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Medienkompetenz vs. Bildbearbeitung: News-Screenshots faken

Screenshots von Artikel-Teasern stehen bei Twitter & Co. hoch im Kurs - sind allerdings extrem einfach zu fälschen.

Die Macht der Bilder – damit ist jeder Journalist vertraut, jeder Politiker, jeder PR-Mensch. Dass Bilder gefälscht werden, dürfte jedem bekannt sein, vielleicht auch, dass das gar nicht trivial ist. Dank Social Media gibt es aber eine besonders perfide Abart von Bild-Macht: Screenshots von Artikeln, oft nur mit Bild, Titel und Einleitung – und ab geht die wilde Hatz … Das Schlimme daran: Das ist trivial – zu machen, aber auch, nicht darauf hereinzufallen.

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Nicht machen! Medienkompetenz!

Erstens, keine Anleitung: Versteht das bitte nicht als Anleitung Dinge zu fälschen. Das ist nicht nur mies, sondern würde Euch auch rechtlich in die Bredoullie bringen. Und mal vorab an die üblichen Wie-kann-man-nur-zeigen-wie-das-geht-Mimosen: Es ist trivial und wer die Energie aufbringt, politischen Einfluss über gefakte Social-Media-Posts auszuüben, ließe sich von diesem Rätsel keine fünf Minuten aufhalten.

Zweitens, Hintergrundwissen: Normale Leser hingegen müssen keine Energie aufbringen – sie können sich vom Mediensturm berieseln lassen. Und wer keinen technischen Hintergrund hat weiß eher nicht, wie simpel so ein Fake ist – und nimmt es daher vielleicht als echt wahr. Und genau darum geht es hier: Mit ein wenig Medienkompetenz fallt Ihr nicht so schnell auf Fakes rein.

Drittens, recherchieren: Generell solltet Ihr in den sozialen Medien (oder sonstwo …) wiedergegebenen Aussagen kritisch gegenüberstehen. Soll heißen: Glaubt nicht einfach dem Screenshot, glaubt nicht irgendwelchen Zitaten oder Behauptungen, der und der hätte das und das gesagt – eine winzig kleine Google-Suche hilft normalerweise binnen Sekunden weiter. Bei echten Fakes werdet Ihr schnell sehen, dass etwas gar nicht stattgefunden hat. Bei Quasi-Fakes, also zum Beispiel Zitaten, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden, werdet Ihr genauso fix das nötige Hintergrundwissen finden.

Viertens: darum DER SPIEGEL: Es funktioniert überall und mit jedem Medium – der gute alte Spiegel musste jetzt nur herhalten, weil SPON Branchenprimus im seriösen Bereich ist (Bild hat mehr Besucher – aber wie soll man ein Fake erstellen, das schlimmer ist als echte Bild-„Artikel“ … ). Und so ein Pseudo-Spiegel-Artikel-Screenshot dürfte bei Twitter, Facebook, Telegram & Co. durchaus seine Wirkung haben. Nun, vielleicht nicht gerade mit unserer El-Tuto-Meldung.

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Fünftens, bittebitte: Bitte informiert Euch nicht über die sozialen Medien und nicht über das Titel-Bild-Teaser-Trio. Twitter und Facebook sind nette Linkschleudern, die Euch auf Artikel aufmerksam machen können. Aber sie sind kein Ersatz für richtige Artikel auf richtigen Nachrichtenseiten von richtigen Journalisten. Und für eine wissenschaftliche Weiterbildung taugen sie schon mal gar nicht.

Webseiten manipulieren

Ihr braucht nicht mal bestimmte Werkzeuge – der Browser genügt schon. Wenn Ihr zum Beispiel in Chrome unterwegs seid, drückt doch mal F12. Das ruft die Entwicklerwerkzeuge auf. Oder markiert ein Stück Text der Webseite, macht einen Rechtsklick mit der Maus und wählt aus dem Kontextmenü den Punkt Inspect/Untersuchen. Auch dann werden die Entwicklerwerkzeuge aufgerufen, allerdings mit Fokus auf dem markierten Text.

chrome screenshot f12
Zum Quelltext eines Elements kommt Ihr über das Kontextmenü.

In der Seitenleiste seht Ihr dann den Quelltext der Webseite, samt Texten, Bildquellen und so weiter. Und diesen Quelltext könnt Ihr direkt im Browser bearbeiten. Wenn Ihr mit der Maus über den Quelltext fahrt, wird der zugehörige Part der Webseite hervorgehoben, was das Auffinden der richtigen Stellen ziemlich einfach macht.

chrome screenshot f12
Über die Entwicklerwerkzeuge lässt sich die aktuelle Seite – lokal! – manipulieren.

Und das war’s auch schon: In unserem Fake-Screenshot wurden schlicht Bild-URL und Texte eines aktuellen Nawalny-Artikels gegen einen Skater-XL-Screenshot mit El-Tuto-Mods sowie ein paar sinnfreie Textfetzen ersetzt.

fake spon screenshot
Nein, hat SPON nicht geschrieben …

Durchaus nützlich

Ganz nebenbei lässt sich das Feature auch vernünftig einsetzen, auch abseits des Entwicklertums: Ihr könnt zum Beispiel für Geburtstagszeitungen oder Glückwunschkarten schicke Fakes bauen – die Ihr aber nicht digital verbreiten solltet, versteht sich hoffentlich.

Ich persönlich nutze es auch, um Screenshots für das Checkmk-Handbuch zu erstellen: Teils werden Zustände und Ansichten im Monitoring beschrieben, die nur recht aufwändig nachzustellen sind, beispielsweise bestimmte Fehlermeldungen. Mit den Entwicklertools lassen sich aber viele Werte direkt wie gewünscht in die Oberfläche hacken – das Ergebnis ist identisch, der Aufwand deutlich geringer.

Wir haben noch ein paar spannende Artikel zum Thema Medienkompetenz.

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler. Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds. Wenn Ihr hier mehr über Open Source, Linux und Bastelkram lesen und Tutonaut unterstützen möchtet: Über Kaffeesponsoring via Paypal.freue ich mich immer. Schon mal im Voraus: Danke! Nicht verpassen: cli.help

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