Ihr wollt keine In-Ear-Kopfhörer, sondern die „alten“ Stöpsel? Und Bluetooth? Und wasserfest? Da ist die Auswahl sehr klein – aber es gibt sie!

Heute sind In-Ear-Kopfhörer üblich, die die Ohren wie eine Dichtung mit ihren Gummipropfen verschließen. Das bringt (tendenziell) besseren Sound und mehr Immersion, wie man so schön sagt. Aber dieses abgeschottet sein und der Fremdkörper im Ohr sind nicht jedermanns Sache. Bei „klassischen Ohrstöpseln“ beginnt das Problem schon bei der Bezeichnung: Wie heißen die Nicht-In-Ear-Ohrstöpsel überhaupt? Die Antwort: Half-In-Ear – aber die Suche bleibt schwierig …

Wenn das die einzige Anforderung ist, ist die Welt einfach: Etliche Billig-Stecker im Supermarkt haben die Half-In-Ear-Form und selbst Apples EarPods verzichten auf den kompletten Gehörgangsverschluss. Aber wie sieht es aus, wenn die Dinger auch noch Bluetooth haben und für Sport geeignet sein sollen? Und mit Sporteignung ist vor allem ein gewisses Maß an Wasserfestigkeit gemeint. Für weicheirige Indoor-Spinning-Cyclisten (aka Spinner) und scheinbar aus Zucker gemachte Rheinländer (es ist eeecht leer am Rhein bei Schnee und Regen ….) spielt das keine Rolle, aber wer auch bei Schnee und Regen draußen Sport treibt braucht das.

Die Kombination Bluetooth, Sport und Half-In-Ear ist jedenfalls schwierig, fast schon eine Rarität. Übrigens: Auch von Earbuds ist oft die Rede – leider schreiben Hersteller das gerne auch auf In-Ears.

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20-Euro-No-Name-Kopfhörer – und durchaus brauchbar.

Kopfhörer finden

Die größte Hürde dürfte für die meisten potenziellen Käufer die Bezeichnung Half-In-Ear sein, die kaum ein Schwein kennt. Damit kann man schon mal die Spreu vom Weizen trennen – wobei auch in solchen Suchergebnissen noch massenhaft In-Ear-Geräte auftauchen. Das Doofe bei Half-In-Ear: Es kommt In-Ear drin vor …

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Half-In-Ear oder Earbud – die guten alten Stöpsel verschließen nicht gleich den ganzen Gehörgang.

Bluetooth hingegen ist überhaupt kein Problem, Händler wie Amazon oder Media Markt haben natürlich fertige Filter/Kategorien dafür.

IPX-Schutzklasse beachten

Fehlt noch der Sport-Part: Hier könnt Ihr natürlich nach Dingen wie wasserfest, wasserdicht oder sport suchen. Da diese Begriffe allesamt nicht normiert sind, bringt das aber oft wenig. Beispielsweise ist der MP3-Player Sansa Clip Sport mitnichten für Sport im Regen geeignet. Der Sansa Clip Sport+ hingegen schon … „Sport“ ist halt mehr Marketing-Wort als seriöse Beschreibung. Besser: Sucht nach IPX: Dabei handelt es sich um eine Standardisierung von Schutzklassen (IP = International Protection), die zum Beispiel bei Smartphones und eben Kopfhörern angeben, wieviel Wasser (und Staub) ein Gerät verträgt:

IPX in der Übersicht

  • IPX0: Kein Schutz
  • IPX1: Tropfwasser von oben
  • IPX2: Tropfwasser von schräg
  • IPX3: Sprühwasser von schräg
  • IPX4: Spritzwasser von überall
  • IPX5: Strahlwasser von überall
  • IPX6: Starker Strahl, kurzfristige Überflutung
  • IPX7: Kurzzeitiges Eintauchen
  • IPX8: Dauerhaftes Eintauchen
  • IPX9: Wasserdicht unter Druck

Bis IPX6 sind die darunterliegenden Schutzklassen eingeschlossen, ab IPX7 müssten Doppelangaben in der Art IPX7/IPX4 gemacht werden. Ein IPX7-Gerät könnt Ihr also problemlos kurz in einen Eimer Wasser werfen, nicht aber unbedingt damit drei Stunden durch den Regen radeln.

