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Dauertest: Wie lange hält eigentlich ein iPad Pro?

Das iPad Pro ist der Toyota Hilux unter den Tablets.

Bald wird mein iPad Pro 4 Jahre alt. Es handelt sich um das 2017er-Modell, das kleine iPad Pro 10,5 Zoll mit 256 Gigabyte Speicher und LTE-Mobilfunkmodul. Vier Jahre für einen Rechner, noch dazu für ein Mobildevice, das enger mit dem Smartphone verwandt ist als mit regulären Computern? Taugt das überhaupt noch? Ich muss sagen: Ja – und dank iOS 14 und dem kommenden iOS 15 vermutlich mehr denn je! Diesen Beitrag produziere ich gerade auf eben diesem Gerät.

Altes iPad Pro: Was kann es noch?

Ein vier Jahre altes iPad Pro – kann man das überhaupt noch benutzen? Es besitzt den A10x-Prozessor von Apple mit 4 Gigabyte RAM, was jetzt nicht wirklich viel weniger ist als bei aktuellen iPad-Pro-Modellen. Die Bildschirmhelligkeit ist mit 600 Nits identisch mit dem 2021er-iPad Pro 11“ und sogar besser als beim aktuellen iPad Air. Und die Auflösung des Monitors ist mit 264 ppi auch nicht schlechter als bei aktuellen Modellen. Nur die Bildschirmgröße ist ein halbes Zoll kleiner, ansonsten merkt man weder die geringere Leistung, noch das Alter. Störend ist natürlich die Lightning-Buchse, die ich aber neben dem Aufladen ohnehin nur gelegentlich für SD-Karten verwende. Alles andere geht per Bluetooth, WLAN, Cloud und AirDrop.

iPad Pro 2017: Nach vier Jahren immer noch kein bisschen langsam. (Foto: Tutonaut)
iPad Pro 2017: Nach vier Jahren immer noch kein bisschen langsam. (Foto: Tutonaut)

Warum ich beim alten iPad bleibe? Es gibt keinen Grund zu wechseln!

Am Ende bleibt ein gegenüber dem aktuellen Nachfolger, immerhin drei Generationen später, nicht viel, was einen Neukauf lohnen würde: Der Prozessor ist etwas schwächer, es gibt etwas weniger RAM und der Bildschirm ist etwas kleiner. Kein wirklicher Grund, wieder deutlich über 850 Euro für ein neues iPad Pro auszugeben; zumal ich dann auch mein ganzes Zubehör ersetzen müsste, etwa das Smart Keyboard Folio oder den Pencil sowie diverse Hüllen, womit ich deutlich über 1200 Euro ausgeben müsste, um am Ende des Tages einen minimal größeren Bildschirm zu haben.

iPad Pro: Enorme Lebensdauer!

Bemerkenswert ist hingegen das Qualitätsniveau des iPad Pro 2017. Nicht nur, dass es im Lauf der Zeit durch die iOS/iPadOS-Updates immer besser wurde: Es macht auch keine Anstalten, irgendwie langsam zu wirken oder Auflösungeserscheinungen zu zeigen. Dabei habe ich es seit der Anschaffung jeden Tag benutzt: Im Regen beim Camping ebenso wie bei tropischer Hitze in Thailand. Ich ließ es auch nicht selten in der Sonne liegen oder habe es benutzt, bis es sich selbst vor Hitze abschaltete.

Der Toyota Hilux unter den Tablets

Ich habe es durch die Gegend geworfen, in die Tasche geschmissen, herumgerüttelt und in der Badewanne Bücher damit gelesen. Ich habe es, wenn auch unfreiwillig, meiner Baby-Tochter zum Spielen gegeben. Es ist runtergefallen, und nass ist es auch mehr als einmal geworden, wenn auch nicht untergetaucht. Und was ist? Das iPad Pro funktioniert einfach, so wie der legendäre Toyota Hilux, den Jeremy Clarkson bei Top Gear zerstören wollte:

Ein bisschen Schwund ist immer

Im Lauf der Zeit gibt es natürlich ein bisschen Schwund. Das Tablet ist zwar erstaunlich wenig zerkratzt, auch weil ich es immer in der Hülle und/oder mit Smart Keyboard benutzt habe. Allerdings hat das Display ein paar leichte weiße Flecken, die sich aber nur auf weißen Flächen zeigen. Die sind ein Problem der Baureihe und stammen vermutlich vom sich langsam auflösenden Akku. Der hat nach der ganzen Zeit noch erstaunliche 80 Prozent der Originalkapazität, was auch daran liegen dürfte, dass ich inzwischen wieder hauptsächlich das Original-Netzteil verwende.

