ChatGPT, Grok und Gemini sind in aller Munde. Derzeit ist es schwer, im Netz unterwegs zu sein, ohne auf KI-generierten Müll zu stoßen. Seien es KI-Grafiken, Texte, Videos oder ganze Blogs, Websites und Social-Media- Accounts, die KI-Schrott als vermeintlich lukratives Geschäftsmodell entdeckt haben. Das Problem dabei: Es wird immer mehr, es killt erst die Kreativen und dann Eure Jobs – und am Ende werden wir an diesem Dreck ersticken.
Nein, ich bin nicht grundsätzlich gegen KI-Technik: Sie ist hilfreich, wenn schnell ein Symbolbild erstellt oder ein Text recherchiert werden will. Ich weiß aber, dass ich in solchen Fällen mir selbst oder einem Grafiker die Butter vom Brot nehme. Sie kann Denkanstöße oder Fakten liefern. Darin sind die KI-Systeme derzeit sehr gut – wenn auch weit davon entfernt, unfehlbar zu sein. Im privaten und beruflichen Alltag sind sie trotzdem praktisch.
Das Problem ist, dass Menschen, sobald KI im Spiel ist, nicht mehr selbstständig denken. Ich erlebe das täglich im Kollegen- und Bekanntenkreis: Den Text redigieren? Macht doch die KI! Die E-Mail bei der Arbeit? Ach, die schreibt die KI. Den Einladungstext zum Kindergartenfest? Den macht „Chatty“. Werbeposter und Flyer für Stadtfeste und Dönerbuden? Speisekarten und Supermarkt-Prospekte? Werbefotos? Das neue Firmenlogo? Irgendein KI-Dienst. Und jedes Mal leiden Menschen, die bisher mit Grafik und Fotos ihr Geld verdient haben.
Das gleiche gilt für Programmiercode, wobei ich hier als „Nicht-Coder“ mit Technik-Hintergrund die KI noch als Fortschritt ansehen würde: Das lästige Erlernen von Programmiersprachen und das Coding selbst entfällt, Programmierung wird demokratisiert. Im Grunde sind Assemblersprachen selbst aber schon eine deutliche Erleichterung gewesen, denn eigentlich verstehen Computer nur Binärcode. Menschen, die mit Web- und Software-Entwicklung ihr Geld verdienen, sehen das wahrscheinlich anders.
Und dann ist da mein Bereich: Text und Fotografie. Text? Kann die KI natürlich, aber es gibt durchaus Nischen, in denen sie vollständig versagt. Bei der Recherche, Analyse, Zusammenfassung und Fehlerkorrektur ist sie brauchbar, der Assistent, den wir Freiberufler uns sonst nicht hätten leisten können. Aber eben auch: Konkurrent, denn Sachtexte und blanke Informationen spucken die LLMs heutzutage ebenfalls zuverlässig aus, wenn auch gerne mit psychotisch wirkenden Halluzinationen.
Fotografie, Videografie
Und die Fotografie? Auch hier gibt es Nischen, die KI (noch) nicht schafft. Das „Rentenstandbein“ vieler Fotografen, die Stock-Fotografie, wurde erstaunlicherweise noch nicht vollständig von der KI übernommen. Und tagesaktuelle Fotos kann die KI natürlich auch nicht generieren. Das gleiche gilt übrigens (noch) für Videos. In beiden Bereichen versagt die KI aber in der Regel in Details, die erstellten Medien haben ein tiefes Uncanny-Valley und an vielen Stellen denkt sich die KI nach wie vor einfach Dinge aus.
Womit wir bei der nächsten Eskalationsstufe wären. Stockfoto-Plattformen sind nämlich inzwischen von KI-generierten Inhalten verseucht, das gleiche gilt für Stock-Video. Bei Text sieht es auch nicht besser aus: Für den schnellen Euro verseuchen „Entrepreneure“ das Netz mit Slop-Büchern und billigen KI-Online-Texten. Und für die meisten ist dieser Mist eben gut genug, und das bedeutet Land-Unter für all die kleinen Kreativen und Solo-Selbstständigen in allen kreativen Bereichen. Und die lockt inzwischen auch das süße Gift der KI und nicht wenige greifen inzwischen selbst zur KI, um noch irgendwie im Geschäft zu bleiben.
