Künstliche IntelligenzSoftware

Vibe-Coding ist super – oder?

KI-Coding, sogenanntes Vibe-Coding, liegt im Trend. Warum wir das ausnahmsweise nicht für KI-Slop halten.

Auch wenn alte Hasen im Programmierbetrieb es nicht mögen: Vibe-Coding liegt im Trend – und demokratisiert die Programmierung. Das zeigt sich bei uns vor allem durch zahlreiche Anfragen von Programmierern in letzter Zeit. Die hätten gerne, dass wir ihre Tools vorstellen. Was ich an dieser Stelle in Form eines Sammelartikels auch tun werden. Aber zunächst ein paar Worte zu Vibe-Coding.

Vibe-Coding: Eigentlich nur ein logischer Schritt

Nein, ich bin kein Freund der sich immer stärker aufbauenden KI-Slop-Welle, die Kreative nur so hinwegspülen wird (oder schon spült). Bei Texten, Bildern, Fotos, Grafiken, Filmen, Memes hasse ich den KI-Driss und schätze die Arbeit echter Menschen. Sofern sie denn gut ist.

Der grafische KI-Slop im Netz und "Döner-Slop" im öffentlichen Raum nimmt inzwischen derart Überhand, dass ich mich übergeben möchte. Plus: Hinter jedem KI-generierten Menü, hinter jedem Aufsteller und Poster steckt ein Designer, der keinen Auftrag bekommen hat und seinen Kindern keine neuen Schuhe kaufen kann. So, jetzt wisst Ihr das! Macht also bitte Folgendes:

  • IGNORIERT ALLE, DIE KI STATT KREATIVARBEIT NUTZEN!
  • Esst nicht bei Imbissen und Restaurants mit KI-Plakaten.
  • Geht nicht zu Stadtfesten mit KI-Plakaten.
  • Kauft keine KI-Slop-Bücher.
  • Teilt keine KI-Slop-Videos.
  • Folgt keinen KI-Slop-Youtubern
  • Entfreundet jeden, der "Chatty" sagt oder zu Chatty rät
  • Hört einfach auf, den Mist zu benutzen
  • usw. usf.

Die große KI-Ausnahme: Vibe-Coding!

Doch so sehr ich KI-Slop hasse: Beim Vibe-Coding mache ich eine Ausnahme: Das finde ich gut. Und das hat zwei Gründe: Zum einen bin ich selbst kein Coder, hätte diese Superkraft aber gerne. Aber: Ich code auch nicht mit "Claudi", denn ich bin Mitte 40 und will gar nicht mehr coden, nehme also auch niemandem die Butter vom Brot.

Viel wichtiger ist aber der zweite Grund: Ich finde, genau für solche Menschen wie mich demokratisiert Vibe-Coding die Programmierung. Und anders als bei den anderen KI-zerstörten Kreativbereichen funktioniert die menschliche Kreativität hier mit KI-Unterstützung besonders gut. Der Coder muss sich Tricks und Kniffe, die er vielleicht nicht gelernt hat, nicht aneignen. Stattdessen kann sich vom eigentlichen Coden freimachen und einfach seine Idee in seine Programme einfließen lassen.

Das ist das Gleiche wie beim Text und Grafik mit Chatti? Oder Bildern mit Gemmi? Nein, ist es nicht. Denn Programmiercode und -sprachen waren und sind schon immer eine technische Hilfestellung, um Menschen die Programmierung überhaupt erst zu ermöglichen. Zwischen Software-Idee und -Umsetzung steht seit jeher die Fähigkeit, Computer zu programmieren. Das zunächst über Schalter mit 0 und 1, später über Assembler oder höhere Programmiersprachen wie C++ oder Python. Am Ende sind das aber nur Krücken, um Menschen eine möglichst komfortable Binärschaltung des Rechners zu ermöglichen.

KI-Coding killt keine Kreativität

So, und warum ist KI hier jetzt OK und andernorts nicht? Nun: Weil die KI beider Software-Entwicklung tatsächlich einen Mehrwert bietet, ohne Kreativität zu töten. Denn die Idee und die Form stammen nach wie vor aus dem menschlichen Kopf, aber die Gatekeeper-Ebene "Coding-Fähigkeit" entfällt! Damit kann jeder, auch Anwender, die nicht coden können, Software entwickeln – und das ist gut. Auch wenn etablierte Entwickler natürlich meckern.

Der Unterschied zur Text- und Bild-Slop-Maschinerie ist, dass die Idee an sich deutlich komplexer ist. Anders als bei Texten und Bildern, wo in der Regel ein Prompt für... sagen wir... okaye? Ergebnisse reicht, müssen Entwickler nach wie vor entwickeln. Man kann Claude nicht zurufen, eine App zum Thema XY zu erstellen und es kommt ein fertiges Produkt heraus. Der Entwickler muss nach wie vor Hirnschmalz investieren, um es gut und vor allem verwendbar zu machen.

