aptX Adaptive: eppfun Cute Meet 300 + USB-Transmitter

Vor einiger Zeit hieß es hier: Finger weg von Adaptive - und heute?

Der aptX-Adaptive-Standard ist eigentlich vielversprechend: Fast so geringe Latenzen wie aptX LL und fast so gute Qualität wie aptX HD – also geeignet für Musik und Gaming/Videos gleichermaßen. Im November 2021 haben wir hier davon abgeraten. Nicht wegen des Standards, sondern weil es zwar einige Kopfhörer, aber keine Transmitter oder Receiver gab.

eppfun und Adaptive

Noch immer ist die Auswahl an aptX-Adaptive-Geräten relativ gering, obwohl es den Standard nun schon seit rund 5 Jahren gibt. Das Blöde bei Bluetooth: Die Latenz ist ziemlich groß, sprich Spiele und Videos sind nicht synchron zum Bild. aptX LL (Low Latency) behebt das Problem, kommt aber nicht auf die Sound-Qualität von aptX HD oder auch nur aptX pur. Und Adaptive soll nun der Standard der Zukunft sein, mit Fast-LL-Latenz und Fast-HD-Qualität. Außerdem ist Adaptive abwärtskompatibel, fällt also im Zweifel auf aptX zurück.

Schaut man sich bei Amazon um, findet man mittlerweile endlich auch Adaptive-Sender und -Empfänger – und zwar vor allem (eigentlich fast ausnahmslos) von eppfun. Hier im Test: Die Half-in-Ear-Kopfhörer Cute Meet 300 und ein namenloser USB-Transmitter. Es gibt von eppfun aber auch Transmitter-/Receiver-Kombis, schaut einfach im eppfun-Amazon-Shop vorbei.

Und, gut?

Mal wieder: Jein. Zunächst mal das Gute: Im gemeinsamen Betrieb am Rechner liefern die beiden eppfun-Geräte eine genügend geringe Latenz, um sie auch tatsächlich für Videos nutzen zu können. Schon krass, dass man sich über so etwas ernsthaft freuen muss, oder? Auch gut: Die Dinger haben das vielleicht schickste Ladeböxchen überhaupt, ein echter Handschmeichler, ziemlich schwer und aus fettfingeranfälligem Material. Noch besser (aber vielleicht nur für mich): Die Half-in-Ears sitzen perfekt! Allerdings gibt es keinerlei Adapter. Ebenso wenig wie einen Schutz vor Schmutz – man wird sie sporadisch reinigen müssen.

Interessant: Im Finger-weg-von-Adaptive-Artikel wurde mit SoundPeats-Air-3-Kopfhörern getestet, ebenfalls rund 40 Euro teuer. Diese ließen sich an einer Garmin Fenix nicht betreiben, weil ein Stöpsel stumm blieb. Die eppfun-Konkurrenz hingegen funktioniert einwandfrei!

(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)

Das Schlechte des Transmitters: Es gibt keinerlei Steuerung, man kann das Ding nur einstecken und hoffen – keine Statusmeldung unter Windows, kein Triggern des Pairings, nichts. Wenn etwas nicht funktioniert, kann man das Ding nur herausziehen und wieder einstecken. Bei anderen USB-Transmittern ist ein Zusammenspiel mit einem Treiber samt Steuerung üblich.

Und nun zum Schlechten der Kopfhörer: Der Klang ist äußerst mittelmäßig. Ich bin kein Freund der üblichen Bass-über-alles-Konfiguration, aber die Cute Meet 300 sind einfach zu schwach auf der Brust. Ohne Equalizer kann man sie eigentlich vergessen, mit Equalizer kommen zwar mehr Tiefen, aber die Dinger können damit einfach nicht umgehen, ganz fix fängt es an zu scheppern und völlig falsche Geräusche zu produzieren. Für Hörbücher, Podcasts, Nachrichten und so weiter ist der Klang jedoch völlig in Ordnung.

eppfun-ladebox.
Die Ladebox ist ein echter Handschmeichler, immerhin

Die Bedienung ist auch nicht der Brüller: Die Touch-Steuerung ist äußerst träge, die Lautstärkeregelung unpräzise – aber das ist bei True-Wireless-Kopfhörern häufig der Fall, kein Grund zum Heulen. Ärgerlich ist aber der Umgang mit Standards: Laut eppfun beherrschen die Kopfhörer auch aptX HD. Allerdings verbinden sie sich mit dem recht ordentlichen bei uns vorgestellten MyCarbon-Transmitter und auch mit dem Google Pixel 6 lediglich mit aptX.

Fazit

eppfun ist wieder mal so eine Fernostfirma, die aus dem Nichts kommt und von der man nichts weiß – selbst die Homepage zeigt nur ein einziges Produkt, obwohl es ganz viele gibt. Infos zum Unternehmen? Nope. Ein Impressum? Nada. Vermutlich wird eppfun irgendwann genauso plötzlich wieder verschwinden.

Der LL-Transmitter funktioniert zwar, ist dank fehlender Bedinung und fehlender Infos im System aber keine Empfehlung. Die Kopfhörer halten sich nicht an die versprochenen Standards, sind im Bassbereich unfassbar schlecht und nerven mit träger, unpräziser Bedienung.

Insofern bleibt es leider immer noch dabei: Keine Empfehlung für aptX Adaptive – denn scheinbar stürzt sich nur eppfun auf diesen Standard und deren Produkte überzeugen bislang so gar nicht. Schade.

Allenfalls wenn Ihr gerne eine aptX-Adaptive-Lösung mit Fokus auf Sprachausgabe aufsetzen wollt, und bestenfalls noch einen Faible für Handschmeichlerladeboxen habt …, könntet Ihr gegebenenfalls zufrieden sein. Und dann dürft Ihr gerne über den folgenden Link shoppen gehen, Provision nehmen wir auch mit, wenn wir die Produkte nicht mögen ;) Übrigens: Auch wenn Ihr über den Link zu Amazon geht und dann etwa Socken kauft, profitieren wir ebenso davon – insofern: Danke vorab!

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help und VoltAmpereWatt.de. Neu: Mastodon

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ein Kommentar

  1. Hallo, vielen Dank für Deinen Artikel. Auf die Marke eppfun bin ich im Januar gestoßen und habe mir auf Amazon den eppfun AK3046D Bluetooth 5.2 Qualcomm QCC3040 APTX-Adaptive HD Transmitter gekauft. ( leider im Moment nicht mehr verfügbar). Aptx Adaptive und der optische Eingang waren wichtig für mich und Gerät funktioniert soweit am TV und ATV2 hervorragend.
    Der Klang überzeugt und die Verbindung zum Kopfhörer wird schnell auf gebaut.

    Zum Musik hören über Aptx Adaptive empfehle ich aber den Sennheiser BTD 600 Bluetooth-Adapter . Der Klang ist super und kann mit USB-A und C verwendet werden. Die Steuerung der Kopfhörer ist weiterhin möglich!
    Außerdem ist es auch am Mac möglich Firmwareaktualisierungen durchzuführen!
    Leider funktioniert das Gerät ohne Stromversorgung am iPhone nicht, am iPad Pro und MacBook gibt es da keine Probleme!

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"

Adblocker entdeckt!

Der Tutonaut wird durch Werbeeinblendungen finanziert. Nur dadurch können wir (und viele andere) Dir den Content kostenlos und ohne Abo zur Verfügung stellen. Bitte deaktiviere Deinen Adblocker und lade die Seite neu, wenn Du unsere Artikel lesen möchtest. Vielen Dank.