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QNAP TS-133 im Test: Stromsparende Mini-NAS

Mit der QNAP TS-133 gibt es eine neue und besonders leise Einsteiger-NAS für das Home-Office und zuhause. Lohnt sich der Kauf?

Irgendwie wollte ich immer ein NAS haben. Doch so richtig warm bin ich damit nie geworden: Der Stromverbrauch zu hoch, die Geräuschkulisse ebenfalls – und am Ende des Tages nur, um ein langsameres Time-Machine-Backup als per USB zu erstellen. Denn sonst fehlten mir die Anwendungen. Dann musste ich aber plötzlich große Dateien im Heimnetz verschieben – und die FritzNAS machte nicht mehr mit. Ich entschied mich für die brandneue QNAP TS-133: Eine 1-Bay-NAS mit ordentlich Wumms. Doch wie schlägt sie sich im Alltag?

Zunächst: Wer ernsthaft Dateien auf einer NAS sichern will, sollte zu einem 2-Bay-Modell greifen, also einer NAS mit zwei Schächten. Die TS-133 hat einen Schacht und eignet sich damit als Backup-Ziel oder als Austausch-Laufwerk. Alle hier gespeicherten Daten sollten aber noch irgendwo anders liegen. Wer das hier vorgestellte Gerät interessant findet und zwei Festplatten-Buchten braucht, greift am besten zum Schwestermodell TS-233.

1-Bay vs. 2-Bay: Warum 1-Bay-NAS manchmal besser ist

Die meisten NAS-Modelle besitzen mindestens zwei Laufwerksschächte. Die Idee dahinter: Zwei Festplatten, per RAID aufeinander gespiegelt, sind flotter und vor allem sicherer: Fällt eine Platte aus, gibt es auf der zweiten eine exakte Kopie, die den Weiterbetrieb und die Datensicherheit gewährleistet. Allerdings sind zwei Bays auch teurer, sowohl von der Hardware, als auch von den Stromkosten her.

Eigentlich brauchte ich bisher keine NAS. Aber auf ein schlankes 1-Bay-Modell wie die QNAP TS-133 habe ich gewartet.

Da ich die NAS außer als Backup-Ziel für mehrere Computer sowie als flottes Austauschlaufwerk im Heimnetz so gut wie nicht brauche, ist für mich eine 1-Bay-NAS optimal: Sie ist günstig, verbraucht wenig Strom und ist leise.

Specs & Infos

Doch was kann die QNAP-TS133? Die NAS verfügt über einen 64-Bit ARM 4-Core Cortex-A55 mit 1,8GHz und zwei Gigabyte fest verlötetem RAM. Die interne Festplatte wird mit SATA-6 angebunden, es können sowohl 3,5″, als auch 2,5″-Laufwerke (etwa SSDs) verbaut werden. Vorne gibt es einen Ein/Ausschalter und drei LEDs, hinten die Gigabit-Ethernet-Buchse, einen USB-3- und einen USB-2-Anschluss. Was letzterer noch soll, weiß nur QNAP. Interessant: QNAP bewirbt die NAS mit KI-Funktionen zur Bilderkennung.

Die Festplatte ist mit wenigen Handgriffen eingebaut.
Die Festplatte ist mit wenigen Handgriffen eingebaut.

In meiner QNAP TS-133 habe ich eine Seagate IronWolf 4TB verbaut, ausreichend für den geplanten Einsatzzweck. Achtung: Die Platte gibt von der Festplatte zwei Varianten, die neuere trägt die Produktnummer ST4000VN006 und enthält nicht nur 256 statt 64 Megabyte RAM-Cache, sondern dreht mit 5.400 U/min auch ein wenig langsamer als das alte Modell (5.900 U/min). Es gibt noch eine High-Performance-Alternative mit 7.200 U/min, die erschien mir aber zu laut für meinen Einsatzzweck.

Der Einbau ist ein Kinderspiel: Die QNAP TS-133 hat nur eine Gehäuseschraube, die den Schiebemechanismus sichert. Ist diese herausgeschraubt, reicht ein Handgriff, um die NAS zu öffnen. Mit den beiliegenden Festplatten-Schrauben ist die Festplatte im Handumdrehen montiert.

