Unser Ben ist seit einigen Monaten mit einem Plug-in-Hybriden unterwegs. Seine Erfahrungen in Sachen eAuto-Kauf lest ihr hier.

Sie sind in aller Munde und werden von Befürwortern wie auch von Gegnern emotionaler diskutiert als die Religionszugehörigkeit: Elektroautos. Doch wie und wo kauft man ein eAuto? Einfach ins Autohaus gehen? Wie lange muss ich warten? Ein Erfahrungsbericht zeigt unseren Weg zum eAuto und die damit verbundenen Hürden.

Welches Auto – Was gibt es auf dem Markt?

Knapp 30 verschiedene rein-elektrische Autos sind in Deutschland zurzeit erhältlich. Dazu kommen noch Plug-In Hybride, die an der Steckdose geladen werden können, zudem aber noch einen Benzin-Motor dabei haben und die restliche Strecke als Hybrid fahren können. Die elektrische Reichweite schwankt bei diesen Modellen von lediglich 10km (Mercedes Benz) bis hin zu realen 65km (Hyundai Ioniq Plugin). Die rein-elektrischen Modelle fahren von 120km (Ford eFocus) bis zu 380km (Opel Ampera-E) mit einer Akkuladung. Welche Fallstricke es beim Thema Akku zu beachten gilt behandeln wir in einem späteren Abschnitt.

Da meine tägliche Pendelstrecke knapp 60km beträgt, fallen so ziemlich alle am Markt befindlichen Elektro-Autos ins Raster. Da die Ansprüche ans Auto jedoch auch den Besuch bei den Eltern (keine Schnelllademöglichkeit im Ort) und größere Touren durch Frankreich und Skandinavien in den kommenden Jahren beinhalten, haben wir uns für einen Hyundai Ioniq Plug-In entschieden. Warum? Der cw-Wert (ein Widerstandswert der die Aerodynamik beschreibt) ist mit 0,24 sehr niedrig und gilt als eines der effizientesten Serienfahrzeuge weltweit. Zudem bekommt man 5 Jahre Garantie auf das Auto, 8 Jahre Garantie auf die Batterie und einen vollausgestatteten Wagen bei dem andere Hersteller noch nicht mal anfangen mit einem zu diskutieren. Dieser Plugin kombiniert die Vorteile des Elektroautos (sparsam & leise auf der Kurzstrecke) mit dem Vorteil der Benzin-Reichweite.

Hyundai Ioniq

Der Hyundai Ioniq ist es geworden – und ich habe es nicht bereut!

Elektro-Auto gefunden – Wo kaufen?

Die Frage nach dem Autohaus ist da schon schwieriger zu beantworten. Damit ein Hyundai-Händler den Ioniq verkaufen darf, muss die Werkstatt entsprechend ausgestattet sein und eine Typ-2 Ladesäule vorhanden sein. Andere Hersteller verfahren hier ähnlich. Das schränkt die Auswahl schon deutlich ein. Zudem hatten wir bei so manchem Autohaus das Gefühl dass uns kein eAuto verkauft werden wollte: Nur zögerlich trudelten bei uns die Angebote ein. Nach langer Suche haben wir einen Hyundai-Händler in Leverkusen gefunden, der uns kompetent und freundlich zu einem Ioniq verholfen hat. Die Wartezeit betrug knapp 6 Monate was im Mittelfeld liegt. Zum Vergleich dauert die Bestellung eines rein-elektrischen Ioniq knappe 12 Monate so lange das Autohaus keinen auf Verdacht bestellt hat. VW nimmt zurzeit keine Plugin-Bestellungen mehr an, Teslas Model 3 ist noch in weiter Ferne und im Bereich der kompakten Limousinen dünnt sich die Auswahl dann schon wieder aus.

Hyundai Ioniq Ladeanschluss eAuto

Der Ladeanschluss meines Hyundai Ioniqs

Worauf sollte ich beim Kauf eines Eletkro-Autos achten?

