Ein mobiler Winamp-Player wäre früher der Hammer gewesen. Aber mit alter Hardware und freier Firmware lässt sich der iPod-Killer basteln

Na guuuut, das Teil wiegt soviel wie zwei Smartphones, und ist auch genauso dick, hat nur 20 GB Speicherplatz, ist uralt und überhaupt. Aaaaaber: Spielt alle Formate, sogar Videos. Bringt ein Dutzend Spiele mit, zum Beispiel Bubbles. Bietet perfekte Navigation für größere Dateimengen. Hat ein ordentliches Mikro, zwei USB-Anschlüsse (Device/Host), drei Klinkenbuchsen (In/Out/Kopfhörer) und ist sooo schick: Das klassische Winamp-Design – für Nostalgiker.

Nun gut, offensichtlich handelt es sich um einen alten iRiver H320, den ich von Kollege Rentrop abstauben konnte – trotz des geliebten kleinen „i“s im Namen, wurde ihm wohl einfach keine Würdigung mehr zu Teil. Mit der Original-Firmware ist das aber auch langweilig – die freie Firmware RockBox macht aus der alten (aber guten) Hardware einen schönen Player für’s heimische Sofa oder zum Anschließen an die Stereo-Anlage, so diese denn noch kein MP3, WLAN oder ähnliches beherrscht, soll’s geben. Die RockBox-Firmware spendiert dem iRiver jedenfalls etliche neue Funktionen, insbesondere Navigation und Umgang mit Playlisten beherrscht RockBox seit jeher hervorragend. Mein Standard-Unterwegs-Player ist ein SansaClip, ebenfalls mit RockBox – und andernfalls auch kaum nutzbar. Dass Ihr damit auch Doom (!) spielen könnt, fällt mehr in die Kategorie „Och guck mal wie niedlich“, aber ein paar Puzzle zwischendurch sind schon ganz nett. Und eine Schachuhr gibt es auch.

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iRiver h320 mit RockBox und BoxAmp-Theme.

Wirklich schön wird es mit Themes: Der RockBox-Installer übernimmt das komplette Firmware-Update und über einen kleinen Browser könnt Ihr auch Dutzende Themes mitinstallieren – und da gibt es eben auch BoxAmp im klassischen Winamp-Outfit. Oft kopiert, nie erreicht. Und wer noch mehr Retro will: Retro Tape verwandelt das Display in einen Kassettenrecorder ganz, ganz alter Schule. Eine ernsthafte Anwedung? Ein paar, vielleicht: Dank Line-In und Mikrofon als Aufnahmegerät, dank Line-Out als passables Upgrade für traditionelle Stereoanlagen und natürlich als Hingucker für Technik-Freunde aller Art – Doom auf 2 cm, das macht Eindruck. Abgesehen davon kann ich nur jedem, der einen von RockBox unterstützten Player in Gebrauch hat, raten, die Hersteller- durch die freie Firmware zu ersetzen – zumindest bei iRiver und SansaClip ist sie um Längen besser. Neben den Spielereien gibt es nämlich auch so nette Features wie FLAC-Support!

rockbox

iRiver h320 mit RockBox und Retro-Tape-Theme.

P.S.: Während der Installation fragt der Installer nach der Original-Firmware des h320 – die findet Ihr hier bei iRiver.

P.P.S.: Ganz vergessen – die Kassette im Theme ist natürlich animiert. Und: Es gibt auf der RockBox-Homepage Simulatoren für jedes unterstützte Gerät, so könnt Ihr erstmal probieren, bevor Ihr RockBox aufspielt. Und noch ein Und: Ihr könnt RockBox später natürlich wieder deinstallieren!

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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