Biiiiiiiiiitte – benennt Dateien vernünftig! Leerzeichen sind böse! Und Doppelpunkte auch. Und erst der anführende Strich … Warum? Seht selbst.

An dieser Stelle meldet sich ein nörgelnder Choleriker zu Wort – bittend, bettelnd, flehentlich ersucht er Euch zur Wahrung der Vernunft. Hört einfach auf! Hört auf, Dateien so zu benennen, als wäret Ihr Dadaisten. Leerzeichen gehören nicht in Dateinamen. Umlaute gehören nicht in Dateinamen. Anührende Striche? Also bitte!. Bitte, im Nammen aller Menschen …

… die möglicherweise jemals mit Euren Dateien umgehen sollen, benennt Dateien mit Verstand. „20170302 Östern mit Lehrer*/-innen.jpg“ ist kein guter Dateiname – und die Slashes und das Sternchen würde Windows auch von vorne herein verbieten! Aber Windows und Linux erlauben durchaus Namen, die man guten Gewissens als beschissen kategorisieren darf – drei einfache Beispiele: super übel.txt, 2017:04:05_volldoof.txt und -fuck.txt.

Die Probleme: Stapelverarbeitung, Verarbeitung aus Skripten oder im Terminal und das Stöbern in und Teilen von Dateien.

Punkt 1: Sprechende Namen

Schlechter Name: „20170303-4022.jpg“. Guter Name: „2017-03-03_belgien_bruegge_statue-1.jpg“. Viele Menschen schreiben das Datum in den Dateinamen – diese Information steckt aber auch in den Metadaten, Windows „weiß“ selbst von wann die Datei ist. Das lohnt sich jedoch, wenn die Dateien geteilt oder beispielsweise nach Verlust wiederhergestellt werden. Unter Linux sieht das schon wieder anders aus, da gibt es zwar immer das Bearbeitungsdatum, nicht aber immer das Erstelldatum.

Sprechende Namen sorgen dafür, dass Ihr die Bilder später auch wieder finden könnt – denn wer bastelt schon in Tausende Urlaubsfotos gewissenhaft manuell Metadaten ein? Und selbst, wenn Ihr nur durch Eure Bestände stöbert: Mit sprechenden Namen seht Ihr sofort, was sich in den Dateien befindet – ohne sie in einer Vorschau öffnen zu müssen.

Punkt 2: Nichts Verrücktes

Sauer wird der Choleriker aber nicht bei mieser Semantik, sondern bei mieser Syntax – um es kurz zu machen: Leerzeichen und Doppelpunkte gehören nicht in Dateinamen und Sonderzeichen generell nicht an den Anfang. Dateinamen wie „super übel.txt“, „-fuck.txt“ oder „2017:04:05_volldoof.txt“ gehen einfach gar nicht. Problematisch werden die Namen immer dann, wenn man sie in der Kommandozeile oder über Skripte aufrufen will.

Das „super übel.txt“-Problem: Mit so einem ollen Leerzeichen muss der Dateiname immer in Anführungszeichen eingegeben werden – ansonsten würden Befehle und Skripte immer erst „super“ und dann gegebenenfalls noch „übel.txt“ ansprechen. Auch auf Umlaute solltet Ihr verzichten. Das funktioniert zwar meistens, aber es gibt immer wieder Situationen, in denen unsere exklusiven Buchstaben Probleme verursachen.

dateinamen

Leerzeichen und anführende Bindestriche – DAS GRAUEN!

Das „-fuck.txt“-Problem: Wer einen Bindestrich an den Anfang eines Dateinamens setzt, sollte sofort mit dem Linux-Kommando „sudo rm -rf“ behandelt werden. Wenn Ihr zum Beispiel die Inhalte aller Text-Dateien eines Ordners in eine einzige Datei schreiben wollt, würde das Kommando „cat *.txt > zieldatei.txt“ lauten. cat würde nacheinander jede einzelne Datei verarbeiten. Und wenn dann -fuck.txt an der Reihe ist, würde der Befehl also lauten: cat -fuck.txt Seht Ihr das Problem? Mit dem Bindestrich werden Optionen übergeben – und in diesem Fall käme die Fehlermeldung, dass „-f“ keine Bekannte cat-Option ist. Aber auch alle anderen Programme würden in dieser Konstellation eine Option vermuten. Auch hier gibt es wieder die Möglichkeit, das Ganze abzufangen, über den Pfad: cat ./*.txt ist die saubere Variante und sie funktioniert. (Ob das in jeder Situation mit jedem Programm funktioniert, sei mal dahingestellt.)