Die Batteriekapazität ist momentan das Schlüsselelement bei der Auswahl: Wie groß muss der Akku sein, dass ich an meinem Ziel (auch im Winter wenn die Batterieleistung nach unten geht) ankomme? Im Moment hat da Opel mit seinem Ampera E und 60kwh nutzbarer Leistung die Nase vorn. Auf 100 Kilometer verbraucht unser Ioniq knapp 12-16 kwh, was pi mal Daumen zu einer Reichweite von 400 km führt. Teslas Edelstromer liefern auch knapp 60kwh. Hier müssen wir dann aber auch 20.000 Euro mehr auf den Tisch legen. Auch Hyundai will mit einem eAuto mit mehr als 60kwh nachlegen und liefert ab Herbst den Kona electric (einen kleinen SUV) aus, der ebenfalls an den 450km Reichweite kratzen wird. Zudem ist ein größerer Akku für den rein-elektrischen Ioniq ab 2019 angekündigt.

Hyundai Ioniq Cockpit

Ein Blick in das Cockpit des Hyundai Ioniqs.

Das zweite wichtige Element ist die Ladeleistung. Bei den Ladesteckern ist Typ-2 ist der Standard-Stecker (CCS erweitert dies zum Schnellladesystem mit mehr als 75kw Ladeleistung). Je nachdem ob die Ladesäule Gleich- oder Wechselstrom liefert (zu Hause an der Steckdose, an dem man auch eAutos laden kann, liegt Wechselstrom an), laden die Autos unterschiedlich schnell.

Unser Plugin hat nur eine kleine 13kwh Batterie die in 2h aufgeladen wird. Warum so langsam? Kleinere Akkus sollten langsamer geladen werden. Über Nacht oder nach einem Stadtbummel ist der Wagen jedoch wieder voll und kann komplett elektrisch gefahren werden. Der rein-elektrische Ioniq kann in einer halben Stunde 80% seiner 29 kwh Batterie laden und somit fast 200km fahren. Für eine Toilettenpause ist das kurz genug. Hier wird das Schnellladeprotokoll genutzt und das Fahrzeug lädt mit 75kw (falls die Ladesäule dies liefern kann). Auf das Laden werde ich in einem gesonderten Artikel eingehen.

Warum überhaupt eAuto fahren?!?

Es gibt mehrere Gründe, ein eAuto in Betracht zu ziehen, wenngleich es (noch) nicht für Jedermann taugt. Erster Grund: Es macht Spaß und es ist leise! Dadurch, dass das Drehmoment direkt da ist, zieht man selbst mit dem Kleinwagen Renault Zoe den schweren BMWs an der Ampel davon (zumindest auf den ersten 10 Metern ;) ). Das E-Auto ist günstig im Verbrauch (wir landen bei knapp 2,50 Euro für 100km bei 24ct/kwh) und man hat weniger Verschleißteile im Service, da man beim elektrischen Fahren die mechanischen Bremsen kaum fordert und der Motor kein Öl zum Schmieren benötigt (hinfällig bei Plugin-Hybriden, da diese ja auch einen Benziner dabei haben).

Vorteil bei einem Plugin, der mindestens 40 Kilometer rein elektrisch fahren kann: Man bekommt ein E-Kennzeichen zugeteilt (Stichwort Fahrverbote). Dagegen sprechen die Kosten in der Anschaffung, die Lieferzeiten (wobei der Ampera – E wohl besser lieferbar ist). Nach unserer Kalkulation haben wir nach dem ersten Jahr den Aufpreis zum normalen Ioniq Hybrid rausgefahren und nach 2,5 Jahren den Mehrpreis gegenüber einem vergleichbaren Benziner (oder Diesel). Das große Kapitel „Laden – Wie soll denn das gehen?“ bespreche ich im kommenden Erfahrungsbericht. Ich bin jetzt draußen: Leise durch den Wald cruisen ;)!

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Über den Autor

Benjamin Mewes

Benjamin Mewes

Technikbegeistert und programmieraffin seit den wilden Jugendtagen (QBasic, Delphi, R, Python, Fortran 77, Java). Heim-Automatisierung mit HomeKit und alles rund um macOS und iOS sind meine Steckenpferde!

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