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Animationen mit Procreate auf dem iPad erstellen

Am iPad könnt Ihr ganz einfach Animationen mit Procreate erstellen. Die App hilft Euch bei Eurem ersten Zeichentrickfilm.

South Park, Family Guy, Bobs Burgers – oder die allgegenwärtigen Simpsons: Jeder von Euch dürfte eine Lieblings-Trickserie – oder auch einen Lieblings-Film – haben, der animiert ist. Wenn Ihr ein iPad samt Apple Pencil besitzt und 15 Euro locker habt, könnt Ihr ganz bequem selbst Animationen (oder animierte GIFs) erstellen: Dank der App Procreate ist das ein echtes Kinderspiel.

Procreate ist eigentlich eine sehr leistungsfähige Zeichen-App für das iPad. Im Grunde handelt es sich inzwischen um einen absoluten Pflichtkauf, wenn Ihr das iPad für Grafik und Zeichnungen verwenden wollt. Die App besitzt zahlreiche praktische Funktionen, von Ebenen über eine enorme Zahl virtueller Pinsel, unterstützt den Apple Pencil perfekt – und erlaubt Euch damit, am iPad wirklich kreativ zu werden! Anders als so mancher Mitbewerber ist Procreate ein Einmalkauf: Kein Abo, kein Account, kein sonstiger Bullshit – und ist damit jeden Cent wert.

Animieren ist normalerweise viel Arbeit

Animationen sind im Grunde Stop-Motion-Filme, aber mit Zeichnungen statt Objekten arbeiten. Sprich: Ihr braucht für jedes Einzelbild eine eigene Zeichnung. Das ist der Grund, warum Animation eine hohe Kunstform ist: Egal ob 3D-Animation wie in modernen Zeichentrickfilmen, Stop-Motion wie bei Wallace & Gromit oder klassischer Zeichentrick wie bei Disneys Klassikern: Der Film besteht aus Einzelbildern, im Kino-Format sind das 24 Bilder pro Sekunde.

Zwar bedienen sich Animatoren eines Tricks, etwa indem sie die Bildrate senken oder Einzelbilder verdoppeln, was in etwas „ruppigen“ Animationen resultiert. Dennoch: Jedes Frame braucht ein Bild – und das ist nichts, was man so eben an einem Sonntagnachmittag zusammenschustert. Und genau hier setzt Procreate an: Ihr könnt mit dem Tool im Handumdrehen wirklich interessante Animationen erstellen!

Animieren mit Procreate: So geht’s!

Aber genug der grauen Theorie: Schnappt Euch Euer iPad, Euren Pencil und Procreate, schon kann’s losgehen. Öffnet aus der Galerie ein neues Bild – das Format ist erst einmal egal – und beginnt zu zeichnen. Stift oder Stil sind ebenfalls erst einmal Nebensache.

Die Figur soll mit dem rechten Arm winken und sich sonst nicht bewegen. Daher lassen wir den rechten Arm zunächst weg.

Achtet beim Zeichnen aber darauf, dass Ihr Euch vorher überlegt, was Ihr genau animieren wollt: Wenn Ihr Euch Zeichentrickserien oder auch Animés, gerade aus preiswerterer Produktion, einmal genauer anschaut, seht Ihr, dass in manchen Szenen im Grunde ein Standbild verwendet wird, in dem sich nur ein Element bewegt.

In unserem Fall wollen wir, dass der kleine Tutonaut winkt, eine sehr einfache Animation. Der rechte Arm soll winken, insofern male ich an dieser Stelle alles, was sich nicht bewegen soll. Also einen Tutonaut ohne rechten Arm, denn der soll sich ja bewegen.

Anschließend dupliziert Ihr die Ebene ohne rechten Arm, indem Ihr die Ebene nach links wischt und „Duplizieren“ wählt. Ihr habt jetzt zwei identische Ebenen mit dem Tuto-Männchen ohne Arm.

Ebenen duplizieren bringt Euch die Möglichkeit, mit Procreate zu animieren.

Zeichnet jetzt in jede Ebene eine Handposition ein, also etwa: „Hand oben“ in Ebene 1 und „Hand unten“ in Ebene 2. Damit habt Ihr zwei Frames Euerer Animation erstellt – und habt damit bereits Eure erste Animation fertig! Glaubt Ihr nicht? Doch: Procreate betrachtet die einzelnen Ebenen Eures Bildes als einzelne Frames Eurer Animation. Bereits zwei Bilder reichen für eine (sehr einfache!) Animation aus!

Zwei Frames sind schon eine Animation!

Ihr könnt jetzt die grandiose Animations-Funktion von Procreate verwenden: Tippt dazu einfach links oben auf das Schraubenschlüssel-Symbol und wählt den Reiter „Teilen“. Hier findet Ihr, neben einer Reihe von Bildformaten, auch einige Animations-Optionen: Nehmt Animiertes GIF, Animiertes PNG, Animiertes MP4 oder Animiertes HEVC, je nachdem, was Ihr braucht. Der Export-Vorgang an sich ist erst einmal immer gleich, je nach Dateiformat habt Ihr mal mehr, mal weniger Optionen.

