Eine Google-Suche für das Darknet lässt noch auf sich warten – bis dahin zeigen wir Euch vier Alternativen. Und zwei davon gefallen richtig gut!

Das Darknet zu betreten ist einfach, dort Dinge zu finden eher nicht. Wir haben Euch hier 15 und hier nochmal 10 Seiten mit Links aufgelistet, für den Einstieg. Aber eigentlich wollt Ihr ja eine Art Google-Suche haben. Wir stellen Euch vier Suchmaschinen kurz vor.

Suche im Dunkeln

Zunächst mal für alle Darknet-Einsteiger: Die Qualität einer Google-Suche gibt es hier nicht, aus vielen Gründen. So tauchen etwa die Hidden Services, also die Darknet-Seiten, schnell auf, aber auch schnell wieder unter. Sie lassen sich auch nicht wie im WWW einfach indexieren, es fehlen die großen Unternehmen, die entsprechende Dienste aufbauen würden und so weiter.

Für einen oberflächlichen Schnelltest haben wir nach „cryptography“ gesucht – ein Thema, das ins Darknet passt, aber legal ist ;) Für die Wertung haben wir geprüft, wie viele Links auf die ersten 10 Treffer tatsächlich funktionieren (up) und wie viele davon relevant sind. Wie gesagt, hier geht’s primär ums Vorstellen, nicht ums Testen – es soll einen ersten Eindruck vermitteln.

Ahmia – 7/10 up, 7/10 relevant

Ahmia gibt es bereits seit September 2013 und im Gegensatz zu vielen anderen Darknet-Angeboten ist Ahmia erfreulicherweise nicht komplett anonym. Gründer ist der finnische Entwickler Juha Nurmi, CEO der Data-Mining-Firma Dignify, und das Projekt ist auf GitHub zu finden. Ahmia gibt eine Partnerschaft mit HERMES Center for Transparency and Digital Human Rights an und wurde in Teilen über den Google Summer of Code finanziert.

Die Suchmaschine gibt es im normalen WWW und natürlich auch im Darknet selbst. Es gibt auf der Seite einige Infos zur Technik, eine Kontaktmöglichkeit und eine Suche nach Onion-Adressn in Ahmias Blacklist.

Nur drei von zehn Links waren tot, für das Darknet ein guter Wert. Vor allem aber sind alle sieben Treffer relevant und bieten vernünftigen Content. Und man wird nicht mit der typischen 90er-Jahre-Blink-Blink-Werbung traktiert. Ahmia funktioniert wirklich gut! Nun, wenn eine Suche nach puppy kaum Treffer bringt und Ahmia googlemäßig fragt Did you mean pussy?, dann ist das wohl eher dem Darknet als Ahmia geschuldet …

msydqstlz2kzerdg.onion

Übrigens: Ahmia bietet auch noch eine I2P-Suche.

Torch – 1/10 up, 1/10 relevant

Torch ist die vielleicht bekannteste Suchmaschine im Darknet, leicht zu erkennen an dem unsäglichen Werbegewimmel. Immerhin gibt es eine erweiterte Suche über den extended-Link: Hier könnt Ihr die Suche einschränken (etwa nur im Titel suchen) und erweitern (etwa Wortteile finden). Hinzu kommen einige Infos vor allem für Werbekunden, unter anderem, dass die Firma Area23 Advertising Services die Werbung verwaltet.

Im Test waren ganze neun der ersten zehn Treffer tot, immerhin war die einzig aktive Seite relevant (wenn auch nur ein wenig hilfreicher Foreneintrag). Tipp: Torch sortiert standardmäßig nicht nach Relevanz, sondern nach Änderungsdatum, was hier zum Beispiel ausschließlich Treffer einer Social-Media-Plattform zu Tage brachte.

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TorDex – 6/10 up, 3/10 relevant

Yeeehaawww, auch bei TorDex sind die 90er zurück – es blinkt und blinkt und blinkt ;) Infos gibt es auch hier nicht, aber immerhin eine Kontaktmöglichkeit (anonyme Email), ein Formular zum Buchen von Werbung und eines zum Anmelden von eigenen Seiten.

Vier Seiten waren gar nicht erst zu erreichen, eine Seite war doppelt, eine führte zum Hidden Wiki (qbte2zxvhjk6bftp.onion/) und eine weitere zeigte nur ein Bild – bleiben drei relevante Treffer: Eine Linkliste vom GnuPG-Projekt (ic6au7wa3f6naxjq.onion), die Anmeldung zu einem Newsletter und einen Blog zum Thema IT (7pd3i34noxnxolha.onion/). TorDex ist die einzige der vier Suchmaschinen, die keine Cache-Versionen der Suchtreffer anbietet.

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not Evil 6/10 up, 6/10 relevant

not Evil bekommt allein für den Namen einen Extrapunkt, Ihr wisst schon warum. Mehr Pluspunkte: Non-Profit-Projekt (=keine Werbung), Zork im Browser, Kontaktformular, API und einen (irgendwie obskuren) Chat für Nutzer (zum Tauschen von Links). Wer Zork standardmäßig als Browserspiel in seine Suche einbaut, muss einfach supi sein.

Das Ergebnis ist fast so gut wie bei Ahmia: Vier Seiten sind nicht erreichbar, alle anderen sind relevant. Allerdings war auch ein komplettes Kryptographiebuch als PDF dabei – guter Content, aber tendenziell illegaler.

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Fazit

Ahmia und not Evil machen einen wirklich guten Eindruck, TorDex und Torch bestätigen die typische Darknet-Erfahrung: Viele tote Links, viel Nutzloses. Bei Ahmia ist besonders symphatisch, dass sich die Macher persönlich zu erkennen geben und der Quellcode zur Verfügung steht. not Evil schafft es vor allem symphatisch rüber zu kommen – es stinkt an jeder Ecke angenehm nach Nerdkultur. Qualitativ lagen beide sehr nah beieinander.

Auch weitere Spielereien mit den Suchmaschinen bestätigen den Eindruck, versucht Euer Glück mit Ahmia und not Evil. Natürlich kann es bei anderen Themen wieder anders aussehen, zumal es schwer ist zu sagen, welche Suchmaschine wie umfangreich blacklistet. Bei not Evil und Ahmi lassen sich Suchtreffer jedenfalls bei Bedarf direkt per Link als unangemessen melden.

Immerhin gab’s im Testlauf nicht einen Verweis auf irgendwelche, Verzeihung, Scheissdreckseiten. Eine kurze Testsuche nach „porn“ zeigt aber auch wieder ganz fix, dass keine der Suchmaschinen alle Seiten mit kinderpornografischem Material, Sodomie, Gewalt und sonstigem Mist erfolgreich herausfiltert. Zumindest laut Titeln in der Trefferliste; die anzuklicken sollte man sich ersparen.

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Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Checkmk-Handbuchschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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