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Apple: ARM ist das neue sexy

Apple wechselt beim Mac von der Intel-Architektur auf die hauseigene ARM-Prozessorfamilie. Das ist ein wichtiger und guter Schritt in die Zukunft.

Die Spatzen pfiffen es schon seit geraumer Zeit von den Dächern, nun ist es offiziell: Apple wird beim Mac in den kommenden zwei Jahren von Intels x86/x64 auf die hauseigenen ARM-Prozessoren umschwenken. Das ist eine gute Entscheidung, denn zuletzt befand sich die Intel-Prozessorarchitektur in einer Sackgasse. Allerdings dürfte das die Hardware-Obsoleszenz wieder deutlich beschleunigen.

Warum der Intel-Switch sinnvoll war…

Es gab eine Zeit, da war der Hardware-Markt von enormen Weiterentwicklungen geprägt. Gerade im Segment der Intel-kompatiblen war ein PC meist schon obsolet, wenn man den Laden verließ, so schnell ging die Entwicklung. Genau das war auch einer der Gründe, warum Apple 2006 auf Intel umschwenkte: Der PowerPC befand sich in einer Sackgasse, IBM schaffte es nicht, den G5-Prozessor für Notebooks zu optimieren. Als alter Mac-Hase hatte ich noch PowerPC-iBooks und -Powerbooks. Die waren leidlich OK, aber im Vergleich zur PC-Konkurrenz extrem langsam. Als 2004 in Paris der G5-iMac vorgestellt wurde, schien es endlich besser zu werden, der G5 war die Hoffung für Mac-Fans. Doch IBM schaffte es nicht. Nur ein Jahr später kündigte Apple daher den Wechsel auf die Intel-Prozessorarchitektur an. Ein Erfolg auf ganzer Linie, auch weil der Mac damit einen enormen Leistungsschub bekam: Mehrkern-Prozessoren, deutlich bessere Akkulaufzeit und nicht zuletzt die Windows-Kompatibilität machten die Intel-Macs auch für Anwender, die bislang auf den Windows-PC festgenagelt waren, zu einer echten Alternative.

Der iMac G5 war der Hodfnungsträger. Ein Jahr später kam der Intel-Switch (Foto: Christian Rentrop)
Der iMac G5 war der Hodfnungsträger. Ein Jahr später kam der Intel-Switch (Foto: Christian Rentrop)

… und warum es jetzt gut ist, den nächsten Schritt zu wagen

Dummerweise hakt es inzwischen auch bei Intel. Das merken Mac-Nutzer unter anderem daran, dass auch sehr alte Mac-Hardware eigentlich noch völlig OK ist. Würde Apple die Systeme nicht durch Änderungen der Hardware-Anforderungen von MacOS nach und nach obsolet werden lassen, wäre auch ein Macbook aus dem Jahr 2010 für heutige Einsatzzwecke noch wunderbar geeignet. Es gibt nicht wenige Anwender, die solch alte Geräte noch mit Windows oder Linux im Einsatz haben, ganz einfach, weil die Hardware das hergibt. Von den schnellen Produktzyklen der Vergangenheit ist keine Spur mehr.
Genau deshalb wurden Notebooks und Desktops in den letzten Jahren kaum stärker, sondern vor allem energieeffizienter und kompakter. Mehr Rechenleistung kam nur durch zusätzliche Prozessorkerne. Und genau deshalb wird auch das just angekündigte MacOS 10.16 „Big Sur“ noch relativ alte Intel-Macs unterstützen, Geräte bis zurück ins Jahr 2013. Technisch wären sicher auch ältere Geräte kein Problem: Höchstwahrscheinlich wird es deshalb auch bei Big Sur für nicht unterstützte Macs einen inoffiziellen Hack geben, so wie derzeit für Catalina.

Sieben Jahre alter Mac? Kein Problem! (Screenshot Apple.com)
Sieben Jahre alter Mac? Kein Problem! (Screenshot Apple.com)

ARM bietet enormes Potential

Spätestens, seit der A12-Prozessor in iPhone XS und iPad mit Intel-Notebookprozessoren den Boden wischt, war klar, dass Apple darauf abzielt, die eigene ARM-Prozessorlinie auch im Mac zu etablieren. Für den Nutzer hat das den Vorteil, dass deutlich energieeffizientere Geräte möglich werden: Macs werden noch flacher und bekommen noch mehr Akkulaufzeit, ohne dass bei der Leistung Abstriche gemacht werden müssen. Gleichzeitig ist Apple nicht mehr von Intel abhängig. Das wiederum bedeutet, dass Fortschritte schneller erfolgen und Mac-Hardware und -Software ähnlich wie beim iPhone und iPad perfekt aufeinander abgestimmt werden können.

Prognose: Windows wird auf dem Mac bleiben

Mittelfristig dürfte nicht einmal die Windows-Kompatibilität leiden: Windows 10 für ARM-Prozessoren ist längst verfügbar, erste PC-Hersteller wie Lenovo schwenken bereits auf ARM um. Apples Docker-Unterstützung samt Rosetta-2-Technologie hilft möglicherweise zusätzlich. Wahrscheinlich ist außerdem, dass auch Apples künftige ARM-Prozessoren gewisse Anteile mit x86/x64-Code besitzen – und Intel-Code möglicherweise sogar nativ ausführen oder mit geringem Aufwand emulieren können. So oder so dürfte das Thema Windows-auf-dem-Mac mit dem ARM-Switch nicht vom Tisch sein: Viele Nutzer kaufen Macs bis heute genau wegen dieser Option.