20 Euro für den Seelenfrieden

Nach längerer Suche war zumindest bei Amazon dann tatsächlich ein passender Kopfhörer zu finden – leider kein einziges Markengerät. Von JBL gibt es beispielsweise In-Ear- und Half-In-Ear-Kopfhörer derselben Serie – aber nur letztere sind wasserfest. Also musste es ein No-Name-Gerät werden, dass immerhin noch eine vierte Anforderung erfüllt: Magnetische Ohrknöpfe. Die immerwährende, praxiserprobte Angst bei No-Name-Kopfhörern: Bass, Bass, Bass – einfach nur zu viel Bass, um die Armseligkeit der Technik zu übertünchen. Nun, bei Ohrstöpseln könnte es auch genau umgekehrt sein, Bässe brauchen nunmal Volumen.

Der Magnet“verschluss“ war kein Muss – ist aber ein Genuss.

Aus Mangel an Alternativen wurde es dieser 20-Euro-Kopfhörer in der gängigen Halsband-Bauart mit IPX6-Zertifizierung. Und – Überraschung! – das Ding ist gar nicht mal schlecht. Der Tragekomfort ist sehr gut, selbst bei „komplexen Bewegungsabläufen“ wie Basketball oder Skateboarding. Wie gut die Stöpsel in die Ohrmuscheln passen ist natürlich nicht zu verallgemeinern. Wer besonders große/kleine Muscheln hat, wird mit In-Ears besser fahren, weil es dafür in der Regel unterschiedliche Aufsätze gibt. Half-In-Ears passen oder eben nicht. Jedenfalls sind diese Stöpsel absolut Standardgröße, fast so wie die ersten Walkman-Stöpsel aus den 80ern.

Der Klang ist in Ordnung: Für so kleine Dinger ist der Bass erstaunlich gut und auch nicht so überzüchtet. Je nach Audioquelle, etwa beim Pixel 3a, klingt das Ding regelrecht ausgewogen. Allerdings fängt es bei zu viel Dynamik durchaus an zu scheppern, vor allem im höheren Spektrum ist das unangenehm. Beim Betrieb am Sansdisk Clip Sport+ gibt es hingegen ein leichtes Grundrauschen und es klingt etwas dumpfer, wogegen der Equalizer des MP3-Players aber bis zu einem gewissen Grad helfen kann.

Reichweite und Verbindungsqualität sind völlig in Ordnung. Bei gut platzierter Quelle wird auch ein ganzer Basketballplatz abgedeckt. Abgebrochene Verbindungen werden unverzüglich wiederhergestellt.

Die Bedienung ist gänzlich unspektakulär und standardmäßig: Zwei Buttons für Lauter/Leise (lange drücken) und Weiter/Zurück sowie ein dritter Knopf für An/Aus/Pause/Gesprächsannahme/Bluetooth-Suche. Langes Drücken für Lauter/Leiser ist leider wie immer zum Heulen, weil unpräzise – umgekehrt wäre es besser. Freilich gibt es auch die üblichen Sprachansagen, die zum einen ziemlich undeutlich sind und manch einen Nutzer auch verärgern: Schläft man mit dem Teil ein, wird man vermutlich irgendwann unsanft geweckt, wenn die nette Dame im Ohr auf Englisch mitteilt, dass der Akku gleich leer ist …

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Die Bedienung folgt dem üblichen Muster.

Fazit

Schaut man sich die Bewertungen bei Amazon an stellt man schnell fest: Meist wird die Half-In-Ear-Form als Kaufgrund angegeben. Und da fragt man sich: Warum ist diese Bauform so selten? Das Fremdkörpergefühl mögen viele nicht. Und das Mitbekommen von Umgebungsgeräuschen ist in der Öffentlichkeit auch sehr, sagen wir mal „nützlich“. Gerade im Straßenverkehr. Und ein gewisses Maß an Wasserfestigkeit ist nicht nur draußen im Regen, sondern generell beim Schwitzen relevant.

Die Markenhersteller überlassen das Feld scheinbar freiwillig No-Name-China-Importen. In diesem Fall ist das nicht so schlimm, da die Qualität für einen Sport-Kopfhörer völlig in Ordnung ist. Wieviel Regen das Ding letztlich wirklich aushalten wird, wird erst der Herbst zeigen. Dennoch: Eine gerne auch teurere Variante von JBL, Bose oder sonst einem Spezialisten wäre schon nett, dann könnte man so ein Audiohalsband vielleicht auch für ernsthaftes Musikhören nutzen, so richtig mit Mitten und so …

Fakt ist: Wer zum Sportlern einen wasserfesten Half-In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer sucht, kann diesen 20-Euro-Hörer etwa von Amazon bedenkenlos kaufen – Bedenken bezüglich der Passform mal außen vor gelassen.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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