Eine vernünftige Hifi-Anlage ist immer noch der beste Mittelpunkt für Musik – kein Grund, auf Streaming und MP3s zu verzichten. Ihr könnt die Anlage günstig mit Einplatinenrechnern wie dem Raspberry Pi oder spezieller Hardware ins WLAN bringen oder sogar ganz kostenlos mit einem alten Smartphone – alles hat seine Vor- und Nachteile.

Es gibt schier unendliche Möglichkeiten und Technik-Setups, um das Zuhause mit Musik aus dem (Heim-) Netz zu beschallen – aber mal ehrlich, ist bei Euch nicht vielleicht doch noch die Hifi-Anlage der musikalische Mittelpunkt? Wer einen ordentlichen Verstärker sein Eigen nennt und gute altmodische Boxen daran betreibt, wird keinen Bock auf neumodischen Bluetooth-Multi-Room-Streaming-Miniboxen-Terror haben. Klar hört man darauf lieber einzelne CDs oder auch wieder Vinyl, aber bisweilen wäre es doch schön, einfach auf der Couch zu sitzen und die Hifi-Anlage was vom Handy dudeln zu lassen – und dafür stellen wir Euch drei Möglichkeiten zwischen 0 und 50 Euro vor.

Das Ziel

Um die Stereoanlage zu vernetzen, benötigt Ihr ein Stück Hardware, das WLAN hat, einen analogen Audioausgang und einen Audioplayer betreibt, der sich per Smartphone oder sonst einem Rechner im LAN steuern lässt. Am besten wäre es, wenn das Teil auch noch direkt bedient werden kann – wie jede andere Komponente einer klassischen Hifi-Anlage auch. Das kann aber nur unsere Gratis-Lösung 😉

Die Fertig-Lösung für 35 – 50 Euro

Schaut Euch bei Amazon um, dort gibt es allerlei WLAN-Audioplayer, beispielsweise den Auvisio SMR-20. Die Handhabung ist denkbar einfach: Per Klinke-an-Cinch-Kabel an die Stereoanlage, Gerät ins WLAN einbinden, App installieren, Musik über DLNA, Airplay, Spotify Connect oder Qplay streamen – oder einfach vom angeschlossenen USB-Datenträger. Da es sich um einen UPnP-Client handelt, sollte die Bedienung auch mit sämtlichen UPnP-Control-Points (mehr zu UPnP) funktionieren – wohlgemerkt sollte, wir haben das Teil nicht hier zum Testen. Der wichtige Punkt bei solchen Lösungen: Sie sind einfach, bisweilen aber weniger flexibel als Selbstbau-Varianten. Wer „einfach nur Musik hören“ will und keine bestimmten Ansprüche stellt, dürfte hier glücklich werden.

Vorteile:

  • Weitgehend Plug&Play
  • Vernünftige Audioqualität

Nachteile:

  • Große Auswahl -> viel Schrott
  • Flexibilität vor Kauf nie ganz klar
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Spezialist: Fertiger Hifi-Vernetzer machen das Leben einfach – wenn die Ansprüche passen. Quelle: Auvisio

Die Bastel-Lösung ab 40 Euro

Wie sollte es anders sein, auch Raspberry Pi & Co. bieten sich für den Job an. Für die meisten Nutzer dürfte die einfachste Lösung so aussehen: Bestückt den Raspi mit Kodi, beispielsweise über das Komplettsystem Xbian, richtet Kodis Musikbibliothek ein, konfiguriert die Audioausgabe für den analogen Klinkenausgang und schließt ihn wenn alles läuft an der Anlage an. Fortan bedient Ihr Kodi mit Kodi-eigenen Fernbedienungs-Apps wie Kore oder Yatse vom Smartphone aus oder auch über den Browser. Alternativ funktionieren auch hier alle UPnP-Control-Points. Als Quelle frisst Kodi natürlich so ziemlich alles: Lokale Dateien, Netzwerkfreigaben, UPnP-Server und über Add-ons auch Dutzende Internetdienste, Youtube und so weiter. Der wichtige Punkt hier: Raspi+Kodi ist immer mit ein wenig Bastelei verbunden, es gibt nach wie vor keine Bedienung direkt an der Anlage und die Qualität der analogen Audioausgabe ist unter aller Sau. Aber es muss ja nicht der Raspi sein, andere Einplatinenrechner tun es auch, etwa das Asus Tinker Board.

