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Fake-Bewertungen sorgen für Frust beim Onlineshopping (Bild: OpenClipart-Vectors/Pixabay + Screenshot)

Das fette Geschäft mit Fake-Bewertungen bei Amazon und Co.

Online-Händler machen mit Fake-Bewertungen, die ein Produkt besser dastehen lassen, Kasse. Wir zeigen, welche Tricks sie anwenden und wie Ihr gefälschte Rezensionen erkennen könnt.

Produktbewertungen sollen eigentlich beim Einkauf helfen: Gute Produkte erhalten gute Bewertungen, schlechte eben nicht. So fällt die Auswahl leicht, zumindest in der Theorie. Dumm nur, dass das auch Hersteller und Händler das inzwischen wissen. Und mit allen Mitteln versuchen, die Bewertungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Doch wann ist eine Bewertung falsch? Und wie könnt Ihr sie erkennen? Wir helfen Euch dabei, nicht in die Bewertungs-Falle zu tappen.

Bewertungs-Betrug

Die wohl wichtigste Plattform, bei der Fake-Bewertungen zum Einsatz kommen, ist Amazon. Denn hier konkurrieren gerade im Bereich des China-Rödels zahllose Anbieter miteinander. Das Problem betrifft hier vor allem den typischen Kleinkram, vom Besteck-Set über Lampen bis hin zu Kabeln, Adaptern, Akku-Packs und Smartphone-Cases. Damit Ihr mich nicht falsch versteht: Viel von dem Fernost-Gedöns ist durchaus in Ordnung, aber es gibt eben auch zahllose Ausreißer in Richtung „Kernschrott“. Von den auf der Plattform grassierenden Produktfälschungen ganz abgesehen. So oder so bedienen sich Händler gerne gefälschten Bewertungen, um ihr Produkt besser dastehen zu lassen, als es möglicherweise ist. Zudem sorgen viele positive Bewertungen auch für ein besseres Ranking in der Amazon-Suche. Gerade bei Produkten, die einfach von jedem angeboten werden – USB-C-Kabel zum Beispiel – kann ein halber Stern über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

Sieht nach Fake aus, ist aber hier tatsächlich keines: Das Produkt scheint wirklich gut zu sein. (Bild: Screenshot Amazon.de)
Sieht nach Fake aus, ist aber hier tatsächlich keines: Das Produkt scheint wirklich gut zu sein. (Bild: Screenshot Amazon.de)

Händler fälschen Bewertungen proaktiv

Wohl auch deshalb vergeht kein Tag, in dem hier nicht irgendeine Mail von einem China-Rödel-Hersteller aufläuft: Ob wir nicht einmal dieses oder jenes Produkt testen und natürlich auf Amazon bewerten wollten? Das Produkt gibt’s natürlich gratis, und schon schreiben Menschen Bewertungen, die sonst keine geschrieben hätten. Und diese testen das Gratis-Produkt natürlich gerne positiv. Früher haben die Händler ihre Produkte noch direkt verschickt, inzwischen sind sie dazu übergegangen, mit Rückerstattungen zu arbeiten, sprich: Man soll das Produkt erst kaufen, dann einen Beleg vorlegen. Die Rückerstattung erfolgt dann via Paypal oder über ein anderes Zahlungssystem.

Rezensions-Geier bieten Refund via Paypal, um scheinbar echte Käufe zu erzeugen.
Rezensions-Geier bieten Refund via Paypal, um scheinbar echte Käufe zu erzeugen.

Echte Bewertung, aber…

Der Hintergrund: Man möchte „echte“ Bewertungen fälschen: Durch Amazons Qualitätssiegel „Bestätigter Kauf“ erhalten die Fake-Bewertungen ein ganz anderes Renommee. Und sogenannte Produkttester-Plattformen, etwa „Club der Produkttester„, führen Anbieter und Bewertungsschreiber ganz einfach zusammen. Das perfide an diesem System ist, dass es sich im Grunde um echte Bewertungen handelt, nur wurde das Produkt eben verschenkt und nicht verkauft. Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht oder zumindest weniger ins Maul, wodurch die Rezensionen in aller Regel deutlich positiver sind, als wenn ein Produkt, möglicherweise für einen überhöhten Preis, regulär erworben worden wäre. Amazon schiebt dieser Praxis eigentlich im Rahmen seiner Richtlinien einen Riegel vor:

Vergütungen jeglicher Art für Rezensionen oder Votes über die Nützlichkeit verfasster Rezensionen sind nicht gestattet.