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QNAP TS133: Geringer Energieverbrauch

Das für mich wichtigste Argument an einem NAS ist, dass sie möglichst wenig Strom verbraucht. Denn in der Praxis brauche ich das Gerät selten, will es aber “parat” haben, falls ich es brauche: Es ist also immer an. Hier zeigt sich die QNAP TS-133 recht sparsam. Tatsächlich verbraucht die QNAP im laufenden Betrieb deutlich unter 10 Watt, was ihre Nutzung auch in diesen Zeiten der Energiekrise weitestgehend erschwinglich macht. Der Hersteller nennt 2,74 Watt im Festplatten-Ruhezustand, 7,32 Watt im Betrieb, was in der Praxis aber nicht ganz stimmt: Rund 8 Watt zieht sich die NAS beim Time-Machine-Backup, 12W beim Booten und tatsächlich nur rund 3 Watt, wenn die Festplatte der NAS im Ruhezustand ist.

Die Funktionen der QNAP TS-133

Die QNAP TS-133 ist eine Einsteiger-NAS, dementsprechend “schwach” ist die Hardware. Niemand sollte erwarten, hier ernsthaft Virtuelle Maschinen oder Docker-Container verwenden zu können. Was die kleine QNAP kann, sind Backups und Datenaustausch sowie die üblichen Media-Spielereien, die alle NAS-Geräte beherrschen, etwa einen DLNA-Server. Die üblichen QNAP-Apps sind verwendbar und sind über die App-Funktion des QNAP-eigenen QTS-5-Betriebssystems schnell aufgesetzt.

QTS5 läuft flott, auch wenn die Platte gerade beackert wird.

Die Auswahl der offiziellen Apps in der AppStation ist beschränkt. Zum Glück erlaubt das Tool auch die Einbindung von Drittanbieter-Apps: So fehlt zum Beispiel eine App für das praktische Syncthing, die Ihr aber einfach über Drittanbieter wie den QNAPclub einspielen könnt. Mir reichen allerdings die Basisfunktionen: SMB-Freigaben, Time-Machine-Backups, die Erreichbarkeit über eine QNAP-URL.

Interessant für Medienfans ist natürlich die neue KI-gestützte Bildverwaltung: Diese erkennt zum Beispiel Gesichter in Fotos und erlaubt dadurch eine deutlich bessere Suche in der Fotobibliothek. Durch das 1-Bay-Konzept und weil ich ohnehin Apple Fotos in der iCloud nutze, benötige ich diese Funktion allerdings derzeit nicht und habe sie auch nicht getestet.

Ihr könnt aber natürlich auch die persönliche Cloud QSync verwenden oder die NAS mit Hybrid Backup Sync 3 kreuz und quer durch’s Internet synchronisieren. Grundsätzlich geht hier alles, was mit anderen QNAPs geht, vom fehlendem HDMI-Anschluss und der natürlich nicht enormen Rechenleistung abgesehen.

Lüfter? Nie gehört.
Lüfter? Nie gehört.

QNAP TS-133 in der Praxis

Ich hatte eine ganze Weile mit der Einrichtung der Time-Machine-Funktion und der Zuverlässigkeit der Freigaben zu kämpfen. Schuld war allerdings nicht die NAS, sondern ich: Ich hatte am Rechner rumgedaddelt und den Mac auf SMBv2 festgenagelt. Seit der Behebung dieses Problems läuft die TS-133 tadellos: Freigaben kann ich schnell über die Systemeinstellungen einrichten und mit MyQNAPCloud auch von außen darauf zugreifen, kurzum: Die NAS-Funktionen funktionieren einfach.