Kreative beschweren sich in Social-Media-Postings darüber, dass ihre Aufträge einbrechen: Fotografen, Grafiker, Texter wie wir oder eben auch Video-Künstler und Webdesigner. Gemeinsam haben wir alle, dass die allgemeine Wahrnehmung so ist, dass das OK sei, sie durch KI zu ersetzen: „Ich hab ChatGPT gefragt“ ist inzwischen eine ähnlich valide Aussage wie „ich habe einen Experten konsultiert“, und die Ergebnisse werden als ebenso valide wahrgenommen, auch wenn sie es in aller Regel nicht sind.
Doch alle müssen immer sparen, und wenn man Kosten durch KI sparen kann – wieso nicht? Wenn man zum Beispiel ein Blog oder einen Social-Media-Account für den Bruchteil eines Honorars laufend befüllen kann? Wenn die KI nie schläft? Und statt eines Stabs an freien Mitarbeitern, Textern, Video-Editoren, Fotografen und Grafikern eben nur noch ein Redakteur, ein Prompt-Designer und vielleicht ein Grafiker mit rudimentären Photoshop-Kenntnissen übrig bleibt, nicht selten in Personalunion, um die KI zu überprüfen?
Es betrifft alle: Text, Foto, Video, Übersetzung, Synchronisation, bald auch die Filmindustrie und natürlich die zahllosen Influencer. Musiker sowieso.
Haben all die Kreativberufe also ausgedient?
„Ja“, wird der ein oder andere sagen, „sollen sie halt was anderes machen“, und es sich auf seinem Sessel als Analyst, Anwalt, Arzt, Manager, Sachbearbeiter, Steuerberater, Lehrer, Beamter oder Wissenschaftler bequem machen. Leider habe ich da ganz schlechte Nachrichten: Ihr seid die Nächsten. Denn es ist inzwischen keine Frage des „ob“, sondern des „wann“.
Zahlreiche einfache und ehrliche Berufe sind bereits heute auf der Kippe, und damit auch die beruflichen Fallbacks für viele Menschen, mit oder ohne akademischen Hintergrund: Taxifahrer? Demnächst Roboter. LKW-Fahrer? Lidl arbeitet dran.
Lager und Speditionen? Firmen wie Amazon merzen den Menschen immer weiter aus. Die Jobs bei Fast-Food-Ketten und an der Supermarkt-Kasse hat schon der Mindestlohn gekillt, doch die KI wird auch diese Entwicklung beschleunigen. All die Lieferfahrer? Drohnen sind bald schneller, günstiger und zuverlässiger. All die Callcenter? KI. Fließbänder? Schon längst Roboter-Domäne. Soldaten? Tja…
Haha, sagt Ihr jetzt: „Ich bin aber Head of Business-Bla bei einem Marktführer in Dies-und-das, habe drei Master in Dings, einen einwandfreien Lebenslauf und habe LinkedIn durchgespielt, mir kann ja nichts passieren. Ich bin der, der die KI beauftragt.“
Nö: Schaut Euch Euren Job einmal genau an. Was genau macht Ihr da eigentlich? Managen, Forschen, Verwalten? Schlechte Nachrichten: KI wird nach und nach von unten Eure Jobs wegknabbern. Natürlich wird es immer Menschen geben müssen, die den KI-Output managen: Ihn in Auftrag geben, prüfen, überarbeiten. Und die dazu immer mehr KI nutzen müssen, weil es Firmenpolitik ist oder weil „dank“ KI jetzt ein Manager, Beamter, Forscher schafft, was vor einigen Jahren noch zehn geschafft haben.
Falls das bei Eurem Arbeitgeber noch nicht der Fall ist: Glückwunsch, Ihr seid Teil einer trägen Masse, die nicht all zu sehr auf’s Geld schauen muss. Auch das wird sich ändern.
