
Über mechanische Tastaturen haben wir hier schon reichlich veröffentlicht, angefangen mit einer sehr ausführlichen Kaufberatung und dazu etliche Beiträge zu Tastenkappen, Schaltern, einzelnen Modellen und sonstigen Tastatur-Themen. Die Nova N60 ist insofern etwas Besonders, als dass sie für unterwegs gedacht ist, für den Laptop.
Der Markt für Tastaturen ist groß, das Angebot oft undurchsichtig und schlecht verfügbar, Layouts sind verwirrend, die Größe will gewählt werden, die Schalter ... Meine Mindestanforderungen in diesem Fall:
- Klein: 60- oder 65-Prozent-Bauform
- Mechanisch: Clicky Marken-Schalter (Cherry, Gateron, Kaihl etc.)
- Layout: ISO DE
- Kurzfristig verfügbar
- Preislich erträglich ...
Wünsche:
- Programmierbar
- Funktionsebenen (weil klein ;) )
- Hotswap
- Split 🥰
Und hier, die Features der Ranked Nova N60:
- Layout: ISO DE auf 60 Prozent - also ohne dedizierte Pfeiltasten!
- Schalter: Gateron Blue (weitere Gateron- und Kaihl-Schalter verfügbar)
- Hotswap (Schalter können per beiliegendem Werkzeug ausgetauscht werden)
- Programmierbar auf mehreren Funktionsebenen
- LED-Beleuchtung
- Preis: 20 Euro
20 Euro sind unfassbar günstig für so eine Tastatur!
Die Verarbeitung ist einwandfrei, Gateron-Schalter stehen den Cherry-Originalen kaum/nicht nach, das Gerät ist ordentlich schwer, Hotswap funktioniert einwandfrei und selbst das Kabel ist lang genug - nichts zu meckern. Tippgefühl und -Sound stehen viel teureren Modellen wie meiner 164-Euro-Mistel-Split-Tastatur kaum nach (ein wenig eben doch). Aber wie sieht es mit Software aus?

Spezial-Feature: Tap Mode
Erst mal ein Blick auf das groß beworbene Feature Tap Mode: Wie erwähnt, gibt es keine Pfeiltasten, was normalerweise irgendwelche Tastenkombinationen erfordert. Über den Tap-Modus geht das auch ohne: Die FN-, Umschalt- und Steuerungstasten unten rechts dienen als Pfeiltasten - sie müssen nur schnell genug gedrückt werden!
Drückt man sie etwas länger, standardmäßig 100 ms, entfalten sie ihre normalen Funktionen. Für mich funktioniert das nicht hundertprozentig überzeugend, weil ich im 10-Finger-System schreibe und tendenziell relativ schnell. Folge: Großbuchstaben mit rechter Umschalt-Taste haben regelmäßig meinen Cursor an den Zeilenanfang geschubst. Mit 40 ms funktioniert es ganz okay, aber das ist schon sehr kurz.
Aber: Der Tap-Modus ist wirklich toll für alle, die nicht ständig viel, blind und vor allem schnell tippen. Eigentlich generell außerhalb eines Text-Editors.
Nachtrag: Lustig, bin gerade die verlinkten Artikel durchgegangen und siehe da, vor 8 Jahren habe ich selbst eine sehr ähnliche Funktion gebaut - ich nannte es allerdings Doppelklick und "lange gedrückt halten" ;)
Software
Die Software kann, natürlich, nicht mit den komplexen Machwerken von Razer, Logitech & Co. mithalten, wenn es um Möglichkeiten geht - und das ist gut so. Die Nova ist ja nicht das Zentrum eines Gaming-Desktops, sondern etwas für unterwegs, zum Tippen auf kleinen Tischen, als Einstieg in die Welt der mechanischen Tastaturen.

Aber sie kann alles Nötige! Tasten lassen sich neu belegen, und zwar auf der Standardebene wie auf den beiden Funktionsebenen Fn1 und Fn2. Es gibt einen nicht ganz intuitiven Makro-Editor, eine ordentliche Auswahl an LED-Effekten, ein paar wenige Systemeinstellungen. Und natürlich lassen sich Tasten auch manuell beleuchten - durchaus praktisch, um sich zum Beispiel die Positionen eigener Makros zu merken. Beleuchtung ist mehr als nur Gimmick!

Apropos: Dinge wie Mediensteuerung, F-Tasten, Beleuchtung etc. sind standardmäßig auf die Fn-Ebenen verteilt und stehen erfreulicherweise auf der Vorderseite der Tastenkappen, was nicht selbstverständlich ist.

Empfehlung
Als Haupttastatur wäre die Ranked-Tastatur nicht meine erste Wahl. Da möchte ich Opulenz ;) Volles Layout, Split, einzeln gepufferte Schalter, mehr Dämmung und Gewicht ...
Als Zusatz für den Laptop, für den Couch-Einsatz, gelegentliches Tippen am Tablet etc. ist es meine erste Wahl. Ich würde diese Tastatur generell jeder nicht-mechanischen Tastatur vorziehen, selbst auf dem Schreibtisch.
Das kleine 60-Prozent-Layout sorgt dafür, dass allerlei Funktionen nur über Tastenkombinationen verfügbar sind, aber da kann man sich dran gewöhnen. Zumal das hier wirklich ordentlich umgesetzt ist.
Davon abgesehen gibt es ja immer noch El Tutos Profilmanager!
Übrigens, geflissentlich habe ich das Thema Split ausgelassen. Für gelegentliche Laptop-Nutzung brauche ich das nicht unbedingt und viel Auswahl gibt es nicht. Da ich aber mit Barebones gute Erfahrungen gemacht habe, hätte ich auf diese Version gesetzt - wäre sie nur kurzfristig verfügbar gewesen ... immer wieder das gleiche Problem in der Keyboard-Branche. Aber gut, das ist auch ein eher spezielles Produkt ;)








Danke für den gut gemachten Artikel. Für mich wäre es wichtig gewesen ob diese Tastatur voll umfänglich (Tastatur und Software) unter Linux nutzbar ist. Danke. Gruß Rigo
Danke – und: guter Punkt, ich werde sie nämlich auch meist unter Linux nutzen ;)
Die Tastatur läuft problemlos, alle Einstellungen sind im Keyboard selbst gespeichert und stehen auch unter Linux zur Verfügung.
Die Software gibt es nicht für Linux – Moment, ich installiere mal eben Wine und teste … nein, will leider nicht. Die Software lässt sich per Wine problemlos installieren, aber weder in einer VM noch auf echter Hardware wurde das Keyboard von der Software erkannt. In einer Windows-VM hat es funktioniert (die lief zwar ebenfalls auf einem Windows, aber das sollte keinen Unterschied machen).
Von daher: Mit einer Windows-VM oder einem sonstigen Win-Rechner zum Konfigurieren, kann man die Tastatur auch unter Linux nutzen – das Utility wird nicht für den laufenden Betrieb benötigt.