Darknet zum Mitreden: Was ist das Darknet? Wie komme ich da rein? Ist das legal? Was gibt es dort? Wie kommuniziere ich? Wie komme ich an Adressen? Fragen über Fragen – wir geben kurze Antworten ohne allzu viel Techie-Gefasel.

Das Thema Darknet lässt und und Euch nicht los und in den Nachrichten taucht es auch regelmäßig auf. Dabei gibt es jede Menge Fragen: Was ist das überhaupt? Wie komme ich da rein? Ist das legal? Wir klären das Wichtigste kurz und für Jedermann verständlich.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Darknet?
Warum wird das Darknet immer bei Attentaten erwähnt?
Was gibt es im Darknet zu sehen?
Ist ein Besuch im Darknet das illegal?
Warum sollte man ins Darknet gehen?
Wie sicher bin ich im Darknet?
Wie komme ich ins Darknet?
Wie funktionieren ONION-Links?
Wie komme ich an Darknet-Adressen?
Wo kann ich anfangen zu surfen?
Wie bezahle ich im Darknet?
Wie kommuniziere ich im Darknet?
Wie kommuniziere ich ins/aus dem Darknet?
Wie kann ich Inhalte im Darknet veröffentlichen und teilen?
Wo sind denn nun all die Terroristen?

Hinweis: Der Artikel funktioniert nur bedingt als FAQ, weil teils Dinge aufgegriffen werden, die vorher erklärt wurden – im Zweifel benutzt einfach die Seitensuche (Strg+F).

Viele weitere Artikel zum Thema Darknet findet Ihr hier.

Was ist das Darknet?

Zunächst mal etwas Begriffsklärung bezüglich Darknet und Deepweb: Oft werden die Begriffe vermengt oder anders genutzt, aber allgemein wurde als Deepweb auch schon vor 20 Jahren der Teil des Internets gesehen, den normale Suchmaschinen wie Google nicht sehen können. Darunter fallen beispielsweise auch Datenbanken, die nur mit entsprechenden Zugangsdaten erreichbar sind, oder mein Google Drive. Darknet meint in der Regel das Tor-Netzwerk. Das ist ein Netzwerk, aufgebaut über die Tor-Software, zwischen weltweit verteilten Rechnern – teils ganz normalen Desktop-Rechnern bei Privatanwendern. Die technischen Details könnt Ihr gut in der Wikipedia nachschlagen. Aber auch andere Netzwerke dieser Art fallen unter diesen Begriff. Das Tor-Netzwerk ist quasi ein Darknet.

Im meistens gemeinten Sinne ist das Darknet also das Tor-Netzwerk, das manchmal auch ONION-Netzwerk genannt wird. Warum? Tor verwendet das sogenannte Onion-, also Zwiebel-, Routing: Ihr verbindet Euch mit einem Rechner, der mit dem nächsten Rechner, der wiederum mit einem und schließlich landet Ihr auf einem Ausgangsrechner (Exit Node), der Eure Anfrage wieder in das normale Internet, das Clearweb überträgt. Das heißt praktisch: Ihr tippt im Tor-Browser etwa „google.de“ ein, die Anfrage geht durch das Tor-Netzwerk und Ihr bekommt die Google-Seite angezeigt. Aus Sicht der Google-Server ruft aber nicht Ihr, sondern der Ausgangsrechner die Seite auf – Ihr seid anonym!

Nun ist Google.de zweifelsfrei keine Darknet-Seite. Darknet-Seiten (Hidden Services) liegen eben nicht auf Google-Servern, sondern auf Servern im Tor-Netzwerk – und da gibt es dann keine Schnittstelle mehr aus dem Darknet zu irgendwelchen Clearweb-Servern. Woher Ihr die Adressen bekommt und was Onion-Links sind, erfahrt Ihr weiter unten.

Kurz: Das „Darknet aus den Nachrichten“ meint meist einfach Seiten im Tor-Netzwerk. Tor wiederum ist ein kostenloser Dienst für Jedermann, um anonym im WWW oder im Darknet zu surfen.

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Die Adresse aus dem Clearweb glaubt Euch in Holland.

Was sind Hidden Services?

Meist wird Tor genutzt, um einfach anonym ins Clearweb zu kommen. Illegale Waffenbörsen und dergleichen werden aber direkt in Tor betrieben – weil so nicht nur der Surfer, sondern auch der Anbieter anonym ist. Nebenbei: Geschäfte im Darknet macht man also mit einer Blackbox – man wirft Geld ein und hofft, dass aus der Box die gewünschte Gegenleistung fliegt. Verbrecher scheinen erstaunlich viel Vertrauen aufbringen zu können. Im Grunde ist mit dem Nachrichten-Darknet also das „Netzwerk“ aus Hidden Services gemeint, Zugang über Tor ist obligatorisch.

Kurz: Web-Angebote, nur eben im Darknet gehostet.

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Tor-Browser, Onion-Adresse – willkommen im Darknet.

Warum wird das Darknet immer bei Attentaten erwähnt?

