlich auch zufrieden bin, die produktive Nutzung ist aber doch eher etwas eingeschränkt, was die Software angeht.

    • Das iPad Pro ist schon deutlich besser als die meisten anderen Tablet-Systeme. Ich habe das 12er-Pro allerdings wieder zurückgehen lassen, weil es mir vom Formfaktor her für meine primäre Nutzung (Lesen, Surfen) zu sperrig war. Schade, denn sonst ist es ein wunderbares Gerät. Stattdessen habe ich dem 10,5″ ein Smart Keyboard gegönnt, und obwohl das teuer ist, ist das eine deutlich bessere Ergänzung als zum Beispiel der Pencil. Jetzt habe ich die Tastatur immer dabei und kann schnell etwas tippen, was vorher mit der Bildschirmtastatur nur nervig war. Diese Antwort zum Beispiel.

      Aber ja: Letztlich zahlt man bei Apple ein Heidengeld, obwohl die Funktionen inzwischen auch von anderen Herstellern gleich oder sogar besser geboten werden. Ich habe mir zum Beispiel neulich ein Surface Pro angeschaut und muss sagen: Top. Wenn ich jetzt nicht seit Jahrzehnten Macuser wäre und nicht aktuelle Hardware hätte, wäre das sicher meine erste Wahl in Sachen Tablet-PC-Arbeits-Lesegerät :)

      • Ich hebe eigentlich immer die Neigung, mich mit freier Software und der passenden Hardware, zu beschäftigen, natürlich ist es besonders beim UBUNTU-Tablet eher ein Kompromiss, wer Linux auf dem Desktop kennt, der Hadert immer mit diesen doch irgendwie anders funktionierenden Dingern, mal schauen, vielleicht sollte ich es mal mit der Einstiegsklasse probieren, irgend wie interessiert es mich doch, wie es sich mit so ein Ipad 2018 (9,7 Zoll) arbeiten lässt.

        Gruß, Detlef

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