Ausgemusterte Smartphones könnt Ihr noch für etliche nützliche Dinge einsetzen. Selbst wenn Sicherheits-Updates fehlen und das Surfen nicht mehr klappt.

Alte Smartphones müsst Ihr weder wegwerfen noch in Schubladen horten – es gibt noch Anwendungszwecke! Ja, auch wenn es keine Updates mehr gibt und das Teil nicht mehr sicher ist. Christian hat sich neulich noch über diese Art von Zwangsmüll beschwert, aber vielleicht gilt das nur für iQuatsch ;) Und wenn die Dinger sogar noch halbwegs up to date sind, haben wir noch 5 weitere Tipps. Viel Spaß beim Stöbern.

Offline, LAN und Tipps

Das Problem bei alten Smartphones ist häufig das Fehlen von Sicherheits-Patches. Und auch veraltete Browser-Standards verhindern regelmäßig, dass Ihr noch vernünftig ins Internet gehen könnt. So lange Sicherheit und Standards noch in Ordnung sind, ist ein altes Smartphone auch nur ein Smartphone und Ihr könnt es verwenden wie gehabt, etwa als Ersatz- oder Notfallgerät, als reinen Youtube-Player oder was auch immer. Allerdings ist das meist bequemer mit dem normalen, aktuellen Smartphone. Tipps in die Richtung sparen wir uns daher.

Hier findet Ihr erstmal nur Tipps für Dinge, die auch offline oder im Heimnetz funktionieren, ganz ohne Internetverbindung. Im Anschluss folgen noch ein paar weitere Tipps für Geräte, die durchaus noch online gehen können. Aber auch da konzentrieren wir uns auf Anwendungen, die nicht mit Eurem aktuellen Gerät besser gehen.

Ein paar grundsätzliche Tipps: Wenn das Gerät offline ist, weil es keine Sicherheits-Patches mehr gibt, könnt Ihr das Smartphone ganz normal über Google Play mit Apps bestücken und danach offline gehen. Bei älteren Geräten geht das aber häufig nicht: Ein Android 2.x beispielsweise kommt mit modernem TLS/HTTPS nicht zurecht und Ihr kommt gar nicht erst an die gewünschten Apps – nicht über Google Play. Zudem verlangen viele dort zu findende Apps Internetverbindung, damit man Euch mit Werbung versorgen und tracken kann. Der beste Tipp: Nutzt F-Droid. Dort bekommt Ihr fast ausschließlich werbefreie Apps, alte Versionen für alte Androids und vor allem auch die APK-Dateien der Apps. Die könnt Ihr einfach runterladen und dann per USB auf das Smartphone spielen. Nicht vergessen: Dafür müsst Ihr die Installation aus fremden Quellen zulassen.

Es lohnt sich auch, stark veraltete Teile zunächst auf den Werkszustand zurückzusetzen und dann alles zu deinstallieren, was Ihr nicht braucht – unter anderem den ganzen Google-Rödel. Ansonsten verbraucht das alles nur unnötig Strom oder führt zu irgendwelchen Fehlermeldungen, wenn nach Updates gesucht wird.

1. MP3-Player

Als damals die ganz großen iPods raus kamen, war mein erster Gedanke: Aha, ein iPhone ohne Phone. Und das geht auch umgekehrt: Ein Smartphone ist ein unglaublich leistungsfähiger MP3-Player. Ihr könnt die Bedienung beliebig einstellen (durch App-Wahl), das Display ist riesig, der Speicher ebenso. Klar nutzt Ihr Euer normales Handy eh als „MP3-Player“, aber: Auf längeren Fahrten ist irgendwann der Strom ein Thema, beim Sport will man häufig nicht die Gesundheit des teuren neuen Smartphones Schweiss, Regen, Matsch, Schnee und Erschütterungen aussetzen und außerdem verlangen dort auch noch andere Anwendungen nach Speicherplatz.

alte smartphones weiternutzen

Als MP3-Player ist ein Smartphone mit einer schlanken Musik-App kaum zu schlagen – hier SicMu.

2. Mediaserver

Für 4k-Videos wird sich ein sechs Jahre altes Smartphone kaum anbieten, aber für kleinere Formate oder vor allem Musik ist es ein Traum. Beispielsweise könnt Ihr wunderbar Eure Stereoanlage ins Heimnetz integrieren! Es gibt etliche Mediaserver-Apps, die von so ziemlich jedem Gerät im Heimnetz angesteuert werden können. Ganz einfach macht es Kodi, da es gleichzeitig Server und Client ist (allerdings verschlingt es relativ viele Ressourcen).

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Altes Smartphone als Mediaserver mit Kodi – hier für die Stereoanlage.

3. Webserver

Ein Webserver im Heimnetz? Aber sicher! Es gibt soooo viele Web-Anwendungen, die auch im Heimnetz Sinn machen: Kalender, (Familien-)Blogs, Schwarze Bretter, Info-Seiten (zum Beispiel für Vereine), Nachrichten-Sammlungen per RSS, Test-/Entwicklungsserver und so weiter. Eine simple App dafür wäre etwa der lightweight Web Server (lWS).

