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Chuwi Hi10: Vor dem Elektroschrott bewahrt. (Bild: Christian Rentrop)
Chuwi Hi10: Vor dem Elektroschrott bewahrt. (Bild: Christian Rentrop)

Chuwi Hi10 und andere Windows-China-Tablets neu aufsetzen

Das Chuwi Hi10 war mal ein brauchbares China-Tablet. Mit wenigen Handgriffen kann es neu installiert werden: Anschließend kann es als wunderbarer Windows-10-Zweitrechner seinen Dienst verrichten.

Manchmal, ganz selten, benötige ich einen echten, vollwertigen Windows-Rechner. Denn dummerweise funktionieren ganz wenige Anwendungen nicht in der virtuellen Maschine. Darunter zum Beispiel Programme, die direkten Hardware-Zugriff benötigen. Grund genug, mir noch einmal das verstaubte Chuwi-Tablet vorzunehmen – und es komplett neu mit Windows 10 aufzusetzen. Ganz banal ist das nicht.

Das halbgebrickte China-Tablet

Das Chuwi hatte sich nach meinen Bastelaktionen leider etwas verkantet und wollte nicht mehr so recht funktionieren. Updates gingen nicht mehr, die Rettungspartition war auch dahin, weshalb es zwar lief, aber quasi gebrickt war: Es gab auf den ersten Blick keine Möglichkeit, das völlig vermurkste Betriebssystem wieder auf Vordermann zu bringen. Die einzige Möglichkeit, die ich noch nicht ausprobiert hatte, war ein vollständiges Zurücksetzen, sprich: Neuinstallation.

Ja, mit Windows 10 kann man es tatsächlich wieder benutzen.
Ja, mit Windows 10 kann man es tatsächlich wieder benutzen.

Chuwi mit Boot-Stick neu installieren

Ein USB-Stick für die Windows-Installation war schnell mit Hilfe der Windows-VM auf dem Mac erstellt. Am Chuwi direkt wäre das aufgrund der vermurksten Festplatten-Situation leider nicht möglich gewesen. Grundsätzlich ist die Erstellung eines Bootmediums aber auf jedem Windows-System mittels Media-Creation-Tool möglich. Nach dem Anschluss sollte das Chuwi eigentlich den Windows-Installer booten, tat es aber nicht: Der vermalledeite Stick wollte nicht, wie ich wollte. Das Tablet bootete immer in das vermurkste Windows-System.
Grund genug, ins BIOS zu gehen – das klappt allerdings nur, wenn eine USB-Tastatur angeschlossen ist, da der Touchscreen und Bluetooth erst beim Systemstart eingebunden werden. Zum Glück habe ich davon genug auf Halde. Ein Druck auf die (ESC)-Taste beim Start, schon war ich drin. Zwar war die Bootreihenfolge korrekt und ließ sich auch nicht umstellen, doch das Chuwi-Mopped wollte immer noch ständig vom System-Laufwerk starten.

Ziemlich viel Hardware für so ein kleines Gerät...
Ziemlich viel Hardware für so ein kleines Gerät…

Lausige Dokumentation

Leider hilft an dieser Stelle auch Chuwi nicht weiter. Die lausigen Support-Foren sind extrem unübersichtlich, auch weil es von Chuwi gleich mehrere Modelle mit unterschiedlicher Hardware gibt, die als Hi10 laufen. Immerhin förderte ich hier über Umwege das Treiberpaket für das Chuwi Hi10 zutage. Die lausige Dokumentation half bei der Neuinstallation natürlich in keinster Weise weiter. Stattdessen versuchte ich es noch einmal im BIOS und fand dort eine „Boot Override“-Option. Ich markierte dort den Windows-USB-Stick, speicherte die Einstellungen mit Neustart ab und voilá: Das Chuwi startete endlich vom Windows-USB-Stick.

Installation ein Kinderspiel

Der normale Windows-10-Installer erlaubte mir auch gleich, die vermurksten Partitionen zu löschen und legte automatisch eine neue Recovery-Partition an. Nach rund einer Stunde war das Tablet wieder einsatzbereit, allerdings zunächst nur als PC. Mittels Tastatur und Maus schaffte ich es aber, das Treiberpaket herunterzuladen und danach sukzessive im Gerätemanager Treiber nachzuinstallieren. Anschließend lief das Chuwi auch wieder als Tablet, inklusive Touchscreen, Bildschirmtastatur, Bildschirmdrehung. Praktisch: Auch das WLAN konnte ich einrichten und mich anschließend wieder mit dem Tablet ins Internet begeben. Die restliche Installation und Einrichtung war dann ein Kinderspiel. Praktischerweise wurde die Chuwi-Serial auch direkt aus meinem Microsoft-Konto übernommen und Windows 10 automatisch aktiviert.

Chuwi Hi10: Als absoluter Notfall-PC durchaus noch geeignet.
Chuwi Hi10: Als absoluter Notfall-PC durchaus noch geeignet.

Sauber und wie neu

Seither ist das Chuwi wie neu: Ich kann es tatsächlich als Windows-Tablet verwenden und alles funktioniert reibungslos. Klar: Das Maschinchen ist alles andere als flott und der Bildschirm ist auch nur auf dem Papier gut. Trotzdem habe ich jetzt eine brauchbare Windows-Kiste für Wartungsarbeiten, ohne auch nur einen Cent dafür auszugeben. Klar: Eine Produktivmaschine wird die Mühle nicht mehr, dazu ist sie mit dem aktuellsten Windows-Update zu träge. Zudem habe ich ja auch ein iPad und ein Macbook Air, wodurch es wirklich keinen Grund gibt, die kleine Kiste zu benutzen. Es sei denn, ein exotisches Apple-Virus rafft alle meine Geräte auf einen Schlag dahin. Unwahrscheinlich.

OK für den gelegentlichen Einsatz

Aber für die gelegentlichen Windows-Sitzungen, die ich für Artikel hier oder für manche sehr hardwarenahe Anwendungen benötige, ist das kleine Tablet definitiv ausreichend, schließlich läuft es jetzt wieder zuverlässig. Kaufen würde ich mir so ein China-Tablet aber nicht mehr: Trotz des 4-Kern-Atom 64 und der 4 Gigabyte RAM ist es doch recht zügig gealtert. Ich vermute als Grund die lahme SSD, aber die zu wechseln, wäre Irrsinn. Egal: Das Teil läuft wieder und ist damit für irgendetwas nutze, und das ist die Hauptsache.

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und mit der Vespa GTS 300 oder meinem Hund in der echten Welt unterwegs.
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