Über das Teilen-Menü könnt Ihr die Animationsfunktion von Procreate aufrufen.

Wenn Ihr zum Beispiel ein animiertes GIF erstellen wollt, müsst Ihr nur „Animiertes GIF“ auswählen: Procreate berechnet jetzt die Animation, zeigt Euch eine Vorschau – und bietet Euch noch eine Reihe von Funktionen wie die Frames pro Sekunde (um die Animation schneller oder langsamer laufen zu lassen), Dithering oder transparenten Hintergrund. Letzteres ist sehr praktisch, wenn Ihr die Animation auf einem anderen Bild (oder in einem Video oder Powerpoint) einbauen möchtet.

Mit Tipp auf „Exportieren“ ist Eure Animation dann auch schon fertig: Speichert sie irgendwo ab und freut Euch darüber, dass Ihr jetzt Animationsprofis Animator-Azubis seid. Das fertige Bild könnt Ihr natürlich in jeder Videoschnitt-Software und in jedem Programm, das mit Animationen klar kommt, weiterverwenden. Und so sieht unsere kleine Animation am Ende aus, was für eine Quick-and-Dirty-Animation mit nur zwei Frames doch schon recht ordentlich ist:

Hallöle!

Procreate-Animationen ausgefeilter gestalten

Natürlich ist die hier gezeigte Animation nur das absolute Basis-Wissen: Um ausgefeiltere Animationen zu erstellen, ist es wichtig, dass Ihr nicht nur besser zeichnet als ich (wie gesagt: Das war jetzt ein Quicky für das Tutorial!), sondern auch mehr Zwischenframes einbaut. Im Fall des Winke-Tutonauts wäre es zum Beispiel sinnvoll, insgesamt ca. 12 Ebenen mit Handpositionen einzupflegen, damit die Sache flüssiger aussieht.

Natürlich könnt ihr Euch dabei auch Bewegungen und ähnliches einbauen oder andere Gliedmaßen zusätzlich animieren. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist, dass Ihr den Basis-Frame minus des zu animierenden Teils zeichnet und diesen wieder und wieder dupliziert.

Noch besser animieren mit Procreate Animationsassistent

Noch ausgefeilter könnt Ihr Eure Animationen übrigens gestalten, wenn Ihr den Animationsassistenten verwendet: Den könnt Ihr über das Schraubenschlüssel-Symbol im Reiter „Leinwand“ aktivieren. Er hilft Euch dabei, in Windeseile auch komplexere Animationen zu erstellen. Legt dazu zunächst ein Procreate-Projekt mit mehreren Ebenen an und fügt diese zusammen. Anschließend könnt Ihr die dadurch entstandenen Frames mit dem Animationsassistenten duplizieren und jeweils leicht verändern. Das ist zwar das Gleiche, wie wenn Ihr mit eigenen Frames arbeitet, allerdings ein wenig komfortabler.

Der Animationsassistent erleichtert die Animation.

Schon habt Ihr in kürzester Zeit ein kleines animiertes GIF erstellt. In meinem Fall das durch das Bild rollende Smiley hier, das mich keine fünf Minuten gekostet hat.

27 Frames, fünf Minuten Arbeit.

Natürlich explodiert mit der Qualität der Zeichnungen, der Menge der Frames und der darin enthaltenen Ebenen der Aufwand, dafür sind auch recht komplexe Animationen möglich.

Nicht für längere Filme geeignet!

Ganze Filme mit der Funktion zu produzieren geht allerdings nicht: Die Software limitiert die Frames, wodurch Ihr nicht unendlich viele Sekunden Material erstellen könnt. Ihr müsst die Sequenzen daher in Einzelteile aufteilen, die Ihr anschließend per Schnittprogramm zusammenfügen müsst. Je nach Schnittsoftware, die Ihr besitzt kann es aber durchaus sinnvoll sein, die darin meist enthaltenen Animationsmöglichkeiten via Keyframes einzusetzen – und ProCreate weiter nur für Einzelbilder zu verwenden.

Die Procreate-Animationen sind nicht unbedingt optimal, Ihr könnt sie aber gut einsetzen, um schnell eine Animation für Social Media zu erstellen oder Euch einfach selbst einen Gefallen zu tun und Animation zu üben. Ich für meinen Teil muss definitiv an meinem Zeichenstil arbeiten, außerdem ist mir die Arbeit mit Frames und Ebenen logistisch ein Graus. Das ist aber vor allem eine Frage der Übung – und wer weiß: Vielleicht kommt irgendwann ja „Tutonaut – DER FILM“. Die ersten Grundsteine sind ja jetzt bereits gelegt…

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Christian Rentrop

Diplom-Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Schreiberling in Totholzwäldern und auf digitalen Highways unterwegs. Öfter auch auf der Vespa oder mit dem Wohnwagen unterwegs. Seit 2020 Tochtervater, dementsprechend immer sehr froh über eine kleine Kaffeespende.

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