Einzig: Scheinbar wird das nicht wirklich kontrolliert, denn die Plattform ist voll von Fake-Bewertungen. Zumal es einen Graubereich gibt: Amazon Vine etwa ist die offizielle Lösung des Anbieters für Produktbewertungen. Allerdings gibt es hier die Maßgabe, ehrliche Bewertungen abzugeben; der Produkttester wird selbst als „hilfreich“ bewertet nimmt einen möglichst neutralen Test als „Ehre“, wodurch natürlich auch schlechte Bewertungen erzeugt werden. Nichts für Rödel-Fabrianten also, da das Vine-System deutlich seriöser ist. Derart entstandene Rezensionen werden mit „Produkttester-Programm“ gekennzeichnet. Überhaupt müssen gesponsorte Bewertungen eigentlich als „Gesponsort“ gekennzeichnet werden.

Billig-Fakes sind leicht erkennbar

Manch anderer Hersteller fährt daher auch eine andere Strategie: Mit Billig-Fakes können schnell viele Produktbewertungen erzeugt werden. Das passiert nicht nur bei Amazon, sondern auch bei anderen Webshops. Spezialisierte Dienstleister bieten hier die Leistung an, dass Bewertungen, oft im großen Stil, eingekauft werden können. Wer „Amazon Bewertung kaufen“ googelt, findet auch gleich zahllose auf genau diese Form des Marketings spezialisierte Agenturen, die Kundenrezensionen verkaufen. Deren Qualität ist aber in aller Regel durchmischt. Das Augenmerk der Händler liegt hier darin, möglichst viele Rezensionen mit möglichst hoher Sternewertung zu erzeugen, um gut in der Amazon-Suche gelistet zu werden. Liest man diese, stößt man schnell auf Unstimmigkeiten. Dazu später. Fakt ist aber: Bis auf offizielle Rezensionen des Amazon-Produkttester-Programms oder Meta-Bewertungen wie etwa die Händler-Bewertungen bei Ebay kann man das Bewertungssystem im Allgemeinen vergessen. Das wissen auch viele Kunden, die bei reinen 5-Sterne-Bewertungen bereits kritisch reagieren und das Produkt möglicherweise links liegen lassen.

Viele positive Bewertungen, aber auch viele negative. Hier ist Vorsicht geboten.
Viele positive Bewertungen, aber auch viele negative. Hier ist Vorsicht geboten.

Fake-Bewertungen: Das sind die Indizien

Die Entlarvung von Fake-Rezensionen und -Bewertungen auf Amazon und Co. ist sicherlich keine Raketenwissenschaft, trotzdem setzt sie sich aus mehreren Aspekten zusammen. Zunächst sollte man aber einfach annehmen, dass die Rezensionen echt und das Produkt weitestgehend OK ist, alles andere wäre seriösen Shops, Händlern und Herstellern mit guten Produkten gegenüber unfair. Allerdings gibt es Kriterien, die jeden Nutzer stutzig machen sollten. Indizien für Fake-Bewertungen sind unter anderem:

  • Viele, sehr gute Bewertungen für ein relativ banales oder unbeliebtes Produkt.
  • Das Fehlen schlechter oder mittlerer Bewertungen.
  • Sehr kurze Bewertungstexte.
  • Bewertungen mit deutlichen Defiziten in der Muttersprache der Plattform deuten auf gekaufte Fakes hin. (Achtung: Hier kann die Ursache auch ein automatischer Rezensionen-Übersetzer sein, den Plattformen wie etwa Booking.com einsetzen)
  • Viele sehr lange Bewertungen mit hohem „Jubel-Faktor“ für ein Produkt, was schlicht zu simpel ist, um diesen Bewertungsaufwand zu verdienen, etwa Kabel oder Displayschutz-Folien. Hier spricht viel für mit geschenkten Produkten gekaufte Rezensenten.
  • Extrem viele positive Bewertungen für ein gerade erschienenes Produkt.
  • Sehr viele gute und gleichzeitig bei vielen sehr schlechten Bewertungen.
  • Viele der positiven Bewertungen und Rezensionen ohne Hinweis auf „verifizierten Kauf“ oder „Produkttester-Programm“.
  • Produktrezensenten haben „seltsame“ Namen oder sonst nur wenige Bewertungen im eigenen Profil.
  • Falls es schlechte Bewertungen gibt, solltet Ihr diese zuerst lesen. Wird hier ein Problem wiederholt genannt, dürften die sehr positiven Bewertungen Fakes sein.