Das „2017:04:05_volldoof.txt“-Problem: Auf einem hiesigen Linux wurden einst Screenshots gemacht und in die Dropbox geladen – sie kamen aber in der Windows-Dropbox nie an. Online waren sie vorhanden. Warum? Windows kann mit den Doppelpunkten nicht umgehen … Doppelpunkte sind also unter Linux legitim, aber es ist völlig gaga, sowas in das Namensschema eines Screenshot-Tools zu bauen.

Das sind jetzt nur drei Beispiele für miese Namen, es gibt etliche weitere. Im Explorer habt Ihr solche Probleme in der Regel nicht, aber im Terminal oder wenn Skripte oder Programme Dateien verarbeiten sollen – es kann Euch jederzeit treffen, auch wenn Ihr weder Linux noch Skripte nutzt!

Anekdötchen: Unter Linux (zumindest Debian mit LXDE) ist es gemäß Namenskonvention erlaubt, eine Datei -fuck.txt zu erstellen. In der GUI funktioniert das auch – im Terminal nicht, hier haben sich offenbar skriptende Menschen mit Verstand über eine Konvention hinweggesetzt.

Gute Namen

Am besten legt Ihr Euch irgendein Muster für Dateien zurecht. Hier mal ein Kann-Euch-auch-treffen-Beispiel: Wenn Ihr zum Beispiel einen Haufen Serien in einem Mediacenter wie Kodi verwaltet, wollt Ihr diese auch scrapern lassen, sie also mit Informationen und schicken Cover-Bildern bestücken. Dazu guckt sich der Scraper den Dateinamen an. Für Scraper schlecht: „DSN_-ST06_Epi_01-_Dt-Engl.avi“ – findet Kodi nicht. Für Scraper gut: „Deep-Space-Nine_S06E01.avi“ – Kodi findet es.

Das ist auch gleich ein schönes Muster: Namen mit Bindestrichen und weitere Dateinamensteile mit Unterstrichen verbinden – etwa „HDR-Testreihe_Koeln-Deutz_Canon-EOS-600_Motiv-123.jpg“.

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Mit einem halbwegs einheitlichen Muster wird das Finden deutlich einfacher.

Wenn Ihr Dateien für immer und ewig ausschließlich selbst und ausschließlich auf dem Ursprungssystem und ausschließlich manuell im Explorer verarbeitet – herrgottnochmal, macht doch was Ihr wollt. Wenn aber auch nur die geringste Chance besteht, dass jemals jemand anderes eine der Dateien bekommt, sie auf einem anderen System landen oder von einem Programm, einer App, einem Skript aufgerufen werden, dann lasst in Eurem eigenen Sinne bitte etwas Verstand walten. Besonders übel: Eine einzige mies benannte Datei kann dafür sorgen, dass Skripte ganze Ordner nicht verarbeiten können, weil sie mit einer Fehlermeldung aussteigen!

Das erhöht übrigens auch die Chance, nicht irgendwann von einem cholerischen Admin mit einer 20-Kilo-IBM-Tastatur aus den 80ern erschlagen zu werden.

Übrigens: Boris hat hier einen super Tipp ausgegraben, wie man beim Umbenennen mehrerer Dateien unter Windows viel Zeit spart. Oder soll es gleich eine große Menge verarbeitet werden? Oder lieber im Linux-Terminal?

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule …

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn – als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und „Hundedinger“ steht – und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, Ex-BSI’ler, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 26 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch …

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Kommentare

    • Ob Du’s glaubst oder nicht – das gilt alles auch für Apple-Quatsch. Nur erwähne ich den Käse gar nicht erst – Euereins hört ja eh nicht. Zudem: Wie gesagt, wenn’s für immer und ewig nur und auschließlich auf Deinem System bleibt, OK. Aber manchmal schickst Du auch zum Beispiel mir Dateien – ich freue mich ja alleine schon immer über diese behämmerten Apple-Ordner, die offenbar bei jeder fucking Datei mitgeliefert werden …

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