Dokumentablage ist keine Kunst. Für eine effiziente Archivierung Eurer Papierdokumente ist aber ein Scanner ein unverzichtbares Hilfsmittel, denn das Smartphone ist eher unkomfortabel. Allerdings sind Scanner mit automatischer Dokumentzufuhr oft teuer und sperrig und nicht jeder will so ein Gerät herumfliegen haben. Auftritt Jourist DS130: Ein faltbarer Dokumentscanner, der die Vorteile von Smartphone und "echtem" Scanner kombiniert.
Ein kompakter Scanner mit Kamera
Der nur 109 Euro teure Jourist ScanFellow DS130 – so sein voller Name – aus dem Jourist-Verlag verspricht, die Dokumentablage deutlich zu erleichtern. Das Gerät kommt als kompaktes Paket mit 35,3x6,6x4,6 Zentimetern Größe und lässt sich mit drei Handgriffen in kürzester Zeit aufbauen. Heraus kommt eine Dokumentablage mit einem stabilen Aluminium-Arm, der eine Webcam samt LED-Beleuchtung beinhaltet. Der Arm wirkt sehr solide. Die Unterlage, die gleichzeitig auch als Standfuß, Aufbewahrungsbox und Dokumentunterlage dient, erinnert an iPad-Hüllen.

Betrieben wird der DS130 per USB-C direkt am PC, Mac, Tablet oder Smartphone, worüber er praktischerweise auch gleich seinen Strom erhält. Mit in der Packung ist ein hochwertiges USB-C-auf-USB-A-Kabel und ein USB-C-Adapter, womit sich der Scanner sowohl am USB-A, als auch am USB-C-Port betreiben lässt. Und das war es im Grunde auch schon an Hardware. Mit dieser Konfiguration will der Scanner das Scannen deutlich erleichtern.
Die App macht den Unterschied
Vom Prinzip her vergleichbare Geräte gibt es bei Amazon und Co. wie Sand am Meer, wenn auch nicht immer mit so guter Hardware-Qualität. Den Unterschied beim Jourist ScanFellow DS130 macht die Software, die sowohl für Windows, als auch für macOS, ChromeOS sowie Apple- und Android-Mobilgeräte erhältlich ist.

Jourist verspricht, dass ein Scan nur eine Sekunde dauert, inklusive Texterkennung und automatischer Ablage als durchsuchbares PDF oder PDF/A, als Word-Datei oder als PNG/JPG. Und das an einem beliebigen Ziel, lokal oder in der Cloud. Für letzteres müssen entsprechende Cloud-Dienste – die Jourist-App unterstützt OneDrive, Google Drive, Dropbox und auf macOS/iOS auch iCloud – natürlich auf dem System installiert sein. Wobei sich die lokale Speicherfunktion natürlich auch mit jedem anderen Cloud-Service oder mit Netzwerk-Freigaben nutzen lässt.

Der Jourist ScanFellow DS130 in der Praxis
In der Praxis ist die Installation ein Kinderspiel: Die App erkennt den angeschlossenen Scanner sofort, anschließend kann es auch schon los gehen: Die Webcam kann per Software auf drei Auflösungsstufen eingestellt werden: 4160x3120 Pixel (325 DPI), 3264x2448 Pixel (255 DPI) und 2592x1944 Pixel (203 DPI). Das sind keine "Standardauflösungen", wie man sie von Scannern kennt. Allerdings spielt das in der Praxis eher eine untergeordnete Rolle.
Dank der Auto-Scan-Funktion geht der Scan auch im Handumdrehen: Dokument unterlegen, die Software zählt einen kurzen Countdown herunter, scannt, begradigt und erkennt den Text. Für die optimale Beleuchtung kann die verbaute LED-Lampe per Touch-Panel am Scanner in drei Helligkeitsstufen aktiviert werden. Eine Steuerung der Beleuchtung per Software ist aber nicht möglich.