Alternativ lässt sich natürlich auch eine externe USB-Soundkarte anschließen, dann dudelt der Raspi in hervorragender Qualität.

Vorteile:

  • Größtmögliche Flexibilität
  • Kann auch als komplettes Mediacenter fungieren
  • Falls Raspi: Viel Support

Nachteile:

  • Falls Raspi: Niedrige Qualität oder USB-Soundkarte benötigt
  • Mehr Bastelei
  • Keine Bedienung an der Anlage
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Wer kennt ihn nicht, den Raspi-Haufen – leider wird der analoge Audioausgang dadurch auch nicht besser.

Die Hätte-ich-auch-drauf-kommen-können-Lösung für 0 bis 60 Euro

Nun gut, kostenlos ist diese Lösung nicht für alle machbar – aber für alle, die noch ein altes Smartphone herumliegen haben. Und wer hat das nicht? 😉 Kodi läuft nämlich mittlerweile wunderbar auch auf Smartphones – und so lange es nur um Musik geht, tut’s auch ein leistungsmäßig eher mäßiges Modell. Installiert Kodi aus Google Play, klemmt Klinken- und Stromkabel an, richtet die Medienbibliothek ein und fertig ist eine hervorragende Vernetzung für die Hifi-Anlage. Wenn Ihr nicht streamen, sondern lokale Medien abspielen wollt, geht das natürlich auch, Handy-Speicher plus SD-Karte genügt selbst für riesige Musiksammlungen. Wichtig hier: Es gibt eine Bedienung direkt an der Anlage und Euch steht die gesamte Funktionalität des Kodi-Universums zur Verfügung. Übrigens: Selbst wenn Ihr kein Handy herumliegen habt, ist die Variante eine Überlegung wert, ältere Smartphone-Modelle und Billigheimer kosten auch nicht mehr als etwa ein Raspi plus Touchscreen.

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Ausgediente Smartphones sind super Hifi-Vernetzer – fehlt nur noch der DAC.

Die Audioqualität hängt starkt vom Modell ab, aber ein Kopfhörerausgang ist eben nicht sonderlich audiophil ausgelegt. Wenn Ihr das Setup ordentlich pimpen wollt, legt Euch einen Kopfhörerverstärker beziehungsweise D/A-Wandler (englisch DAC) zu – die gibt es für 20 bis viele Hundert Euro. Wenn Ihr hier den Preis für eine Fertig-Lösung anlegt, habt Ihr da vermutlich deutlich mehr von, als von eben einer solchen Fertig-Lösung.

Vorteile:

  • Tendenziell kostenlos
  • Bedienung direkt an der Stereoanlage
  • Volle Flexibilität dank Kodi
  • Mit DAC die perfekte Lösung

Nachteile:

  • Audioqualität variiert nach Handy-Modell

Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Am Anfang war der C-64 des großen Bruders des besten Freundes in der Grundschule ...

Der echte Technikwahn kam dann mit einer Ausbildung bei Saturn - als Computer noch erklärt werden mussten, Soundkarten benötigten, ein gutes Monatsgehalt kosteten und das Internet nur bei Nerds und mit 38 kbp/s lief, bestenfalls.

Ein Studium der Informationswirtschaft und ein paar Jahre als Redakteur bei Data Becker später, sitzt hier ein freier Journalist, der auf Old-School-Computing (cli ftw!), Free Software, Frickelei, Kodi und "Hundedinger" steht - und Grauseligkeiten wie Bild und Heftig.co zutiefst verabscheut.

Und sonst so? Sauerländer, BSI-Mitarbeiter, untalentierter Musikinstrumentebesitzer und seit 24 Jahren Skateboarder, ein ziemlich alter. Und manchmal kommt das abgebrochene Philo-Studium wieder durch ...

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1 Kommentar

  • Eine weitere hervorragende Lösung für Nutzer von Streaming-Diensten ist der Chromecast Audio. Das Ding holt sich die Musik direkt aus dem Internet, der Sound ist super, es ist Multiroom-tauglich (sprich: mit zwei oder drei davon kannste ganze Häuser mit der gleichen Musik beschallen) und es funktioniert tadellos. Für lokale Musiksammlungen isses aber leider nur bedingt geeignet. Andererseits kann beispielsweise DS Audio Musik von einer Synology-NAS direkt auf dem Chromecast abspielen, geht also auch 🙂

    Hab mir eins im Angebot für 29 Euro geschossen und es hat binnen einer Stunde meine vorherige Raspi-Kodi-Lösung in Rent geschickt…

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