Tastatur-Hotkeys und -Makros als Profile, die automatisch mit einem verknüpften Programm starten – das geht auch ohne teure Gaming-Hardware!

Von Treibern von Gaming-Tastaturen und -Mäusen kennt Ihr vielleicht die Funktion, Profile mit Programmen zu verknüpfen. So startet dann automatisch mit dem Program ein Profil, das zum Beispiel Hotkeys und Makros bestimmt. Das geht aber auch ohne 100-Euro-Gaming-Equipement! Und zwar mit einem altbekannten Open-Source-Programm:

Und das ist natürlich AutoHotkey. AutoHotkey ist eine supereinfache Skriptsprache zur Automatisierung von Windows. Eine Einleitung für absolute Neueinsteiger haben wir hier und einen ganzen Sack voller Artikel und Ideen rund um AutoHotkey hier.

In diesem Artikel geht es aber um Folgendes: Angenommen, Ihr startet Euer Lieblingsspiel, beispielsweise ein Action RPG wie das absolut großartige Torchlight. Dann braucht Ihr ständig die Tasten 1 und 2 für Leben und Mana. Warum nicht Leben und Mana auf die beiden Daumentasten der Maus legen? Und vielleicht noch die Waffenwechseltaste auf den Mausrad-Klick? Dann könnt Ihr Euch die Tastatur tendenziell komplett sparen und die Hand wichtigere Dinger erledigen lassen, zum Beispiel ein Bier zum Mund führen.

autohotkey mausbelegung einstiegsbild

Die Standardtastenkürzel für Mana, Leben und Waffenwechsel werden auf Maus-Buttons verteilt – mehr Hand für Bier ;)

Oder Ihr startet eine Bildverarbeitung wie Gimp oder Photoshop: Ständig gibt es dieselben Workflows, beispielsweise die Zwischenablage einfügen und Ebene verankern, um mal ein ganz simples Beispiel zu nehmen. Warum nicht das ganze Prozedere als Makro auf Strg+Win+V legen?

Natürlich ließen sich derlei Dinge auch in vielen Programmen selbst vornehmen, aber zum einen nicht in allen und zum anderen habt Ihr so alles schön an einem Platz, in einer simplen Textdatei – es ist also portabel. Und natürlich ist das alles vollautomatisch, sprich die Profile starten, sobald das Programm startet, ganz so wie Ihr es vielleicht von Treibern kennt.

Profile anlegen

Wie genau Ihr mit AutoHotkey arbeitet, könnt Ihr in unserem Tutorial nachlesen. Im Grunde braucht Ihr nur zwei Dinge: Einerseits müsst Ihr wissen, wie Ihr Makros und Kürzel anlegt und zum anderen, wie Ihr die Verknüpfung mit Gimp, Torchlight oder sonst einem Programm, genauer gesagt einer EXE-Datei vornehmt. Und so könnte das zum Beispiel aussehen:

; Meine Torchlight-Kürzel 
#ifWinActive, ahk_exe Torchlight2.exe
{
XButton1::1
XButton2::2
MButton::w
}
#if 

Das ganze „Geheimnis“ liegt im Grunde in der Abfrage ifWinActive: Wenn das folgend definierte Fenster aktiv, sprich im Vordergrund ist, wird der folgende Code bis zum #if ausgeführt – wenn nicht, dann nicht. Es gibt mehrere Möglichkeiten so ein Fenster zu definieren. AutoHotkey liefert auch gleich das passende Tool mit: Den Window Spy startet Ihr aus dem AutoHotkey-Ordner (AU3_Spy.exe) oder aus dem Kontextmenü des Tray-Icons eines beliebigen, laufenden Skripts. Startet das Tool, klickt auf das gewünschte Fenster (Vollbildspiele einfach minimieren) und schon seht Ihr ganz oben diverse Angaben zum Fenster, unter anderem eben auch den Eintrag ahk_exe, der die verknüpfte EXE-Datei benennt. Kopiert einfach diese Zeile.

Tipp: Wie genau die einzelnen Buttons und Modifier (Strg, Win, Alt etc.) heißen, könnt Ihr in der AutoHotkey-Referenz nachschlagen oder über die Tasten-History erfahren – wie genau, seht Ihr hier.

autohotkey automatisierung einführung tutorial

Unerlässlich: Der Window Spy zeigt Fensterinformationen.

Anschließend werden hier die beiden Daumentasten (XButton1 und XButton2) mit 1 und 2 für Leben und Mana belegt und der Mausrad-Button mit der Waffenwechseltaste w. Und das war’s auch schon.

; Meine Gimp-Kürzel
#ifWinActive, ahk_exe gimp-2.10.exe
{
^#v::
SendInput ^v 
SendInput ^h
return
}
#if

Einziger Unterschied zu oben: Hier werden über das definierte Kürzel, Strg+Win+V, gleich zwei Anweisungen nacheinander ausgeführt. Erst wird mit Strg+V eingefügt, dann mit Strg+H verankert.

Mit diesen beiden Varianten könnt Ihr also Hotkeys (neu) mappen, Makros anlegen und Programme verknüpfen – unanbhängig von Treibern oder großartigen Systemeinstellungen. Auf anderen Rechnern muss nichtmal AutoHotkey installiert sein – Ihr könnt die Skripte einfach zu EXE-Dateien konvertieren. Wie, seht Ihr im AutoHotkey-Tutorial fast ganz unten.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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