Achtung: Es gibt auch negative Fake-Bewertungen, etwa von Mitbewerbern, die das Konkurrenzprodukt schlecht reden möchten. Auch hier gelten die oben genannten Regeln. Außerdem greift unser System vor allem bei Medien nicht: Die Bewertungen für Filme, Bücher und Musik sind in aller Regel stark vom persönlichen Geschmack geprägt und dementsprechend ohnehin nie zuverlässig. Nur, weil ein Film allen Leuten gefällt, muss er schließlich nicht Euch gefallen. Stichwort Transformers 2 – Die Rache, der bei Amazon satte 4,3 Sterne kassiert. Merke: Manchmal sind die anderen Rezensenten auch einfach nur dämlich, ohne dass ein Fake dahinter steckt.

Falsche Bewertungen mit ReviewMeta entlarven

Zudem gibt es noch die Möglichkeit, Produktbewertungen automatisiert auf ihre Glaubwürdigkeit zu testen. Der Online-Dienst ReviewMeta erlaubt das kostenlose Checken von Amazon-Produktseiten auf gefälschte Profile. Kopiert einfach die URL des Produkts, dessen Bewertungen Ihr nicht so recht glauben mögt, in den Dienst.

ReviewMeta gibt "bereinigte" Sternewertungen aus. (Bild: Screenshot ReviewMeta.com)
ReviewMeta gibt „bereinigte“ Sternewertungen aus. (Bild: Screenshot ReviewMeta.com)

ReviewMeta analysiert die Produktseite daraufhin auf gefälschte, gelöschte und anderweitig problematische Bewertungen und Rezensionen. Diese werden ausgefiltert, das Tool errechnet anschließend eine „echte“ Sternebewertung. Die ist zwar auch nur auf Basis von Datenbanken und Machine-Learning erstellt, gibt aber einen Hinweis auf die Durchseuchung der Amazon Produktseite mit falschen Bewertungen.

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs.
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5 Kommentare

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  • Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Ich habe mich mehr oder weniger auf die AMAZON Bewertungen verlassen.
    Zugegeben:
    manchmal sind die Bewertungen doch extrem widersprüchlich.
    Auch das China-deutsch gibt immer wieder Anlaß zum Schmunzeln.
    Das Groteske sind oft die Produktbeschreibungen, die einen zur Verzweiflung treiben. Ist aber hier nicht das Thema.

    Den Tipp mit ReviewMeta werde ich mal testen.
    Zusätzlich sollte man bedenken, daß man an teure, aber hochwertigere Produkte
    strengere Maßstäbe legt, und im Endeffekt das Billigprodukt besser wegkommt.
    (Preis-Leistungsverhältnis plus Masse der Käufer). Geiz ist Geil.
    Mit Objektivität hat das sicher wenig zu tun.
    Nach spätestens 2 Jahren sind die Sachen sowieso kaputt, aber das macht nix. Einkaufen macht eben auch Spaß. (Das ist ernst gemeint)
    Greta Thunfisch trifft da einen Nerv: unser schlechtes Gewissen. Auch wenn sie nicht versteht, von was sie redet.
    Aber ich will nicht anfangen, zu moralisieren. Das machen andere schon zu Genüge. Ansonsten:
    interessante Seite, reite selber einen TUX. haha!

