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Wish: Der wohl schlimmste Shop aller Zeiten

Die Wish-App ist ein Panoptikum des China-Schrotts. Trotzdem wird dort gerne bestellt. Muss das wirklich sein?

Kürzlich empfahl mir Kollege Hofferbert im Rahmen eines bierseligen Zusammentreffens die Wish-App. Die, so meinte er, sei voll angesagt, zumindest in seinem Bekanntenkreis. Man könne dort saugünstig China-Kram shoppen und das wäre total super. Also lud ich die Wish-App und absolvierte den wirklich übergriffigen Registrierungsprozess. Denn bei Wish geht nichts ohne Registrierung. Und Infos. Und Benachrichtigungen. Und Nacktfotos des Nutzers. Und einen Fingerabdruckscan und eine… nein, eine Registrierung reicht. Die funktionierte auch schon beim dritten Versuch. Danach tauchte ich ins Panoptikum des China-Schrott-Schreckens.

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Hier gibt es alles, was niemand braucht

Egal ob Sexspielzeug, Feuerzeug oder Zombie-Gummimaske: Bei Wish gibt es alles, was niemand braucht. Und natürlich in der Kombination. Sexspiele mit Feuerzeug und Gummimaske? Check! Wish macht das kleine Fity-Shades-of-Grey-Erlebnis zuhause möglich! Das dort angebotene Zeug ist zu einem großen Teil sowas von ausgesprochen dämlich, dass ich mich frage, ob die Menschen, die den Kram kaufen, nicht vielleicht einfach zu viel Geld haben. Und ob man diese Leute nicht einfach entmündigen und das Geld der Allgemeinheit – genauer: Dem Gesundheitssystem – zuführen sollte. Ein kurzer Check meiner aktuellen Wish-Startseite zeigt mir reihenweise lasziv lachende asiatische Softpornoaspirantinnen in Unterwäsche, die mir unter anderem folgende Dinge verkaufen wollen:

Wer würde DAS nicht benutzen wollen? (Screenshot Wish-App)
Wer würde DAS nicht benutzen wollen? (Screenshot Wish-App)
  • Ein Kissen in Form einer Muschel.
  • Wiederverwendbare (sic!) transparente Noppel-Kondome.
  • Ein 18K-Goldkettchen für 92 Cent.
  • Eine hochgefährliche Stahlkugel-Flitsche.
  • Ein täuschend echt aussehendes Spielzeug-Maschinengewehr.
  • Eine Ctulu-Häkelmaske.
  • Ein Kissen in Form eines Brots.
  • Ein Handgranaten-Schlüsselanhänger
  • Diverse sehr gefährlich aussehende Geräte zur Penisvergrößerung und zur Unterleibsmassage.

Kurz: Fast alles, was hier angeboten wird, changiert zwischen lebensgefährlich, gemeingefährlich, gesundheitsgefährdend und einfach nur total blöde. Juckt es Euch schon in den Fingern? Ich meine, hey: Asiatische Softpornoaspirantinnen? Sturmgewehre? Handgranaten? Goldkettchen? BROT-KISSEN?! Wer will das nicht?! Das klingt doch nach dem ganz großen Glamour für ganz kleines Geld!

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Raubkopie einer Raubkopie einer Raubkopie

Ganz ehrlich: Selbst, wenn Ihr jetzt wie Fry denkt, solltet Ihr da nicht bestellen. Der Traum vom günstigen „Luxus“, jedes einzelne Wish-Angebot, schreit laut und deutlich „China-Rödel“. Und zwar von der ganz üblen Sorte: Dinge aus unspezifizierten Materialien, zusammengelötet als Raubkopie einer Raubkopie einer Raubkopie, modifiziert von Hinterhof-Ingenieuren, gegossen in brüchiges, weichmachergasendes Plastik und mit riesigen Containern einmal um die halbe Welt verschifft. Es sind Produkte, für die europäische Produktsicherheitsnormen exotisch sind wie für Euch das Angebot auf Wish. Es sind Produkte, die selbst einem Liberalen wie mir erhebliche Kritik am modernen Globalkapitalismus ins Hirn nageln.

Schon witzig, aber für 2,41 Euro sicher nicht ganz gesund. (Screenshot Wish-App)
Schon witzig, aber für 2,41 Euro sicher nicht ganz gesund. (Screenshot Wish-App)

Tartüfferie 2.0: Bio essen, Energie sparen, lokal kaufen und bei Wish bestellen

Was mich an Wish besonders fasziniert, ist die Tatsache, dass die App vor allem in großstädtischen Kreisen sehr beliebt zu sein scheint. Dort, wo Diesel bekämpft und viel Rad gefahren wird. Dort, wo jeder Baum heilig ist und für das Klima demonstriert wird. Dort wo man sich bio ernährt und lokal kauft. Genau an diesen Orten wird fleißig per Wish bestellt. Man setzt sich mit seinem Bio-Apfel vom Bauern nebenan auf die Couch, schmeißt seine Wish-App an und stöbert nach mehr oder weniger sinnlosem Plastikabfall. Der unter miesen Arbeitsbedingungen umweltschädlich produziert wurde. Der dann per Schweröl-Frachtschiff um die halbe Welt gekarrt wird. Der anschließend von diversen LKW und zuletzt einem unterbezahlten Lieferdienstmitarbeiter bis zur Wohnungstür gebracht wird. Nur damit der Hipster dann am Ende mit seinem Brot-Kissen einen Lacher von seinen Freunden kassiert. Spätestens beim nächsten Umzug wird das Zeug dann, wie alle Gag-Geschenke, weggeschmissen. So gehen aktiver Umweltschutz und soziale Verantwortung!

