Sinkende Verkäufe, wenig Neuerungen: Warum nicht einfach MacOS auf dem iPad?

Was, wenn Dein nächster Computer kein Computer ist? Diesen Slogan nutzte Apple eine Weile, um seine Tablets zu bewerben. Und tatsächlich trifft es das auf den Punkt: Das iPad ist ein Computer, der kein Computer ist. Denn das Tablet ist – auch mit dem aktuellen iPadOS 17 – viel zu eingeschränkt. Aber die große Zeit des Tablets ist ohnehin vorbei: Das iPad-Konzept liegt im Sterben.

Ich muss zugeben: Ich bin – trotz allem – ein iPad-Fan. Ich liebe die Hardware und freue mich jedes Mal, wenn ich das Tablet in die Hand nehme. Sinnvolle Ergänzungen in iPadOS haben es inzwischen zu einem prima Zweitrechner gemacht. Und genau da liegt das Problem: Es ist keine wirklich eigene Geräteklasse mehr, sondern ein seltsamer Hybrid aus zwei Geräten, die man ohnehin schon hat: Computer und Smartphone.

Das war früher anders: Als das iPad 2010 erstmals auf den Markt kam, habe ich es nach kurzem Hadern gekauft: Es passte ins Setup! Deutlich schlanker, leichter und damit portabeler als mein damaliges Macbook, mit deutlich besserer Akkulaufzeit. Und beim Display und der Usability jedem damaligen Smartphone – ich hatte seinerzeit ein iPhone 3G – um Welten überlegen. Das iPad war damals das perfekte „Dazwischen-Gerät“. Das ist es heute nicht mehr.

Kein Platz mehr fürs iPad

Damals war die Entscheidung leicht: Kein Notebook war so leicht und handlich, kein Smartphone auch nur ansatzweise so gut als Lesegerät und „Surfbrett“ geeignet. Inzwischen hat sich das geändert: Selbst Standard-Smartphones und iPhones sind inzwischen kleine Tablets. Man kann hier sogar problemlos ganze Bücher wegschmökern und im Web surfen: Hier hat sich das Thema Tablet – oder iPad – eigentlich erledigt.

Gleichzeitig hat Apples Mac-Sparte, insbesondere das Macbook Air, inzwischen viele Features, die anfangs dem iPad vorbehalten waren, etwa ein lüfterloses Design, hervorragende Akkulaufzeit und eine sehr schlanke und leichte Bauweise. Das Macbook Air ist, rechnet man die Tastatur mit, sogar leichter als ein iPad Pro 12,9″ mit Magic Keyboard Case. Obendrein sind Macs inzwischen dank MacOS auch deutlich funktionaler und – zumindest beim Basis-Macbook Air – auch nicht wirklich teurer.

Apple gräbt sich selbst den iPad-Markt ab

Kurzum: Apple selbst nimmt sein iPad also schon seit geraumer Zeit in die Zange. „Schuld“ ist der technische Fortschritt, der das iPad inzwischen in vielen Szenarien überflüssig macht. Mittagspause im Büro? Früher iPad-Zeit, inzwischen reicht das Smartphone. Leichter Urlaubsbegleiter? Warum ein iPad kaufen, wenn man mit dem Macbook alles effizienter machen kann?

Aus der Windows- und Android-Welt gibt es ähnliche Entwicklungen: Hier multifunktionale Convertible-Notebooks mit Windows, die als Tablet und Laptop arbeiten – und deutlich mehr als das iPad können. Und dort faltbare Android-Smartphones, die Tablet und Smartphone zugleich sind. Kurzum: Auch die Windows- und Android-Gemeinde hat kaum noch einen Grund, ein zusätzliches Tablet anzuschaffen. Warum also ein iPad kaufen?

AppStore wird immer schlimmer

Und dann ist da noch die Sache mit dem AppStore: Zwar wird Apple demnächst von der EU gezwungen sein, Sideloading – also alternative Wege, Software zu installieren – offiziell zuzulassen. Doch in welcher Art und Weise das geschieht, weiß bislang nur Apple. Bis dahin müssen User sich auf den AppStore verlassen, um Software zu installieren. Obwohl es da viele tolle Sachen gibt, gibt es eben auch viele wichtige Anwendungen – insbesondere OpenSource-Software wie LibreOffice – nicht. Umgekehrt läuft aber so manche iPad-App auf aktuellen ARM-Macs. Und natürlich auch Windows oder Linux, via Parallels.