4. Backup-Ziel

Mit einer 128-Gigabyte-SD-Karte ist ein altes Smartphone ein nahezu perfektes Backup-Ziel: Es verbraucht wenig Strom und kann im Notfall (zum Beispiel ein Brand) schnell eingesteckt werden. Tendenziell könnt Ihr es auch in einem Safe oder feuerfesten Keller betreiben, sofern Strom und WLAN zur Verfügung stehen.

5. Spielkonsole

Ja, zocken tun die meisten auf ihrem ganz normalen Smartphone. Aber: Als dedizierte Konsole genutzt, könnt Ihr Strom und Speicherplatz ungehemmt den Spielen spendieren. Und Ihr könnt andere damit spielen lassen (wer gibt schon gern sein Smartphone aus der Hand?). Neue Spiele verlangen meist nach Leistung und vor allem Internetverbindung – wir haben eine Reihe schöner Offline-Spiele ohne Werbung aufgetan, die es bei F-Droid gibt.

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Auch Open Source kann hübsch: Apple Flinger – kommt Euch bekannt vor, oder?

6. Touch-Eingabegerät

Was können Smartphone und Tablets besser als PCs? Genau, Touch. Und darum lassen sich die Dinger auch wunderbar als Mausersatz oder Grafiktablett nutzen.

7. Fingerabdruckscanner

Und noch ein Feature, das den meisten Desktoprechnern abgeht: Über den Fingerabdruckscanner könnt Ihr Euch beispielsweise in Windows einloggen! Oder in SSH. Und vermutlich lässt sich damit auch noch viel mehr anfangen.

8. Fernbedienung

Tja, so trivial kann das Leben sein: Es gibt allerlei Fernbedienungs-Apps, um mit dem Smartphone beispielsweise Fernseher, Mediaserver oder sonstige Geräte zu bedienen. Klar geht auch das mit dem normalen Phone, aber so können es auch andere Haushaltsinsassen verwenden, es kann als Fernbedienung immer auf dem Couchtisch liegen und überhaupt, warum sollte man sich sein aktuelles Smartphone mit Dingen vollstopfen, die man außer Haus niemals benötigt?

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Fernbedienungen für Android TV und Kodi – nur mal als Beispiele.

9. Smart-Home-Steuerzentrale

Im Grunde eine Abwandlung der Fernbedienung: Der große Vorteil gegenüber Eurem Standard-Smartphone ist schlicht ein fixer Standort. So eine Steuerzentrale für Garage, Türklingel, Licht, Alarmanlage, Überwachungskameras und so weiter hat man doch lieber fix an der Wand, da hat man nicht immer die Zeit oder Muße, erst die Taschen nach dem Alltagsgerät zu durchsuchen. Außerdem wollen auch das garantiert ebenso die restlichen Mitbewohner nutzen.

10. Webcam

Und noch ein Hardware-Feature, das sich separat nutzen lässt: Für eine Überwachungskamera haben auch ältere Smartphones noch ziemlich gute Bildqualität. Wenn Ihr eine Fritzbox habt, könnt Ihr sogar die Fritz-eigene Fritz!App Cam nutzen.

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Die Fritz-Kamera-App kann auch als Bewegungsmelder dienen.

11. Fotorahmen

Was soll man dazu groß sagen? Dia-Show anwerfen, auf Dauerschleife stellen, fertig ist der digitale Fotorahmen … Einfach, aber besser als wegwerfen.

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Fotos halt …

12. Linux-Konsole

Ihr könnt ganze Linuxe als App installieren, einen Linux-Terminal via Termux nutzen oder Euch über SSH einloggen und dann am PC auf der Kommandozeile vom Smartphone arbeiten. Wenn Ihr ab und an mal einen Linux-Terminal braucht, ist ein laufender SSH-Server im Netzwerk eine feine Sache. Es gibt viele Möglichkeiten, einen SSH-Server aufzusetzen, allerdings werdet Ihr um ein wenig Bastelei oft nicht herumkommen, wenn Ihr wirklich damit arbeiten wollt. Dieser SSH-Server hat beim kurzen Antesten ganz gut funktioniert, aber es fehlen im Terminal zum Beispiel die Rechte zum Navigieren. Immerhin: Den Androiden quälen funktioniert – versucht’s mal mit while true; do echo hallo; done und schaut dann in einem Prozessmonitor auf dem Smartphone, was passiert. Sofern der Aufruf noch klappt ;)