Im Umkehrschluss ist Vibe Coding nur ein Werkzeug – und kein Ersatz. Das bedeutet nicht, dass ich die Entwicklung insgesamt gut finde, denn natürlich verlieren aktuell viele Entwickler, vor allem die, die direkt am Code arbeiten, ihre Jobs. Aber sie können auch aufsteigen: Die KI ersetzt die Fleißarbeit, der Entwickler kann sich auf die Idee und ihre Umsetzung mit KI konzentrieren.

Für freie Softwareentwickler entwickeln sich dadurch Geschäftsmodelle. Und für User wird es eine Flut neuer Software geben, die Nischen bedient, die sich sonst nicht gelohnt haben. Im Grunde also eine Win-Situation für alle Beteiligten. Auch wenn "klassische" Coder den von der KI generierten Code natürlich ähnlich skeptisch betrachten wie meinereiner KI-Text und KI-Werbeplakate.

Viele neue Vibe-Coding-Apps für Mac und Windows

So, aber genug gemeckert und gelobt: Hier die Apps, die in den letzten Tagen bei uns aufgelaufen sind. Die Entwickler haben uns angeschrieben, damit wir die Tools kurz vorstellen. Wir haben sie jetzt nicht getestet und können nicht sagen, ob die versprochenen Features wirklich funktionieren. .

By the way: Schaut euch ruhig die Websites an. Die sind nämlich seeeeehr ähnlich. Und viele der Apps wollen ein Abo verkaufen. Ein Schelm, wer Böses (KI *hust* schnelle Mark *hust*) dabei denkt...

  • Tapelark ist ein Aufnahmeprogramm für Audio für den Mac. Der Entwickler verspricht, dass das Programm jeden Audio-Stream am Mac aufzeichnen kann. Ideal, um etwa aus Filmen Hörbücher zu erstellen oder einfach ein wenig Webradio mitzuschneiden, alles hübsch im Audiokassetten-Look. Derzeit gibt es Tapelark nicht nur für macOS, sondern auch für Linux. Eine Windows-Version soll folgen.
  • Truffle verspricht, die Musikmediathek in Ordnung zu bringen. Mittels KI werden namenlose Dateien analysiert und Songs zugeordnet, Genres, Alben und Künstlernamen homogenisiert. Ich habe das bei meiner Mediathek seit 20 Jahren händisch gemacht, das Tool kann aber eine große Erleichterung für Nutzer mit verlotterter Mediathek oder Anwender, die oft Audio mitschneiden, sein. Truffle gibt es derzeit nur für den Mac.
  • Hablaki ist eine Text-to-Speech-Lösung. Wofür man so etwas heute noch braucht, wo es doch genug andere Lösungen gibt, inklusive gängiger KIs? Nun: Der Entwickler scheint noch irgendwo eine Nische gefunden zu haben. Hablaki gibt es für macOS und Windows.
  • Normapi erstellt und prüft E-Rechnungen im XRechnung- und ZUGFeRD-Format.
  • Orbit IPTV ist eine Frontend-Alternative für GoogleTV- und AndroidTV-Fernseher sowie das Amazon FireTV.
  • Collage für Android und Windows erstellt Fotocollagen und das völlig kostenlos.
  • Floodtide ist ein App-Updater für macOS. Auch hierfür gibt es zahlreiche Alternativen.
  • PerchShelf ist eine Shelf-App für Windows, um Dateien, Bilder oder Text zwischenzulagern. Shelf-Apps bewegen sich irgendwo auf der Grenze zwischen Clipboard-Manager und einfachen Ordnern, ich konnte da nie so recht etwas mit anfangen. Aber es wird Nutzer geben, die diese Technik bervorzugen. Die Mac-Alternative wäre Yoink.
  • Fanfold ist eine Reader-App, die Websites wie ein gedrucktes Buch oder Magazin ausgibt. Gerade auf Foldables könnte das für Vielleser interessant sein. Die Software gibt es für iOS und Android.
  • Minulo blendet Instagram-Reels und Youtube-Shorts auf iPhones aus, um abendliches Doomscrolling zu verhindern.
  • Websitearchiver kann ganze Websites auf dem Mac speichern.
  • Zender fokussiert Audio-Streaming: Die App soll 60.000 Radiosender und Podcasts auf Windows, Linux, macOS, Android und iOS bringen. Zudem gibt es eine praktische Aufnahmefunktion.

Vibe-Coding ist natürlich ein umstrittenes Thema. Was haltet Ihr von dem Trend, der KI-App-Flut und den neuen Möglichkeiten zur Software-Entwicklung? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Christian Rentrop

Diplom-Journalist (FH), Baujahr 1979. Schreibt gerne das Internet voll. Noch lieber auf der Vespa oder mit dem Wohnwagen unterwegs, die Kamera immer dabei. Seit 2020 Tochtervater, dementsprechend immer sehr froh über eine kleine Kaffeespende.

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