Wie eben beschrieben: Das Darknet gewährt Anonymität – und somit ist es für Verbrecher und Terroristen und ähnliches Gelump natürlich ein wunderbarer Ort, um sich auszutauschen, heiße Ware zu verhökern oder illegalen Content anzubieten. In die Nachrichten schafft es das Darknet meist, weil sich jemand die Waffen eben dort besorgt hat – im Darknet gibt Amazon-ähnliche Marktplätze für Waffen, Drogen und branchentypische Dienstleistungen.

Bevor jetzt aber irgendein Depp denkt, „Geil, kaufich“, noch ein kleiner Warnhinweis: Die Anonymität endet, wenn Dinge aus der echten Welt, etwa Adressen, Geld oder Waren, den Besitzer tauschen sollen – irgendwie logisch, oder? Amokläufer mit Waffen von Darknet-Kaufhäusern werden aber ja doch häufig genau an dieser Schnittstelle erwischt, weil sie etwa Bitcoins als vermeintlich anonymes Zahlungsmittel mit ihren echten Bankdaten erworben haben … Ist doch schön, das das oft nicht die Hellsten sind.

Kurz: Weil man da (theoretisch) anonym Waffen kaufen kann.

Was gibt es im Darknet zu sehen?

Wenn Ihr wissen wollt, was es im Darknet alles gibt, abgesehen von dem illegalen Mist, ohne selbst ins Darknet zu gehen, haben wir hier eine kleine Rundreise.

Kurz: Alles, was es im Clearweb auch gibt – nur quantitativ und qualitativ mieser.

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Im Darknet gibt es nicht nur Illegales.

Ist ein Besuch im Darknet illegal?

Nein, nein, nein und nochmals nein. Ihr dürft ins Darknet. Punkt. Ja, im Darknet werden illegale Dinge angeboten – aber wisst Ihr was? In Berlin auch, und dennoch dürft Ihr dahin.

Kurz: Nein!

Warum sollte man ins Darknet gehen?

Auch dazu haben wir einen separaten Artikel: 7 Gründe, warum jeder mal Tor und Darknet besuchen sollte.

Kurz: Aus Neugier oder weil Ihr anonym sein wollt/müsst.

Wie sicher/anonym bin ich im Darknet?

Ziemlich sicher. Etwas unbefriedigend, stimmt’s? Nun, die oben erwähnten Tor-Exit-Nodes kann jeder betreiben, auch ein Geheimdienst – dass die NSA einige betreibt, ist kein Geheimnis. Allerdings sieht auch der Exit Node nur den direkten Tor-Rechner hinter sich, nicht die ganze Kette (daher das Zwiebel-Routing). Aber nicht nur über Eure IP-Adresse könnt Ihr identifiziert werden, es gibt auch kleine Gemeinheiten wie Browser-Footprinting. Darin werden alle Daten eines Browsers zusammengefasst, Dinge wie Fenstergröße, Version, installierte Add-ons oder was auch immer. Mit genügend Daten ließe sich so zumindest ein bestimmter Browser/Nutzer festmachen. Und drittens gibt es natürlich auch technische Schwachstellen in Tor, immer wieder sogar. Allerdings werden sie auch sehr zügig gestopft.

Das klingt nun ziemlich unsicher, ist es aber nicht. In der Praxis ist das alles mit wahnwitzig viel Aufwand verbunden und auch gar nicht immer umsetzbar. Euer größter Trumpf: Was auch immer Ihr treibt, diejenigen, die das alles können, werden sich für Euch gar nicht interessieren. Es sei denn, Ihr plant die USA zu stürzen oder ähnlichen Quatsch. Benutzt den Tor-Browser genau so wie er ist, verändert weder Fenster noch Einstellungen, haltet ihn aktuell und seit um Himmelswillen achtsam beim Eingeben von Daten. Dann seid Ihr schon ziemlich sicher anonym unterwegs. Vor dem Eingeben echter Mail-Adressen schützt zum Beispiel nur gesunder Menschenverstand.

Im Darknet im engeren Sinne, also auf Hidden-Service-Seiten, gibt es diese Schnittstelle ins Clearweb wie bereits erwähnt nicht – dafür wisst Ihr aber auch nicht, wer die Seite betreibt. Vielleicht seid Ihr direkt mit einer Behörde verbunden. Das macht das Überführen ziemlich einfach.

Kurz: Vernünftig genutzt, seid Ihr mit Tor ziemlich sicher anonym im Netz unterwegs. Auf Darknet-Seiten seid Ihr sicher, solange Ihr keine echten Daten eingebt – alles andere ist Glücksspiel.

Wie komme ich ins Darknet?

Das ist doch eigentlich die Frage aller Fragen, oder? Die Antwort geben wir ausführlich hier.

Kurz: Mit Tor und ein paar Onion-Links.

Wie funktionieren ONION-Links?

Im Tor-Netzwerk gehostete Seiten haben die Endung .ONION und sehen zum Beispiel so aus: http://f9283urpsjf8.onion. Im Tor-Browser könnt Ihr solche Links anklicken, wie normale Links hier auf der Seite. In der Regel haben die Seiten aber eben keine schicken Namen, sondern nur Zeichengewürfel – was die nächste Frage überhaupt aufwerfen dürfte.

