Hohe Handyrechnung durch Mobilfunk-Verbindungen gehabt, obwohl Ihr Roaming deaktiviert hattet? Dann seid Ihr möglicherweise wie ich von Geister-Roaming betroffen.

Da kommt man gut erholt aus dem Urlaub zurück und was ist? Die Mobilfunkrechnung ist brutal hoch. Statt wie sonst 22 Euro wurden mir 56 (!) Euro berechnet, und das, obwohl ich drei Wochen in Thailand war und dort weder telefoniert, noch im Mobilfunknetz gesurft habe. Ich hatte Roaming vor dem Flug deaktiviert und erst zurück in Deutschland wieder angeschaltet. Sicher: Es handelt sich um keine katastrophalen Summen. Doch ärgerlich ist dieses Geister-Roaming allemal.

Hohe Handyrechnung nach dem Urlaub

Dass Smartphones echte Datenfresser sind, ist mir bekannt. Und dass das Auslands-Datenvolumen außerhalb der EU, noch dazu in Thailand, ausgesprochen teuer ist, ist mir auch bekannt. Wie teuer? Nun, darüber informierte mich mehrmals am Tag (!) eine Tarif-SMS meines Mobilfunkanbieters:

15 Cent für 10 Kilobyte – sportlich!

15 Cent für 10 Kilobyte – sportlich!

Na hoppla: Geister-Roaming?!

Ein Blick auf die Rechnung, genauer gesagt auf den Einzelverbindungsnachweis, zeigt, dass hier anscheinend ein technisches Problem vorliegt. Entweder, das iPhone-Roaming ist gar nicht korrekt ausgeschaltet, wenn ich es ausschalte – dann wäre Apple schuld. Oder aber, beim Provider ist etwas schief gelaufen. Ein Blick in den Einzelverbindungsnachweis zeigt zahllose winzige Datenverbindungen am Tag – sogenanntes Geister-Roaming. Darunter auch eine dicke Datenverbindung mit 1,6 Megabyte, die mit fast 24 Euro zu Buche schlug.

Winzige Datenmengen

Der Gag daran: Die Datenmengen sind größtenteils wirklich klein, meist deutlich unter 5KB. Ich hätte weder Facebook öffnen, noch eine E-Mail laden können, ohne mehr Datenvolumen zu verbraten. Was umgekehrt den Rückschluss zulässt, dass ich die Verbindungen nicht genutzt habe – eine gute Verhandlungsposition für mich mit meinem Mobilfunkanbieter Simply. Die große Datenmenge hingegen kann ich mir, ehrlich gesagt, nicht erklären.

Winzige Datenmengen, dafür mehrmals am Tag – und das trotz deaktiviertem Roaming!

Winzige Datenmengen, dafür mehrmals am Tag – und das trotz deaktiviertem Roaming!

Was tun, wenn Geister-Roaming-Gebühren auftauchen?

Aber was tun, wenn tatsächlich solche Geister-Roaming-Gebühren auf der Rechnung auftauchen? Nun: Man sollte sich mit seinem Provider in Verbindung setzen. Eine kurze Google-Suche zeigt, dass das Problem bekannt und auf einen Fehler im LTE-Netz zurückzuführen ist. Dieser Fehler tritt weltweit und bei allen Providern auf – dürfte also noch der allerletzten Discounter-Klitsche bekannt sein. Warum solche Fehler nicht automatisch von der Rechnung genommen werden, ist jedoch eine Frage, die ich hier lieber offen lasse. Frei nach dem Motto: Versuchen kann man’s ja mal…
Ich für meinen Teil habe also Simply per Kontaktformular angeschrieben und auf das Geister-Roaming hingewiesen.

Sommer, Sonne, Strand und Mehrkosten.

Sommer, Sonne, Strand und Mehrkosten.

Die Antwort lässt auf sich warten

Fast 72 Stunden brauchte mein Provider, um mir zu antworten. Eine lange Zeit, wenn es um größere Summen geht. Die Antwort war, nunja: Halb befriedigend. Denn bei meinem Geister-Roaming-Problem tauchte neben all den kleinen Kilobyte-Mengen wie gesagt auch ein dicker Posten von fast rund 1.600 Kilobyte auf der Rechnung auf – mit 23,80 Euro der eigentliche Kostenverursacher. Der stammt meiner Ansicht nach auch von diesem Geister-Roaming-Problem, denn wie gesagt: Ich hatte beim iPhone (und iPad) das Roaming deaktiviert. Der Simply-Support zeigte sich zumindest bei den kleinen Datenmengen kulant:

(…) In Ihrer Nachricht reklamieren Sie die Berechnung der Datenverbindungen im Ausland. Wir können Ihre Verärgerung verstehen und möchten Ihnen näher erläutern wie die Verbindungen zustande gekommen sind.