13. Sensor

Smartphones haben einen ganzen Haufen Sensoren an Bord, etwa für Abstände, Helligkeit, Lautstärke, Bewegung, Magnete und wer weiß noch was. Und letztlich könnt Ihr jeden dieser Sensoren separat für die unterschiedlichsten Zwecke einsetzen. Vielleicht habt Ihr kleine Mitbewohner, die ständig die Tür gegen die Wand donnern? Mit dem Abstandssensor könntet Ihr eine entsprechende Warnmeldung kurz vor Einschlag initiieren … Naja, vielleicht fällt Euch noch was Besseres ein. Piepen bei Annäherung – da war doch was …

14. Klo-TV

Na gut, hätte man auch hübscher ausdrücken können (jaja ich weiß, drücken … scheisskomisch (jaja, scheiss-komisch …)). Aber Ihr kennt das: Man setzt sich auf den Bottich oder legt sich in die Badewanne und müht sich dann ab, Smartphone und Tablet irgendwie trocken, sichtbar und stabil aufzustellen. Warum nicht lieber ein altes Gerät fest und wassergeschützt verbauen? Mit einer modernen Kabel-Fritzbox taugt so ein Teil wunderbar als Mini-Fernseher, als Streaming-Client für Medien aus dem Heimnetz sogar ganz allgemein.

fritzbox als dvb-t-ersatz

Fritz!App TV macht alte Smartphones zu Klo-TVs.

15. Babyphone

Wer Kinder bekommt, bekommt auch ein Babyphone – und wer schon ein altes Android-Gerät hat, hat sogar schon ein Babyphone. Das alte Gerät liegt im Kinderzimmer, Euer normales dient als Empfänger und auf beiden muss einfach nur die Open-Source-App Protect Baby Monitor laufen. Und schon habt Ihr wieder ein paar Euro gespart. Und Partner/-in und Geschwister haben mit ihren Smartphones ebenfalls Empfänger.

Mit Internet-Zugang

Wenn Standards und Sicherheit noch auf dem aktuellen Stand sind, ergeben sich natürlich weitere Einsatzmöglichkeiten. Grundsätzlich geht das freilich immer auch mit dem Standard-Smartphone, aber feste Geräte, die immer an Ort und Stelle zur Verfügung stehen und bedienungsmäßig vielleicht auch passend konfiguriert sind, haben eben doch ihre Vorteile.

1. Info-Terminal

Wie wäre es in der Küche mit einem sprachgesteuerten Kochassistenten? Klebt das Teil an den Küchenschrank, konfiguriert es für einfache oder berührungslose Bedienung (mittels Google Assistant & Co.) und schon könnt Ihr auch mit buttrigen Händen kurz nach der Zuckermenge im Kuchen suchen. Oder in der Werkstatt per Zuruf eine Anleitung zum Lüften Eurer Bremsen aufrufen. Und das Beste: Wenn die Geräte einmal rein per Sprache einigermaßen zuverlässig funktionieren, könnt Ihr sie auch hinter einer Glasscheibe oder Ähnlichem in Sicherheit bringen.

2. Videokonferenzsystem

Smartphones haben Bildschirme, sie haben Mikrofone, sie haben Lautsprecher und sie sind ganz gut im Kommunizieren – ach nee. Warum das Ganze also nicht als Kommunikationssystem fix am Arbeitsplatz verbauen? Kein langes Suchen und Entsperren Eures normalen Smartphones, nutzbar auch für alle anderen, immer richtig positioniert – eben einfach. Apropos: Wenn Ihr es schon nicht braucht, richtet es doch für Oma, Opa, Enkel oder irgendwelche technikfernen Freunde und Verwandte ein – wenn die nur noch auf zwei Buttons klicken müssen, klappt’s vielleicht auch mit der modernen Kommunikation.

3. Fernzugriff

Es ist ganz einfach, von einem Smartphone auf einen entfernten Rechner zuzugreifen. Mit Programmen wie TeamViewer oder Fernwartungen wie VNC-Apps bekommt Ihr den Desktop entfernter Rechner ganz fix auf Euren Smartphone-Bildschirm. Mit einem alten Gerät könnt Ihr so zum Beispiel im Büro dauerhaft eine Verbindung zum heimischen Windows-Rechner aufbauen und bei Bedarf auf dessen Ressourcen zugreifen.

4. Navi

Mal ehrlich, wer braucht schon noch ein Navi? Die Navigation über Google Maps klappt hervorragend und somit ist ein Smartphone ein perfektes Navi, oder vielleicht eher das ausgediente Tablet, wenn man nicht nur nach Gehör navigieren will.

alte smartphones weiternutzen

Wer braucht schon ein Navi? Google Maps tut’s voll und ganz.

5. Nachrichten-Monitor

Auch als Zweitmonitore machen Smartphone und Tablet einen sehr guten Eindruck. Wenn es nur darum geht, Nachrichtenstreams zu verfolgen, eingehende Mitteilungen oder Mails zu sichten oder Live-Informationen wie Börsen- und Fußballticker im Auge zu behalten, sind separate Kleinstmonitore oft besser als noch mehr Fenster auf dem Desktop. Außerdem sieht man sieh auch noch bei Vollbildanwendungen.

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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