Hinzu kommt, dass immer mehr Apps auf Abo-Modelle umschwenken und hier teilweise extrem frechen Preise verlangt werden. Einzig: Anders als auf dem Mac oder den praktischen PC-Convertibles haben wir User hier nur die Wahl, diese lästige Verkaufsstrategie zu akzeptieren – oder auf möglicherweise wichtige Apps zu verzichten. Warum also noch zum iPad greifen, wo es doch so viele bessere Alternativen gibt?

Einschränkungen nerven immer mehr

Jetzt ist die Wirtschaftskrise da und die Menschen halten ihr Geld zusammen. Man überlegt, worauf man verzichten kann. Und ein teures iPad, das relativ wenig kann… nunja, das ist sicherlich das erste Gerät, das in der Waagschale liegt. Apple selbst meldet, dass die Verkäufe rückläufig sind, die Änderungen zwischen iPadOS 16 und iPadOS 17 waren auch eher kosmetischer Natur, was darauf hindeutet, dass der einst geliebte Nicht-Computer auf Apples Agenda nach hinten gerutscht ist.

Als User kann man sich ohnehin nur noch ärgern: Irgendwie passt das iPad nämlich inzwischen nirgendwo mehr wirklich hinein. Als Schreibmaschine? Miese Tastatur, egal ob Magic- oder Smart-Keyboard. Externe Tastatur? Dann braucht es auch gleich einen Tisch, einen Ständer und eine Maus und dann liegt ein Desktop-Mac (oder ein Macbook im Desktop-Setup) doch deutlich näher. Als Notebook-Ersatz? Nein, denn selbst einfache Tasks sind mit iPadOS unnötig umständlich, manche gehen gar nicht oder nur mit teuren zusätzlichen Apps. Hier ist zwar viel besser geworden; an die Usability eines Macs oder Windows-PCs kommt das iPad nicht heran, ist dabei aber deutlich sperriger als ein Smartphone. Die alten Probleme, das alte Lied.

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MacOS auf dem iPad wäre die Rettung

Die Rettung für diesen Gadget-Homunculus kann aus meiner Sicht nur sein, endlich ein vernünftiges Betriebssystem auf das iPad zu bringen. Die ersten Schritte hat Apple mit der Trennung von iOS (iPhone) und iPadOS (iPad) zwar bereits unternommen, allerdings bastelt man in Cupertino derzeit derzeit anscheinend per Reverse-Engineering daran, hier und da ein paar Mac-Funktionen in iOS zu bringen und das ganze dann ein produktives iPad-Betriebssystem zu nennen.

Umgekehrt würde ein Schuh draus: Wenn MacOS auf ARM ohnehin iOS-Apps kann – warum nicht gleich MacOS auf dem iPad installieren – natürlich mit Mobiloberfläche? Das hätte gleich zwei Vorteile: Zum einen wäre der Nicht-Computer mit einem Schlag ein echter Rechner, mit Zugriff auf all die coolen Tools und Spiele, die es eben nicht im AppStore gibt. Und zwar ohne die guten Ansätze des Tablet-Konzepts über den Haufen zu werfen. Zum anderen hätten alle iPad-User auf einen Schlag einen richtigen Computer, der sich z.B. per Docking-Station perfekt als Desktop eignen würde.

Apple, wenn Ihr mitlest: Bringt MacOS auf dem iPad!

Apple hat in der Vergangenheit viel umgesetzt, was ich mir gewünscht habe, etwa Spiele auf dem AppleTV oder deutlich bessere Kameras, Macs ohne Lüfter oder iPads mit enormer Leistung. Falls jemand in Cupertino hier bei Tutonaut.de mitliest: Tut es einfach. Gebt dem iPad ein richtiges Betriebssystem und entwickelt endlich ein Tastatur-Case, das den Namen verdient. Ein solches Geräte würde sicher am Mac herumkannibalisieren – aber durch konsequente Trennung der Leistungs- und Produktlinien wäre weiterhin sichergestellt, dass Ihr uns konsumgeilen Fanboys weiterhin dazu bekommt, mindestens drei Geräte im Haus zu haben: Mac, iPad und iPhone – so wie es so viele Jahre war.

Was meint Ihr? Ist das iPad-Zeitalter vorbei? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Christian Rentrop

Diplom-Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Schreiberling in Totholzwäldern und auf digitalen Highways unterwegs. Öfter auch auf der Vespa oder mit dem Wohnwagen unterwegs. Seit 2020 Tochtervater, dementsprechend immer sehr froh über eine kleine Kaffeespende.

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