Die KI-Entwicklung wird nach und nach Jobs vernichten, und der Einschnitt wird deutlich härter sein als bei Erfindung des Buchdrucks, des Automobils oder des Internets: Wir stehen gerade am Anfang. Natürlich werden auch neue Jobs entstehen, doch erstmals in der Geschichte der Menschheit gibt es eine Technik, deren Fähigkeiten mit dem Menschen gleichziehen wird. Der menschliche Faktor wird also zwangsläufig nach und nach eliminiert.
Was bleibt, ist ein Räuberzirkus aus Politikern, Managern und Juristen, die die ganze Entwicklung verwalten und viele Milliarden Menschen, die nichts mehr zu tun haben. Das ist sozialer Sprengstoff, übrigens auch für das Wirtschaftssystem: Wer soll all die tollen KI-Produkte und Dienstleistungen kaufen, wenn er kein Geld mehr verdient?
Was tun mit all der Freizeit?
Ich persönlich schwanke übrigens seit geraumer Zeit zwischen der KI-Positivität eines Elon Musks, die zwangsläufig zum „Roboter-Sozialismus“ führt, in dem alle Arbeiten von Maschinen gemacht und Menschen sich auf finanziell „unproduktive“ Dinge konzentrieren können. Und den KI-Doomsday-Voraussagen à la Terminator. Perfiderweise führt eins zum anderen.
Die Maschinen machen die Arbeit allein, die Wertschöpfung erfolgt durch Umverteilung und wir alle können mit einem Caipirinha am Strand sitzen, Lesen und einfach mal bis ans Lebensende nichts tun. Oder nur das, worauf man Lust hat.
Das kann Vorteile haben: Man denke nur an Pflegekräfte, die sich nicht mehr mit dem Tagesgeschäft – Waschen, Anziehen, Toilettengang – beschäftigen müssen, weil es ein Roboter macht. Sie könnten sich deutlich besser um die von ihnen betreuten Menschen kümmern. Das gilt für viele Jobs, wo die „gute“ Arbeit (nachdenken, kreativ sein) derzeit von „schlechten“ Dingen wie Zeit- und Kostendruck überlagert ist.
Und am Ende sind wir alle… weg.
Klingt gut, nur: Der systemimminente Fehler des Sozialismus – Nichtleistung belohnen, Leistung bestrafen, Herausbildung einer bessergestellten „gleicheren“ Klasse (man lese nur Orwells „Farm der Tiere“) – wird auch vor dieser Entwicklung nicht halt machen. Mit dem Unterschied, dass es diesmal zunächst keine Konsequenzen für die Gesellschaft hat: Die Maschinen übernehmen die Produktivität, ihre eigene Wartung, womöglich sogar ihre eigene Weiterentwicklung.
Man nehme als Beispiel nur den aktuellen Stand des Bildungs- und Jobmarkts: Schüler und Studenten pfuschen sich mit KI zum Abschluss, Lehrer und Professoren prüfen mit KI. Anschließend wird mit KI der Lebenslauf geschönt und die Bewerbung geschrieben, auf der anderen Seite sitzen HR-Menschen, die mit KI Bewerbungen prüfen, aussortieren und Zu- und Absagen schreiben. Wer es in ein Unternehmen schafft, muss anschließend seine Arbeit mit KI verrichten. Aus dieser Gleichung könnte man den Mensch schon weitestgehend herausnehmen: Es sind im Grunde nur noch KIs, die hier Arbeit verrichten.
Und wenn ich so weiter überlege, kickt mein Doomsday-Hirnlappen rein: Wieso sollte die KI dann nicht irgendwann merken, dass diese „Menschheit“, die da als doomscrollende und bingewatchende Fleischklöpse mit einem BMI und IQ von 40 auf der Couch vergammelt, nicht nur überflüssig ist, sondern auch wichtige Ressourcen belegt? Jeder gute Manager würde sagen: „Weg mit den Altlasten!“ Und dieser Gedanke dürfte dann wohl auch irgendwann der KI kommen…