Die Scans werden zunächst als PNG-Dateien im gewünschten Speicherordner abgelegt. Die Texterkennung ist hervorragend, die Scanqualität entspricht der einer älteren Smartphone-Kamera, was bei guter Beleuchtung dank der eingebauten Lampe aber völlig ausreicht. Alternativ können Nutzer die untergelegten Dokumente auch mit Klick auf die Auslösetaste scannen.
Im Test zeigt sich der Auto-Scan aber als das praktischste Feature, um große Dokument-Stapel oder Vorder- und Rückseiten abzuscannen: Unterlegen, Foto machen, umdrehen, Foto machen, nächstes Dokument. Das macht tatsächlich Spaß und funktioniert sehr gut. Die Fotos können anschließend als Stapel im gewünschten Format – etwa PDF – exportiert und final abgelegt werden.
Mit dem Jourist ScanFellow DS130 lassen sich also ohne Weiteres große Dokumentstapel digitalisieren. Zudem erkennt er bis zu 5 "Kassenbons" gleichzeitig. Und: Bei Bedarf können Bereiche geschwärtz werden. Ziel erfüllt, und zwar auf eine gute, effiziente Weise.

Es gibt leider einige Kritikpunkte
Allerdings sollte der Hersteller die Scan-Software dringend nachschärfen: Die automatische Begradigung und Beschneidung kommt in unserem Test (2025.015) sofort aus dem Tritt, wenn das Dokument geknickt ist, gefaltet war oder anderweitig kuriose Formate hat. Das ist zwar kein K.O.-Kriterium, aber ärgerlich, wenn man es gerne ordentlich hat. Leider gibt es auch keine Funktion, Dokumente nach dem Scan händisch zu entzerren.
Je nach Art der untergelegten Quittungen kann es auch vorkommen, dass nicht alle untergelegten Quittungen erkannt werden. Und: Lange Kassenzettel wie etwa Tankquittungen lassen sich ebenfalls nicht scannen, weil diese das Din-A4-Format sprengen.

Auch die Schwärzungsfunktion ist eher eine Spielerei: Die Schwärzung kann aufgezogen werden, aber hat keinerlei Verbindung zum Text im Dokument. Auch das sieht dadurch nicht besonders ordentlich aus.
Das zweistufige Verfahren: Clever oder nervig?
Auf den ersten Blick nervtötend, auf den zweiten aber clever ist hingegen die Vorgehensweise, Dokumente zunächst als PNG abzuspeichern und erst anschließend manuell als PDF ablegen zu können: Was wie eine Hürde wirkt, hat den Vorteil, dass Nutzer nicht direkt jedes untergelegte Dokument in den gewünschten Zielordner werfen. Das sorgt dafür, dass die finale Dokumentablage nicht in Chaos ausartet. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn es zumindest die Option gäbe, Dokumente direkt im finalen Ordner als PDF abzulegen.
Übrigens: Der ScanFellow DS130 wird von Computern als Kamera erkannt, nicht als Scanner. Dadurch kann er nicht mit "Drittanbieter-Scansoftware verwendet werden. Stattdessen geht aber jede Drittanbieter-Kamera-Software. Und weil das Gerät "nur" als Webcam erkannt wird, kann die Software jederzeit ersetzt werden, falls der Hersteller sie nicht mehr pflegen sollte.
Fazit: Praktisch für schnelle Dokumentablage
Wer einfach nur ab und zu schnell einen großen Berg Dokumente digitalisieren will, kann sich auf den Jourist ScanFellow DS130 verlassen: Das Gerät ist genau dafür gedacht – und die Dokumente lassen sich tatsächlich in wirklich rasender Geschwindigkeit einscannen. Die Hardware macht einen sehr guten Eindruck und lässt sich bequem verstauen. Damit ist das Gerät grundsätzlich empfehlenswert.
Allerdings sollte der Hersteller die Software verbessern: Es ist nicht mehr zeitgemäß, das Auto-Begradigen so schlecht funktioniert; das kann jede Smartphone-Scanner-App besser. Auch die Workflows könnten optimiert werden.