Eigene Chipproduktion bei Apple Silicone: Das bringt mehr, als auf Zulieferer zu warten. (Screenshot Youtube Apple WWDC 2020)
Eigene Chipproduktion bei Apple Silicone: Das bringt mehr, als auf Zulieferer zu warten. (Screenshot Youtube Apple WWDC 2020)

ARM ist sexy

Hinzu kommt: Schon jetzt ist ARM die am weitesten verbreitete Prozessor-Plattform. Neben iPhone, iPad, AppleTV und Watch von Apple selbst sowie nahezu allen Android-Geräten, Mediasystemen im Auto, Smart-Watches und Smart-TVs sowie Haushaltsgeräten setzen auch die allgegenwärtigen Klein-Devices – und natürlich der FireTV-Stick und der Raspberry Pi auf ARM-Prozessoren. Die wenigsten davon sind so leistungsstark wie Apples Eigenentwicklungen, allerdings sind Qualcomm und Co. Apple dicht auf den Fersen. Das macht die ARM-Architektur in Sachen Kleingeräte zur optimalen Wahl – und verringert den Coding-Aufwand, um neue Devices auf den Markt zu bringen. Die Schattenseite für den User liegt allerdings auch auf der Hand: Durch die schnellen Fortschritte der ARM-Prozessoren, insbesondere bei Apple, dürften Geräte künftig wieder deutlich schneller „zu langsam“ oder vollständig obsolet sein.

Maßgeschneiderte Zukunft: Apples ARM-Prozessoren können, was der Mac braucht – und umgekehrt. (Screenshot Youtube Apple WWDC 2020)
Maßgeschneiderte Zukunft: Apples ARM-Prozessoren können, was der Mac braucht – und umgekehrt. (Screenshot Youtube Apple WWDC 2020)

Apple profitiert durch Unabhängigkeit und Marge

Natürlich ist der ARM-Switch bei Apple kein reiner Altruismus dem User gegenüber: Apple wird damit vollständig Herr über seine Lieferketten und Funktionen. Für ein Gerät wird eine bestimmte ARM-CPU- oder -Funktion benötigt? Apples Prozessorsparte Apple Silicone kann liefern! Umgekehrt lässt sich der Betriebssystem-Code perfekt an die Spezifikationen der Hardware anpassen. Dadurch kommt alles aus einer Hand, Apple ist nicht mehr so abhängig von Fortschritten Drittanbietern wie Intel – und erhöht dabei elegant seine Marge. Denn was selbst entwickelt wird, kostet in aller Regel weniger, als wenn eingekauft werden muss. Im Fall von leistungsstarken Intel-Prozessoren kann der Unterschied pro Mac viele Dutzend bis hunderte Dollar betragen. Ob Apple diese Kostenersparnis an die Kunden weitergeben wird, steht jedoch auf einem anderen Blatt.

Fazit: ARM ist die Zukunft

So oder so ist ARM die Zukunft, sowohl bei Apple, als auch bei Windows. Ob und inwieweit der ARM-Umstieg binnen zwei Jahren vollständig vonstatten gehen, ist natürlich auch noch nicht sicher. Angeblich sollen Intel-Prozessoren noch „für Jahre“ unterstützt werden, allerdings sprechen die Erfahrungen beim Intel-Switch eine andere Sprache: Hier war schon Ende 2009 mit dem Release von Mac OS X 10.6 „Snow Leopard“ Schluss mit der PowerPC-Unterstützung. Gerade einmal vier Jahre nach der Ankündigung des Intel-Switches war dieser vollständig vollzogen. Bis Mai 2006 verkaufte Apple noch den letzten PowerPC-Mac, das iBook G4 Mid 2005, dann war hardwareseitig Schluss. Drei Jahre später war dieses Gerät dann obsolet. Es ist wahrscheinlich, dass Apple dieses Mal länger wartet: Auf Profi-Hardware wie dem Mac Pro oder iMac Pro dürfte ARM noch nicht angekommen sein. Es sei denn, Apple hat in Sachen ARM-Prozessoren noch ein richtig dickes Ass im Ärmel…

Was meint Ihr: Ist der ARM-Umstieg ein gute Idee? Oder werdet Ihr Euch noch einen der letzten Intel-Macs an Land ziehen? Wir freuen uns über Euer Kommentar.

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs. Neuerdings Girldad. Spendier‘ mir einen Kaffee.

4 Kommentare

  1. Ich verstehe nicht was der Vorteil der ARM Prozessorgen gegenüber den schnellen INTEL Pendants sein soll. Ich bin seit einigen Jahren raus aus der Technik und kann das im MOment nicht nachvollziehen. Es fehlen in diesem Bericht die Fakten um dies beurteilen zu können. ARM, das war doch bisher nur was für Andreoid Handies – oder?

    Oder hat Intel nicht mehr die Power um die Marktführerschaft beherrschen zu können?

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