Coconut Battery am Mac verrät: Noch über 80% Kapazität des Akkus!
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Ohne iPad geht‘s nicht mehr

Da ich das iPad täglich meist mehrere Stunden nutze, ist diese Akkulebensdauer erstaunlich. Um so mehr, da ich das Gerät jeden Abend zum Lesen von eBooks hernehme. Mein gesamtes „Abendprogramm“ im Internet findet seit Jahren auf dem iPad statt, sei es um zu lesen, zu schreiben oder ein Spiel zu spielen. Außerdem hatte ich es nicht selten als einzigen Rechner im Urlaub dabei, was auch gut ging.

Die Mausunterstützung kam zur rechten Zeit, und seitdem macht auch das Schreiben mit dem Gerät Spaß. Das teure Magic Keyboard brauche ich nicht, Smart Keyboard und eine 20-Euro-Maus von Logitech reichen mir vollkommen, und zwar dank iOS 14 inzwischen auch für produktives Arbeiten. Kurzum: Ohne iPad würde mir etwas fehlen, und durch die iPadOS-Updates kommen immer mehr Funktionen, die den zusätzlichen Laptop im Grunde überflüssig machen.

Aktueller Status Quo

Am Ende des Tages bleiben nach vier Jahren Nutzungszeit nur drei Kritikpunkte: Der Akku muss bald mal neu, was bei Apple rund 120 Euro kostet. Die weißen Flecken auf dem Display sind, frei nach Frau Dr. Merkel „jetzt halt da“, auch wenn sie nicht stören. Das gleiche trifft auf die kleinen Kratzer am Rand des Gehäuses zu, die sich mit der Zeit bilden, wenn Dreck zwischen iPad und Hülle kommt, oder durch häufigen Wechsel derselben wie bei mir. Denn ohne Hülle geht es beim iPad leider gar nicht.

Praktisches Arbeits-Setup. Dem Smart-Keyboard sieht man sein Alter aber inzwischen an. (Foto: Tutonaut)
Praktisches Arbeits-Setup. Dem Smart-Keyboard sieht man sein Alter aber inzwischen an. (Foto: Tutonaut)

Im Produktiveinsatz immer noch problematisch

Und dann ist da, inzwischen kein wirklicher Kritikpunkt mehr, eben iPadOS. Das ist in den letzten Jahren seit der Abspaltung von iOS um Längen besser geworden. Damit kann das iPad Pro trotz seines Alters heute mehr, als mit dem ursprünglich ausgelieferten iOS 10! Damit ist das iPad Pro inzwischen tatsächlich endlich zu Produktiveinsatz zu gebrauchen. Alles andere liegt an mir: Das iPad-Betriebssystem ist mir nach wie vor zu eingeschränkt – auch wenn viele der Kritikpunkte weggefallen sind.

Fazit: iPads reifen nach

Dennoch: Anders als viele andere technische Geräte „reifen“ iPads tatsächlich mit der Zeit. Die Hardware ist ohne Tadel und Apples Strategie, das Tablet so lange zu unterstützen – es wird nach iPadOS 15 voraussichtlich auch noch iPadOS 16 bekommen, da bin ich mir sicher – ist ausgesprochen lobenswert. Konkurrenzprodukte sind nach so einer langen Zeit gerne schon obsolet, ohne wirklich defekt zu sein. Insgesamt kann man also damit rechnen, dass man an einem aktuellen iPad Pro ähnlich lange – also sehr lange –Freude haben wird, wie ich mit meinem iPad Pro 10,5″, das für die täglichen Anforderungen nach wie vor bestens ausreicht.

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Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs. Neuerdings Tochtervater. Spendier‘ mir einen Kaffee.

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