  • Na ja, das sollte man immer differenziert betrachten. Es ist für einen Händler einfach nicht wirtschaftlich, schlechte Produkte künstlich oben zu halten.
    Wenn Du 100 x deinen Artikel vergünstigt oder kostenlos rausgibst um vielleicht 10 oder 20 oder 30 Bewertungen zu erhalten, dann täglich 50 Artikel davon verkaufst wirst Du sehr schnell zurück fallen, wenn die echten Käufer deinen Artikel schlecht bewerten und zurück schicken.
    Diese Maßnahmen helfen in der Regel nur gute Produkte schnell nach oben zu bringen, aber nicht schlechte Produkte dauerhaft oben zu halten. Es ist einfach nicht wirtschaftlich schlechte Artikel künstlich zu pushen und wenn dein Mitbewerber dich negativ bewertet, dann hast Du eigentlich keine andere Wahl als dich um Bewertungen zu kümmern. In der Regel bewertet vielleicht jeder 1000te zufriedene Kunde, dagegen jeder Dritte der nicht mit allem einverstanden ist und was das für dein Business oder deine Quoten bedeutet, ist auch jedem klar.

    • Nur zur Einordnung für Euch Kommentar-Leser: Der Link in dem obigen Kommentar zeigt auf eine Seite von einem Anbieter für „… unabhängige verifizierte Bewertungen von echten Personen vom günstigen Anbieter.“ Also möglicherweise jemand vom Fach.

      Lustigerweise gilt das auch für den Kommentar weiter unten.

  • Ach Leute, wie lahm ist das denn? Bevor man sich eine Packung Kopierpapier für 3,99€ bei Amazon bestellt, sollte man erst mal alle Bewertungen auf Stimmigkeit prüfen. Und dann vielleicht noch bei Review Meta durchjagen, ob der Verkäufer dort nicht schlechte Presse hat? Ein bisschen einfältig alles, oder? 1. Review Meta spuckt leider immer wieder falsche Ergebnisse aus. Au weiha, sind die jetzt falsch positiv oder falsch negativ? Oder vielleicht sogar gefaked – who knows? 2. Vielleicht sollte man sich einfach mal über das Fernabsatzgesetz informieren und das eigene Gehirn einschalten? Ist für manche recht anstrengend, aber es lohnt sich hin und wieder. 😉
    VG, content-werkstatt

    • Ach komm, so einen Werbelink kann man doch besser unterbringen – auf dieser Seite kann sich jeder selbst ein Bild machen, wo diese Vorbehalte gegen das Prüfen von „Nutzerwertungen“ wohl herkommen könnten:

      https://www.content-werkstatt.com/rezensionen-bewertungen/

      Auch sehr schön, noch ein Zitat von Eurer Website bezüglich der Vergütung für Tester:

      „Wenn es um das Testen von Produkten geht, gehen diese nach dem Test stets in Ihr Eigentum über.“

      Und da sprecht Ihr nicht von Beeinflussung? Von Verzerrung? Nein? Ich glaube natürlich sofort, dass Ihr Eure Tester nicht anhaltet bestimmte Wertungen zu vergeben – könnte ja auch Ärger geben. Aber bleiben Tester auch Eure Tester, wenn sie ständig nur Rezensionen schreiben, die Eure Kunden ganz sicher nicht online sehen wollen? Und selbst wenn es offiziell so sein sollte, glaubt wirklich irgendwer, Eure Tester wüssten nicht wie das Spielchen läuft und worauf es hinaus läuft?

      Ach lustig, ich könnte mir den Mund fusselig reden 😉 Aber warum sollte ich? Ihr seid nun mal Marketing-Menschen – und es ist nicht die Aufgabe von Marketing-Menschen, PR’lern und sonstigen indirekten Verkäufern ehrlich zu sein.

      Aber ich gebe Dir Recht, wer Werbung ernst nimmt, sollte wirklich sein Hirn einschalten. Und wer Werbern glaubt auch.

      P.S.: Das mit dem Fernabsatzgesetz, das soll ich jetzt aber nicht so verstehen, dass ich einfach kaufen und bei Nichtgefallen zurückschicken soll, statt auf Kundenwertungen zu hören, oder? Solche Gedanken fänden Eure Kunden bestimmt total knorke.

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