Bemerkenswert an der QNAP TS-133: Sie ist leise! Und zwar richtig. Der kleine Lüfter ist kaum vernehmbar und bislang habe ich ihn auch noch nicht bewusst gehört. Die einzige Geräuschentwicklung ist tatsächlich die Festplatte selbst, die bei Aktivität fröhlich rattert. Damit liegt die Lärmbelästigung allerdings unter dem Niveau vieler externer Festplatten, schlicht weil ich die NAS so platziert habe, dass sie nicht direkt neben dem Rechner steht. Allerdings gibt es einen Kritikpunkt: Mein Netzteil fiept, wenn die NAS aus ist – hier liegt aber möglicherweise ein Defekt vor.

Rückseite der QNAP TS-133: Was soll das olle USB 2?
Rückseite der QNAP TS-133: Was soll das olle USB 2?

Flott und gut

Die Übertragungsgeschwindigkeit ist ohne Tadel. Theoretisch schafft die NAS über den Gigabit-Port 1000 MBit, also 125 Megabyte pro Sekunde, das wäre der Idealwert unter optimalen Bedingungen. In der Praxis schreibt die NAS Daten vom ebenfalls per Ethernet an der FritzBox 6690 angeschlossenen iMac Pro aus meiner Sicht solide 95 MB/s schreibend und sogar bis zu 106 MB/s lesend, und hält diese Geschwindigkeit auch bei Dauerzugriff, etwa beim Test per Blackmagic Disk Speed Test, mit dem ich auch diesen Wert ermittelt habe.

Sicher: höherpreisige Multibay-NAS-Systeme mit mehreren Festplatten können im Idealfall noch bessere Werte aus dem Anschluss quetschen – doch für den Alltag reichen diese Werte völlig. Auch parallele Zugriffe stemmt die QNAP TS-133 problemlos, dabei brechen aber natürlich anteilig die Übertragungsraten ein.

Im Speedtest zeigt sich: Die QNAP TS-133 ist recht flott.

Durch die zwei Gigabyte Arbeitsspeicher bleibt auch das Backend bei Zugriff schön flott: Wer parallel Dateien kopiert, muss nicht wie bei anderen NAS-Systemen mit geringerer Ausstattung damit rechnen, dass die Browser-Oberfläche unbedienbar wird. Trotzdem wäre es schön, wenn sich der RAM per Speicherriegel upgraden ließe, wie es bei größeren Modellen die Regel ist. Etwas nervig ist allerdings die langsame Geschwindigkeit beim Booten und herunterfahren: Hier ziehen locker 5 Minuten ins Land, bis die NAS ausgeschaltet ist.

Fazit: QNAP TS-133 ist die ideale NAS für das Home-Office und kleinere NAS-Aufgaben

Am Ende des Tages ging es mir darum, eine bessere Alternative zur FritzBox-NAS zu erhalten, einen schnellen SMB-Server im Heimnetz zu haben und Time-Machine-Backups im Netzwerk durchzuführen. Beides habe ich mit der QNAP TS-133 problemlos möglich. Anders als bei der FritzNAS bleibt aber auch genug Raum für Spielereien: Wer will, kann die NAS als Webserver, persönliche Cloud oder als Medienbibliothek verwenden – in letzterem Fall darf natürlich das angeschlossene Backup-Laufwerk nicht fehlen.

Durch den niedrigen Preis und die gute Performance sowie die wirklich geringe Lautstärke ist die NAS ideal für alle Anwender, die keine all zu großen Ansprüche an ein NAS-System stellen. Wer mehr will, sollte zu größeren Lösungen greifen, für meinen basalen Einsatzzweck ist aber schon die QNAP TS-133 mehr als ausreichend: Ich würde sie wieder kaufen.

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Christian Rentrop

Diplom-Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Schreiberling in Totholzwäldern und auf digitalen Highways unterwegs. Öfter auch auf der Vespa oder mit dem Wohnwagen unterwegs. Seit 2020 Tochtervater, dementsprechend immer sehr froh über eine kleine Kaffeespende.