Sie haben angegeben, dass Sie das Datenroaming zu bestimmten Zeiten ausgeschaltet hatten. Trotz ausgeschaltetem „Datenroaming “ können durch Einwahlversuche ins ausländische LTE-Netz minimale Datenpakete entstehen (1-2 Kilobyte).

Dies ist vom jeweiligen Gerät/Software abhängig. Des Weiteren kann nicht sichergestellt werden, dass sich Ihr Handy während einer WLAN-Sitzung (drahtloses lokales Netzwerk – Wireless LAN) nicht auch kurzzeitig in das Mobilfunknetz einbucht. Dies trifft dann zu, wenn das Handy kurzzeitig die Verbindung zum WLAN verliert.

In Ihrem Fall ist es zu solchen Einwahlversuchen Ihres Handys gekommen. Sie erkennen das anhand der wenigen aufgeführten Kilobyte-Mengen in Ihrem Einzelgesprächsnachweis. Die einzelnen Verbindungen werden jeweils mit dem Startzeitpunkt der Datenverbindung ausgewiesen.

Ihre Zufriedenheit ist uns wichtig, daher haben wir uns dazu entschieden aus Kulanz (…) diese Einzelbeträge von 6,45 EUR gutzuschreiben. Die Gutschrift sehen Sie auf Ihrer nächsten Rechnung.
(…)

Kunde doof, Handy doof

Das ist natürlich, nunja: Etwas schwammig. Simply versucht, den Bug im globalen LTE-Netz mit einem Fehler meinerseits zu begründen: Ich hätte das falsche Handy, und das auch noch falsch eingestellt. Selber schuld. Und nur der Gnade des Providers habe ich zu verdanken, dass die Summe der Mini-Verbindungen wieder zurück erhalte.

Ähm… und der Rest?

Richtig zufrieden bin ich mit der Antwort nicht: Einerseits wurden die 1,6 Megabyte (fast 24 Euro!) übergangen, die ich mir ebenfalls nicht erklären kann. Zu dem im Einzelverbindungsnachweis genannten Zeitpunkt war ich nämlich, das kann ich anhand meiner Fotos nachvollziehen, in einer Straßenküche mittagessen. Ich habe möglicherweise am Handy herumgespielt, aber definitiv mit ausgeschaltetem Roaming, da ich ja wusste, welche abartigen Tarife im thailändischen Mobilfunknetz anfallen.

Und dann noch EU-Roaming abschalten?!

Statt also diese seltsamen Roaming-Gebühren komplett zu erstatten, wird mir nur der Teil, der eindeutig als Geister-Roaming identifizierbar ist, erstattet. Das ist schräg. Noch schräger ist allerdings der letzte Satz der Nachricht des Simply-Supports:

Wir empfehlen Ihnen, für Ihren nächsten Auslandsaufenthalt neben dem „Datenroaming“ auch das „LTE-Netz“ und die „Daten/mobile Daten“ im Handy zu deaktivieren. Um Datenverbindungen im Ausland ganz auszuschließen, sollten Sie allerdings zudem einen Sperrauftrag für eine so genannte „ Datenroaming-Sperre“ bei uns einreichen, da wir keinen Einfluss auf die am Handy gesetzten Sperren haben.

Wollen die mich ver…?

Eine Datenroaming-Sperre beim Provider! Das hättet Ihr wohl gerne. Die würde nämlich auch das EU-Roaming komplett deaktivieren, inklusive möglicherweise vorhandener Auslands-Flatrates. Aus Providersicht wäre das bei Menschen wie mir, die es 45 Minuten nach Belgien und Holland haben und da auch gerne hinfahren, natürlich klasse. Für mich hingegen nicht. Statt also brav die seltsamen Roaming-Gebühren zu erstatten, wird mir noch ans Herz gelegt, mich ganz vom (für den Provider teuren EU-)Datenroaming zu verabschieden. Top.

Ich glaub', ich seh Gespenster?

Ich glaub‘, ich seh Gespenster?

Was sagt die Pressestelle?

Natürlich habe ich auch die Simply-Pressestelle kontaktiert und gefragt, was es mit dem Geister-Roaming auf sich hat. Die Antwort ließ auf sich warten, erfolgte dann aber doch:

Das sogenannte „Geister-Roaming“ betrifft LTE-fähige Endgeräte. Diese senden teilweise trotz deaktivierten Daten-Roamings Daten an das Mobilfunknetz, wenn nach dem Einbuchen ins Mobilfunknetz LTE zur Verfügung steht.
Deshalb reicht es in diesen Fällen nicht aus, nur das Daten-Roaming in den Handyeinstellungen zu deaktivieren. Um dieses Fehlerbild sicher zu vermeiden, raten wir Kunden, bei Auslandsaufenthalten außerhalb der EU zusätzlich zum Datenroaming auch die Einstellung „Mobile Daten“ zu deaktivieren sowie die LTE-Funktion für den Datenempfang auszuschalten und stattdessen einen WLAN-Zugang zu nutzen.