Da freut sich der Zollbeamte (Screenshot Wish-App)
Da freut sich der Zollbeamte (Screenshot Wish-App)

Gibt es auch sinnvolle Dinge bei Wish?

Aber wir wollen mal nicht so sein. Natürlich gibt es auch sinnvolle Dinge bei Wish: Diverse Werkzeuge sind hier zu haben, Kabel, Lampen, Geschirr, Socken, eben alles, was man so im Haushalt braucht. Einzig: Genau wie der Plastik-Unsinn kommt es aus dubiosen Quellen, niemand prüft unterwegs die Qualität. Es wäre kein Wunder, wenn das günstig erworbene Schraubenzieher-Set nicht nur die Schraube dull dreht, sondern auch gleich abbricht und jemandem das Augenlicht nimmt. Oder die preiswerte Mehrfachsteckdose nicht nur den Computer befeuert, sondern auch das Arbeitszimmer abbrennt.
Im besten Fall sind Wish-Produkte Schnäppchen, im schlechtesten Fall wirklich gefährlich – und am Ende kann niemand zur Rechenschaft gezogen werden, denn der Hersteller und Verkäufer sitzt irgendwo sicher am anderen Ende der Welt, geschützt von einem übergriffigen Unrechtsregime, das sich scheinbar die Unterjochung der Welt mit instabilen Einweg-Produkten zum Ziel gesetzt hat.

Frage: Welches Produkt wird hier für 4 Euro verkauft? (Screenshot Wish-App)
Frage: Welches Produkt wird hier für 4 Euro verkauft? (Screenshot Wish-App)

Wo die Geizgeilheit aufhört

Sind wir mal ehrlich: Niemand braucht dieses Zeug. Es ist ähnlich sinnlos, nein: Sinnloser als jedes Werbegeschenk. So wie all die Plastik-Kugelschreiber, die dreimal schreiben und danach nie wieder, dürften Wish-Produkte überdurchschnittlich oft und schnell in der Tonne landen. Sicher: Bei so manchem Kauf beim schwedischen Möbelriesen oder im 1-Euro-Shop dürfte das nicht anders sein, allerdings hat man hier doch eine deutlich höhere Impulskontrolle: Man kann den Ramsch in die Hand nehmen. Man muss zumindest eine Kreditkarte zücken, kurz: Man überlegt sich zweimal, ob man den künftigen Abfall jetzt haben will. Bei Wish ist das nicht so, da wird geklickt, bestellt – und dann erstmal gewartet. Denn da der Kram nicht selten aus Fernost kommt, ist er entsprechend lange unterwegs und bleibt dann schlimmstenfalls noch im Zoll hängen. Dann müsst Ihr an den Stadtrand fahren, etwas ausfüllen, das Paket vor den Augen des Zollbeamten öffnen und habt am Ende drei Stunden Lebenszeit verloren, um endlich Euer BROT-KISSEN im Arm zu halten. Das Ihr, sollte es Mängel haben, nicht einmal zurückschicken könnt.

Ist es das wert? Ich denke nicht… Also löscht die App und nutzt Eure Zeit und Euer Geld für sinnvollere Dinge!

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs. Neuerdings Girldad. Spendier‘ mir einen Kaffee.

6 Kommentare

  1. Sehe ich das richtig? Kern dieses Artikels ist ein mehr oder weniger (eigentlich weniger) wichtiges Gespräch zweier Redakteure, dass sie im Suff geführt haben (und es einem von Beiden auch noch offensichtlich peinlich ist) um dann in einem überflüssigen Appell mündet, der neben jeder Menge wohlfeiler Kapitalismuskritik, so tut, als wenn jeder Nutzer ein Depp ist und nicht selber entscheiden könne, was er bestellt oder eben nicht. Nicht ernsthaft, oder? Aber sich über Click Baits aufregen!

  2. Öhm… Ich „empfahl“ dir eine App, die ich noch nie auf irgendeinem meiner durchaus zahlreich vorhandenen Geräte installiert habe? Das glaube ich nicht, Herr Kollege ;-)

    Ich habe bei Wish bislang weder geappt noch bestellt – alleine schon ob des App- und Registrierungs-Zwangs ist das kein Shop für mich. Tue mich ja schon mit AliExpress und GearBest schwer, die (zumindest gefühlt) deutlich seriöser agieren…

      1. Joa, ich kenne einen Haufen Menschen, die da bestellen. Ich würde es trotzdem nicht tun. Großes Aber: Gerade für „Spaßartikel“ wie Nerdshirts, Fanartikel und anderen Kladderadatsch ist Wish völlig ok. Denn: Die verkaufen den gleichen Krempel wie Amazon und ebay für einen Bruchteil des Preises, weil es am Ende eh aus der gleichen Fabrik kommt. Runtergebrochen macht der Laden nicht viel anders als die westlichen Größen, außer, dass er scheinbar überhaupt nicht in irgendeiner Weise qualitativ filtert…

        Ich persönlich würde da dennoch nicht kaufen, aber eher aus konservativen Gründen (Garantien, Käuferschutz, transparente Lieferzeiten etc.)

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