5 Kommentare

  1. Da ist aber jemand nie zufrieden mit dem was er hat? Denke da an den Beitrag “NAS mit dem Raspberry Pi”. War doch schon alles an Hardware vorhanden. Gebe ja zu, daß ich meinen auf CM4 Module umgerüstet habe damit ich NVMe nutzen kann. Ansonsten sehe keinerlei Vorteile für diese NAS Mini-Tower. Im Gegenteil, auf dem Raspi kann ich alle Linux Programme installieren die ich testen möchte, auch VM und Docker und kann im Notfall direkt auf dem (Raspi)NAS arbeiten falls mein Hauptsystem nicht verfügbar ist. Ach ja, ich vergaß ist ja nur ein Bastelrechner für Apple-Fans. Übrigends der Stromverbrauch rund 3,2 Watt und die Lautstärke mit NVMe Platte 0,0 Sone. Steht daher direkt unter dem Monitor auf meinem Schreibtisch.

    1. Einen Vorteil sehe ich schon: Alle, die so ein System nicht selbst einrichten und pflegen können oder wollen – vermutlich über 90 Prozent aller (Windows-)Nutzer -, können ein Out-of-the-Box-System über ein paar simple Formulare und Klicks nutzen. Ist halt ein wenig so wie mit Lego und Playmobil, bauen oder einfach hinstellen.

      Ich persönlich bin auch irgendwann auf einen normalen Linux-Server umgestiegen, allerdings nicht Raspi, sondern Cubi, weil ich mehr Leistung und x86 brauchte. Meine QNAP-NAS habe ich damals testweise abgeschaltet – dann aber auch gar nicht mehr eingeschaltet. Und vor allem die Geräuschkulisse vermisse ich mal so gar nicht. Und die Bloatware auch nicht. Oder die umständliche Container-/VM-Verwaltung. Oder die kleinen Repos. Oder …

      Aber ich habe mit den ollen NASen ja schon ausgiebig abgerechnet, von daher …

      1. Dann hätteste Du dein QNAP ja dem Christian schenken können und er hätte mehr Zeit für seine Tochter und noch was übrig für’n Kaffee. Mein Enkel ist da mit auf Deiner Linie und hat sich einen Mini Fujitsu Esprimo Q556/2 im Netz gebraucht für 80EUR angeschafft. Bin erstaunt was dieses Ding leistet mit I5, 8GB RAM, 256GB SSD und W11. Da kommt jetzt noch eine 2TB NVMe rein, Ubuntu, OMV und habe fertig.

      2. Tatsächlich hat Mirco mir vor einiger Zeit ein altes QNAP geschenkt, das war aber für meine Zwecke zuviel des Guten. Ich weiß, dass “Bastellösungen” mit Intel-Rechnern auf dem Papier besser sind, aber eben auch Aufwand benötigen, viel Strom verbrauchen und für meine Zwecke völlig “über” sind. Bastellösungen mit dem Pi laufen immer über USB, da kann ich auch gleich die FritzBox nehmen.

        An der TS-133 gefiel mir das cleane design. Solange für den Raspi kein echtes SATA oder M2 samt NAS-tauglichem Gehäuse zur Verfügung stehen, will ich den nicht ernsthaft einsetzen.

        Aber ja: Meine Ideallösung wäre wie das QNAP-Gerät, aber eben als Pi in einem 1-2-Bay-Tower. Gibt’s aber in der Form nicht bzw. nur deutlich teurer als das QNAP-Dingens. Insofern war die Entscheidung logisch und gut durchdacht.

        Zumal die TS-133 wegen der geringen Lautstärke und des geringen Verbrauchs tatsächlich die erste NAS ist, die ich mir gerne in die Bude hole. Ich hatte schon andere NAS-Systeme, auch mit dem Pi, aber Lautstärke und Stromverbrauch oder Wartungsaufwand haben mich jedes Mal wieder davon abgebracht. Zu laut, zu teuer, für meine Zwecke zuviel – diese Lücke füllt die 133 jetzt.

        Man muss halt schauen, was man braucht. Klar kann ich mir hier auch einen alten Mac oder PC als NAS hinstellen, einzig: Ist Quatsch, weil ich nur flotte SMB-Freigaben und ein zentrales Backup-Ziel brauche und keine Lust auf Bastelei habe. Die Zeit verbringe ich lieber mit meiner Tochter ^^

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