Wie Sie vermutlich wissen, realisieren wir unsere Dienste im Netzverbund von Telefónica. Dieser sowie alle anderen Netzbetreiber können aktuell nicht verhindern, dass LTE-fähige Endgeräte diese Daten trotz deaktivierten Daten-Roamings senden. Telefónica setzt sich in Branchengremien, die sich um weltweite Standardisierungen im Mobilfunk kümmern, dafür ein, dass diese offensichtlichen Fehler der LTE-fähigen Endgeräte schnellstmöglich beseitigt werden.

Mit anderen Worten: Es gibt einen Fehler im LTE-Protokoll. Auf meine Frage, warum die Mini-Beträge nicht automatisch von der Rechnung gestrichen werden, erhielt ich jedoch keine Antwort. Außerdem wäre es klasse, wenn die Provider Kunden von sich aus – etwa in der Info-SMS – über das Problem informieren würden.

Die Moral von der Geschicht‘: Geister-Roaming gibt es nicht doch

Tja, was also tun? Ich glaube ehrlich gesagt nicht an Gespenster. Aber ich glaube an meinen Kontostand. Und wenn der wegen eines technischen Fehlers beim Provider oder Smartphone oder beiden eine Delle bekommt, ärgert mich das, und zwar massiv. Ich soll für Leistungen bezahlen, die ich nie genutzt habe, die auftreten, weil ein seit Jahren bekanntes technisches Problem besteht. Die Logik ist erstaunlich geisterhaft. Da ich ansonsten mit Simply aber sehr zufrieden bin, werde ich es an dieser Stelle gut sein lassen und die 24 Euro abschreiben – was soll es denn. Künftig werde ich aber darauf achten, und zumindest bei Reisen außerhalb der EU die nötigen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Wie kann man sich vor Geister-Roaming schützen?

Ursächlich für das Geister-Roaming ist wie gesagt ein Fehler im LTE-Protokoll. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ich (und Ihr), Mobile Daten und vor allen Dingen LTE im Smartphone ganz deaktivieren solltet, bevor Ihr ins Flugzeug steigt. Sonst kann es, so folgere ich aus Simplys Support-Antwort, zum Geister-Roaming-Problem kommen. Reines Abschalten der Datenroaming-Option hilft ja ganz offensichtlich nicht.

Auf dem iPhone müsst Ihr dazu unter Einstellungen -> Mobiles Netz entweder den Schalter „Mobile Daten“ vor Reiseantritt deaktivieren. Oder Ihr schaltet generell LTE im Unterpunkt Datenoptionen -> LTE aktivieren auf „Aus“. Am besten beides. Meine Freundin mit einem aktuellen Android-Handy von Huawei ist ebenfalls bei Simply, die die mobilen Daten des Smartphones die komplette Reise über ausgeschaltet hatte, hatte kein Geister-Roaming auf der Rechnung. Falls Ihr also nach dem Urlaub eine hohe Handyrechnung habt, solltet Ihr auf jeden Fall im Einzelverbindungsnachweis nach winzigen Kilobyte-Verbindungen Ausschau halten.

So ist's recht: Datenroaming und LTE aus, am besten noch Mobile Daten generell.

So ist’s recht: Datenroaming und LTE aus, am besten noch Mobile Daten generell.

Hattet Ihr auch Probleme mit Geister-Roaming? Wie hat Euer Provider reagiert? Wir freuen uns auf Eure Antworten in den Kommentaren.

Über den Autor

Christian Rentrop

Christian Rentrop

Freier Journalist, Baujahr 1979. Erste Gehversuche 1986 am Schneider CPC. 1997 ging es online. Seither als Blogger und Journalist in Totholzwäldern, auf digitalen Highways und manchmal in der echten Welt unterwegs.
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Kommentare

  • Die noch bessere Lösung ist die deutsche Telefonkarte rausschmeißen aus dem Handy,
    Und wenn man unbedingt eine braucht durch eine Landes eigene Prepaid Karte zu ersetzen.

    • Sehr guter Bericht. Ich werde deshalb ein neues Manual zum Thema Geisterroaming in das Prepaid Data Wiki aufnehmen.
      Es scheinen wirklich mehr iPhones als Androids davon betroffen zu sein. Für Globetrotter empfiehlt sich außerhalb der EU wirklich eine lokale SIM-Karte im Reiseland zu benutzen. Dafür machen wir das Wiki.
      Ideal ist ein Dual-SIM-Handy. Da ist die primäre SIM die lokale SIM für Daten und lokale Anrufe und die sekundäre die Heimat-SIM um erreichbar zu sein. Im sekundären Slot sind nie Daten aktiviert und in Dual-SIM-Handys diese auch nicht LTE-fähig, wenn der primäre Slot LTE hat.

      • wenn mich dringend jemand erreichen will/muss läuft das bei mir über die Hotel Rezeption. So habe ich ruhe…. 🙂 Da ruft garantiert nicht Hans und Franz oder weiss der Geier wer an, weil er Langeweile hat 🙂