Kurz: Wie jeder andere Link, aber nur im Tor-Browser.

Wie komme ich an Darknet-Adressen?

Es gibt im Clearweb Suchmaschinen für Onion-Adressen und hier und da Linklisten. Und natürlich gibt es im Darknet selbst Suchmaschinen (zum Beispiel Torch) wie Google, nur viel schlechter. Beispiele? Nächste Frage! (also wörtlich …)

Kurz: Google.

Wo kann ich anfangen zu surfen?

Wir haben hier eine Liste mit 15 besuchenswerten, nützlichen Seiten, die den Einstieg ins Darknet erheblich erleichtern.

Kurz: Torch – http://xmh57jrzrnw6insl.onion

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Auch im Darknet ist die Suchmaschine Anlaufpunkt Nummer 1.

Wie bezahle ich im Darknet?

Das übliche Zahlungsmittel ist derzeit noch der Bitcoin – Infos für Einsteiger haben wir hier. Mit Bitcoins könnt Ihr tatsächlich absolut anonym bezahlen – aber nur selten (nicht nie!) beim Bäcker. Soll heißen: Um Bitcoins überhaupt zu bekommen und vor allem, um Bitcoins in Euro umzutauschen, gibt es eben doch immer Kontakt zwischen echten und anonymisierten Daten. Natürlich gibt es Möglichkeiten, Bitcoins zu waschen, Bitcoins (in anderen Ländern) am Automaten oder im Einzelhandel anonym zu kaufen oder sie über irrwitzige Wege anonym aus ihrer digitalen Welt in die Welt der Euros und Dollars zu buxieren. Ganz trivial ist die Sache mit den Bitcoins nicht.

Kurz: Kryptowährungen, vorzugsweise Bitcoin – Verrückte zahlen mit Kreditkarte.

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Im Darknet zahl man mit Bitcoins, beispielsweise mit dem Wallet EasyCoin.

Wie kommuniziere ich im Darknet?

Wenn Ihr nur im Darknet kommunizieren wollt, nutzt einfach TorBox, einen simplen eMail-Service, der ohne große Registrierung auskommt und einen ordentlichen Browser-Client hat. Chat-Dienste und dergleichen gibt es natürlich auch; tut einfach, was Ihr bei der Frage im WWW tun würdet: Fragt die Suchmaschine nach Lösungen.

Kurz: TorBox – http://torbox3uiot6wchz.onion

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Darknet-only: TorBox ist ein supersimpler Darknetmailer.

Wie kommuniziere ich ins/aus dem Darknet?

Wie wäre es mit verschlüsselter und auf Wunsch anonymer eMail-Kommunikation ohne jeglichen Aufwand? ProtonMail ermöglicht genau das, kann Mails zwischen Darknet und Clearweb austauschen und bietet den sehr guten Webclient auch direkt im Darknet an. Ein super Tipp auch für Nicht-Darknet-Nutzer.

Kurz: ProtonMail.

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Mail – anonym und vercryptet für Dark- und Clearweb.

Wie veröffentliche ich im Darknet?

Für echte Angebote müsst Ihr die erwähnten Hidden Services einsetzen – das ist nicht ganz trivial, nicht auf den Zugang beschränkt und wir sparen uns das. Aber wenn Ihr mal eben Bilder oder Texte anonym veröffentlichen oder teilen wollt, gibt es einfache Lösungen: Für Bilder bietet sich beispielsweise Matrix (http://matrixtxri745dfw.onion) an und für Texte Pastebin wie ZeroBin. In beiden Fällen könnt Ihr einfach Inhalte ohne Anmeldung hochladen und den Link teilen – einfacher geht es wirklich nicht.

Kurz: Über Upload-Dienste.

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Pastebins machen das Veröffentlichen einfach.

Wo sind denn nun die ganzen Terroristen?

Tja, jetzt wisst Ihr schon Vieles über das Darknet, habt es besucht und etliche Seiten durchstöbert – und vermutlich nicht viel mehr gesehen, als ein paar illegale Stores, etliche tote Links und vielleicht noch ein paar (wirre) Angebote im technischen Outfit der 90er Jahre. Ja, wir wissen, was Ihr wirklich wollt, aber da gibt es zwei Probleme: Erstens würden wir es Euch nicht verraten, und zweitens können wir auch gar nicht. Das Darknet hat quasi sein eigenes Deepweb, zugangsbeschränkte Bereiche (Foren, Communities), in die man in der Regel wohl vor allem über persönliche Kontakte kommt.

Kurz: Hoffentlich weit weg.

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Über den Autor

Mirco Lang

Mirco Lang

Freier Journalist, Exil-Sauerländer, (ziemlich alter) Skateboarder, Dipl.-Inf.-Wirt, Einzelhandelskaufmann, Open-Source-Nerd, Stichwortschreiber. Ex-Saturn'ler, Ex-Data-Becker'ler, Ex-BSI'ler.

Computer-Erstkontakt: ca. 1982 - der C64 des großen Bruders eines Freunds.

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